Kallnik regt andere Verteilung der TV-Gelder an

Rund 842.000 Euro kassieren die Drittligisten in dieser Saison aus dem TV-Topf. Eine klare Steigerung gegenüber der Premieren-Saison der 3. Liga (rund 540.000 Euro), aber immer noch deutlich weniger als in der 2. Bundesliga. Mario Kallnik, Geschäftsführer des 1. FC Magdeburg und Vertreter der Vereine im Ausschuss 3. Liga, regt daher eine andere Verteilung der TV-Gelder an.

3. Liga unter dem TV-Dach der DFL?

7,3 Millionen Euro! Diese Summe kassieren der SV Wehen Wiesbaden und der VfL Osnabrück als Aufsteiger in die 2. Bundesliga aus dem TV-Topf der DFL, der Karlsruher SC darf sich sogar über 8,2 Millionen Euro freuen. Eine Anstieg von über sechs Millionen Euro im Vergleich zur letzten Drittliga-Saison der drei Vereine. Möglich macht es der TV-Vertrag der DFL mit einem Gesamtvolumen von rund 1,16 Milliarden Euro in der Saison 2019/20 – maßgeblich begünstigt durch Klubs wie Bayern München und Borussia Dortmund. Und in der nächsten Spielzeit, wenn das Volumen auf etwa 1,4 Milliarden Euro ansteigt, würde ein Klub wie der VfL Osnabrück nach aktuellem Stand fast neun Millionen Euro kassieren. Astronomische Summen im Vergleich zur 3. Liga, wo die Vereine aus den Vermarktungserlösen (TV-Gelder, bwin, einheitlicher Spielball) insgesamt rund 1,3 Millionen Euro kassieren. "Diese Verteilungsregelung macht hinsichtlich der internationalen Wettbewerbsfähigkeit deutscher Spitzenclubs Sinn, geht aber zu Lasten der 'kleinen‘ Vereine", so Ingo Wald, Vorstandsvorsitzender des MSV Duisburg, gegenüber dem Magazin "Sponsors".

Um dem Ungleichgewicht entgegen zu wirken, regt Mario Kallnik in seiner Funktion als Vertreter im neugegründeten Ausschuss der 3. Liga an, die 20 Klubs an den Fernseheinnahmen der 2. Liga teilhaben zu lassen. Damit könnten die Zweitligisten in den Augen des FCM-Geschäftsführers "immer noch gut leben", während die 3. Liga wirtschaftlich tragfähiger werden würde, wie er "Sponsors" sagte. "Wenn wir in der vergangenen Zweitliga-Spielzeit sechs anstatt acht Millionen Euro Fernsehgelder erhalten hätten, wäre das überhaupt kein Problem gewesen", blickt Kallnik auf die vergangenen Saison seines 1. FC Magdeburg zurück. Ob die Zweitligisten allerdings freiwillig auf derart viel Geld verzichten, ist fraglich. Kallnik meint gegenüber dem Magazin aber: "Die Zweitliga-Clubs werden schnell merken, dass die Fallhöhe bei einem etwaigen Abstieg in die 3. Liga nicht so groß wäre und bei der Ausgeglichenheit der 2. Liga könnte dies so gut wie jeden Club treffen."

Steigerung der Einnahmen nicht als Lösung

Für Manuel Hartmann, DFB-Abteilungsleiter Spielbetrieb Ligen und Wettbewerbe, ist die bloße Steigerung der Einnahmen jedoch nicht der einzige Weg, um die finanzielle Situation der 3. Liga zu verbessern. Die Finanzdaten der vergangenen Saison geben ihm Recht: Trotz eines Rekordumsatzes von 185 Millionen Euro haben die 20 Drittliga-Klubs einen durchschnittlichen Verlust von 1,5 Millionen eingefahren und damit einen neuen Negativrekord aufgestellt. Gleich 13 Vereine schrieben rote Zahlen. Lediglich sieben Klubs beendeten die Spielzeit mit einem Gewinn. Der Knackpunkt: Die Ausgaben der Klubs sind um rund 30 Prozent auf rund 216 Millionen Euro angestiegen. Damit lag der durchschnittliche Gesamtaufwand pro Klub erstmals bei über zehn Millionen Euro.

Hartmann plädiert bei "Sponsors" daher für einen "vernünftigeren" Umgang mit den Mehreinnahmen in der 2. Bundesliga: "Uns sind auch Beispiele von Clubs bekannt, die Teile der Mehreinnahmen nach einem Aufstieg auf die Seite gelegt haben, um im Abstiegsfall darauf zurückgreifen zu können. Nach unserer Auffassung ist wirtschaftliche Vernunft essenziell." Dennoch ist es dem DFB ein Anliegen, die finanzielle Situation der Drittliga-Klubs weiter zu verbessern: "Hier sind wir alle gefragt und gemeinsam in der Verantwortung." Zusätzliche Fördergelder kann der DFB aus rechtlichen Gründen aber nicht ohne weiteres ausschütten. Und somit werden auch weiterhin viele Klubs ins Risiko gehen, um die 3. Liga so schnell wie möglich nach oben zu verlassen. Auf Dauer 3. Liga? Das scheint für die meisten Vereine trotz der sportlichen Attraktivität keine Option zu sein.

   
  • Nordhessenzebra

    Wenn jeder Verein 1. und 2. Bundesliga (36) auf 500.000,– € verzichtet würde jeder der
    20 Vereine der 3. Bundesliga zusätzlich 900.000,– € bekommen.
    Dann hätte man doch schon mal eine wesentlich bessere finanzielle Basis.
    2 Mio. von jedem aus der 2. Bundesliga ist doch völlig utopisch….

    • Sterneneisen

      Wieso sollte eigentlich mehr Geld irgendetwas ändern? Die Vereine oben würden mehr in Spielergehälter investieren, sodass die unten ebenfalls mehr investieren müssen, um wenigstens Schritt zu halten.
      Mehr TV-Gelder würden auf diesem Niveau (und bei diesen Zahlen) fast eins zu eins in die Gehälter fließen. Die Vereine sollten lieber mal angemessen wirtschaften und nicht auf "Teufel komm raus" einen Aufstieg erzwingen wollen, und dabei fast insolvent gehen…

  • Fat Tony

    "Wenn wir in der vergangenen Zweitliga-Spielzeit sechs anstatt acht
    Millionen Euro Fernsehgelder erhalten hätten, wäre das überhaupt kein
    Problem gewesen"
    Da wollte jemand ganz offensichtlich direkt zurück in die Dritte Liga. Sonst hätte man das Geld sicher in eine zweitligataugliche Mannschaft investiert. ;-)

    Aber ansonsten ist das schon richtig, dass die 3. Liga mehr Geld braucht. Da sollte man aber auch die 1. Liga mit einbeziehen, dann fällt es pro Klub weniger ins Gewicht.

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