Trotz Rekordumsatz: Drittligisten machen Rekordverlust

Im Rahmen einer Presserunde hat der DFB am Mittwoch den Bilanzreport der Saison 2018/19 vorgestellt. Daraus geht hervor, dass die 20 Drittligisten trotz eines Umsatzrekords von 185 Millionen einen durchschnittlichen Verlust von 1,5 Millionen gemacht und damit einen neuen Negativrekord aufgestellt haben. Während auch die TV-Reichweiten gesunken sind, konnten die Zuschauerzahlen deutlich gesteigert werden.

Höhere Einnahmen, höhere Ausgaben

Auch wenn in der vergangenen Spielzeit erstmals in der Geschichte der 3. Liga mehr Klubs ein positives als ein negatives Eigenkapital ausweisen konnten, bleibt die finanzielle Situation angespannt. Bereits zum neunten Mal in elf Jahren wiesen die Klubs in der Gesamtheit einen Fehlbetrag aus, mit einem durchschnittlichen Verlust von rund 1,5 Millionen Euro pro Klub wurde zudem ein neuer Negativrekord aufgestellt – wenngleich dieser durch einzelne Klubs stark beeinflusst worden sei. Doch obwohl der Umsatz um 30 Millionen Euro auf insgesamt 185 Millionen Euro gestiegen ist und damit Rekordniveau erreicht hat, schrieben gleich 13 Vereine rote Zahlen. Lediglich sieben Klubs beendeten die Spielzeit mit einem Gewinn.

Der Knackpunkt: Die Ausgaben der Klubs sind um rund 30 Prozent auf rund 216 Millionen Euro angestiegen. Damit liegt der durchschnittliche Gesamtaufwand pro Klub erstmals bei über zehn Millionen Euro. Das meiste Geld (75 Millionen Euro) fließt in die Gehälter der Spieler und Trainer. Im Vergleich zur Vorsaison sind die Ausgaben für das Personal pro Klub um rund 450.000 Euro angewachsen. Pro Monat verdient ein Drittliga-Spieler rund 7.000 Euro.

Die gestiegenen Einnahmen führten unter anderem aber zu höheren Inventionen in den Nachwuchs: Gaben die Klubs in den letzten drei Spielzeiten im Schnitt 550.000 Euro für diesen Bereich aus, waren es in der vergangenen Spielzeit rund 850.000 Euro. Mittlerweile verfügen elf Klubs über ein Nachwuchsleistungszentrum, bei acht weiteren Klubs befindet sich dieses im Aufbau. "Das ist eine sehr gute Entwicklung", freute sich Manuel Hartmann, Abteilungsleiter Spielbetrieb Ligen und Wettbewerbe, bei der Presserunde am Mittwoch. Mit dem im Herbst 2018 eingeführten Nachwuchsförderungstopf (2,95 Millionen Euro brutto) sei ein weiterer Anreiz geschaffen worden, gleiches gelte für das Financial Fairplay, welches in der vergangenen Saison erstmals gegriffen hat.

Verbindlichkeiten fast verdoppelt

Die Verbindlichkeiten der Klubs sind indes stark gestiegen: Lag der Gesamtwert zum 31. Dezember 2017 noch bei rund 65 Millionen Euro, waren es zum Ende des vergangenen Jahres bereits 113 Millionen Euro. Das entspricht pro Klub einer Summe von 6,7 Millionen Euro. "Kurzfristig sind die Vereine durch Darlehen von Dritten stabil geblieben, langfristig bedeuten die hohen Verbindlichkeiten jedoch eine Gefahr", warnte Hartmann, sprach von einer Entwicklung, "die uns natürlich nicht gefällt" und appellierte an die Vernunft der Vereine.

Gleichzeitig zeigte er aber auch Verständnis: "In der 3. Liga besteht ein schwieriges Spannungsfeld zwischen der 2. Bundesliga und der Regionalliga. Die Klubs gehen teilweise ein hohes Risiko ein, weil sie entweder im Auf- oder Abstiegskampf stecken." Auch der vierte Abstiegsplatz seit der vergangenen Saison habe den Wettbewerb verschärft und sei ein weiterer Grund für die negative Entwicklung. "Zudem bringen große Vereine hohe Fixkosten mit, die nicht von heute auf morgen zurückgefahren werden können. Dafür haben wir Verständnis." Was der Saisonreport zudem ebenfalls zeigt: Die Teams auf den Plätzen 7 bis 13 der Finanztabelle holten im Schnitt genauso viele Punkte (55) wie die sechs Klubs mit den höchsten Ausgaben.

Zuschauerzahlen gestiegen, TV-Reichweite gesunken

Freuen durfte sich die 3. Liga in der zurückliegenden Serie derweil über einen neuen Zuschauerrekord. Insgesamt wurden 3,09 Millionen Stadionbesucher gezählt, wodurch erstmal die Marke von drei Millionen Zuschauern geknackt wurde. Der Zuschauerschnitt stieg auf 8.132 Besucher pro Spiel und übertraf den vorherigen Bestwert aus der Saison 2015/2016 (7.071) deutlich. "Damit sind wir im internationalen Drittliga-Vergleich nach England an der Spitze platziert", so DFB-Direktorin Heike Ullrich. In der laufenden Serie winkt nun bereits ein neuer Rekord, strömten an den ersten elf Spieltagen doch bereits 967.000 Besucher in den Stadien. Hochgerechnet auf die Saison, würde am Ende ein Wert von 3,3 Millionen Besuchern zu Buche stehen.

Die TV-Reichweite ist dagegen gesunken: Lag diese in der Saison 2017/18 noch bei 709 Millionen Zuschauern, betrug sie in der vergangenen Spielzeit nur noch 517 Millionen – ein Rückgang von 27 Prozent. Der Grund: Seit dem festen Einstieg der Telekom dürfen pro Saison nur noch 86 Spiele im Free-TV übertragen werden. Die ARD-Sender kamen auf eine Reichweite von 508 Millionen, Magenta Sport bei einer Steigerung von 76 Prozent auf 9 Millionen. Die Beitragsdauer stieg derweil von 1.377 auf 1.390 Stunden und erreichte damit einen neuen Höchstwert.

Am häufigsten berichtet wurde über den 1. FC Kaiserslautern (177 Stunden), gefolgt von Karlsruhe (174) und Halle (169). Die größte Reichweite verbuchte Carl Zeiss Jena (177 Millionen Zuschauer), das meistgesehene Spiel war die Partie zwischen Kaiserslautern und 1860 am 1. Spieltag (1,24 Millionen Zuschauer). Insgesamt kletterten die Einschaltquote pro Live-Spiele (Free-TV und Pay-TV) von 234.000 auf 300.000. Pro Spieltag verfolgten 947.000 Zuschauer das Livegeschehen an den Bildschirmen – ein neuer Rekord für die 3. Liga. Bei den Übertragungen der Telekom sind im Schnitt 24.000 Fans dabei. Über die Berichterstattung in Print, Online und Social Media kam die 3. Liga auf eine Gesamtreichweite von 9,04 Milliarden Personen.

Ausschuss trifft sich

Um der 3. Liga künftig auch innerhalb des DFB eine größere Bedeutung zuzumessen, beschloss der Bundestag im September die Gründung eines Ausschusses. Diesem gehören zwölf Mitglieder an, darunter mit Mario Kallnik (Magdeburg), Michael Klatt (Kaiserslautern), Ronald Maul (Meppen), Daniel Sauer (Würzburg) und Christian Seiffert (Saarbrücken) auch fünf Vereins-Vertreter. Vorsitzender ist Tom Eilers: "Es war wichtig, ein eigenes Interessengremium ins Leben zu rufen", sagte der Sprecher des SV Darmstadt 98.

An der in Kürze geplanten Auftaktsitzung soll auch DFB-Direktor Oliver Bierhoff teilnehmen, der mit seiner Überlegung, die 3. Liga in zwei oder drei Staffeln aufzuteilen, kürzlich für Unruhe bei den Vereinen gesorgt hatte. Ein Thema ist das derzeit aber nicht, wie Kallnik darstellte: "Ich sehe keinen inhaltlichen Ansatz für eine Teilung der Liga." Auch andere Vereinsvertreter hatten zuletzt Bedenken geäußert. Befassen will sich der Ausschuss unter anderem damit, wie die finanzielle Lücke zur 2. Liga geschlossen werden kann. Aber auch die finanzielle Entwicklung in der 3. Liga wird ein Thema sein.

 

   
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