"Hat Menschen in Gefahr gebracht": Fanverband kritisiert Polizeieinsatz

Nach den Ausschreitungen beim DFB-Pokal-Derby zwischen dem SV Waldhof Mannheim und dem 1. FC Kaiserslautern hat der Fanverband "Pro Waldhof" den Polizeieinsatz im Carl-Benz-Stadion scharf kritisiert. Zwar distanzierte sich die Interessenvertretung von mehreren Vorfällen auf den Rängen, sieht das Vorgehen der Einsatzkräfte jedoch ebenfalls kritisch.

Mit Schlagstöcken auf die Tribüne zugelaufen?

In einer Stellungnahme verurteilt der Fanverband insbesondere das Werfen von Gegenständen auf das Spielfeld, den Einsatz von Böllern und Pyrotechnik als Wurfgeschosse sowie das Betreten des Innenraums. Solche Aktionen seien "strikt abzulehnen", da sie Menschen gefährdeten und der Fankultur schadeten. Gleichzeitig hinterfragt "Pro Waldhof" die Reaktion der Polizei auf die Geschehnisse.

Nach Darstellung des Fanverbands hätten sich lediglich 15 bis 20 Personen kurzzeitig im Innenraum befunden und diesen bereits nach kurzer Zeit wieder verlassen. Vor diesem Hintergrund sei nicht nachvollziehbar, warum mehrere Hundertschaften und Polizeipferde auf den Platz geschickt worden seien. Aus Sicht des Verbands hätte die Situation zu diesem Zeitpunkt bereits weitgehend beruhigt werden können. Besonders kritisch bewertet der Fanverband das anschließende Vorgehen der Einsatzkräfte im Bereich der Otto-Siffling-Tribüne. Laut Stellungnahme seien Polizeikräfte mit erhobenen Schlagstöcken auf die Tribüne zugelaufen, obwohl der Innenraum bereits wieder frei gewesen sei.

"Hätte zur Katastrophe kommen können"

Zudem wirft "Pro Waldhof" der Polizei vor, im Bereich von Block 7 wahllos Pfefferspray in die Zuschauermenge eingesetzt zu haben. Nach Einschätzung des Fanverbands hätte die Situation dadurch eskalieren und sogar in einer Massenpanik enden können. "Wer sich zu diesem Zeitpunkt auch nur in der Nähe des Geschehens befunden hat, weiß, dass es hier zur Katastrophe hätte kommen können", heißt es in der Mitteilung. "Bei allen erfolgten Grenzüberschreitungen durch Fans ist diese Vorgehensweise durch nichts zu rechtfertigen und hat Menschen in Gefahr gebracht."

Der Verband kritisiert zudem, dass Fluchttore zeitweise blockiert gewesen seien und Menschen dadurch kaum Ausweichmöglichkeiten gehabt hätten. "Dies wurde offenbar durch die beteiligten Beamten und den Einsatzleiter billigend in Kauf genommen." Nach Ansicht von "Pro Waldhof" wäre eine deeskalierende Strategie der bessere Weg gewesen. Diese hätte die Lage weiter beruhigt und einen schnelleren Wiederanpfiff ermöglicht. Unverständnis äußerte der Fanverband zudem darüber, dass eine auswärtige Polizeieinheit bei einem derart brisanten Spiel eine zentrale Rolle übernommen habe.

GdP verteidigt Polizeieinsatz

Thomas Mohr, Vorsitzender der Polizeigewerkschaft (GdP) Mannheim, verteidigt das Vorgehen der Einsatzkräfte dagegen. Dem "SWR" sagte er am Montag, dass die Situation vielleicht weiter eskaliert wäre, wenn die Polizei anders gehandelt hätte. Die Fans, die in solchen Momenten den Platz stürmen, seien zum Teil sehr gewalttätige Personen aus der Ultra-Szene. "Wenn man die dingfest machen will, dann muss man auch teilweise so eine Einsatzmaßnahme durchführen."

"Pro Waldhof" will die Ereignisse nun zusammen mit dem Verein aufarbeiten. Ziel sei es, künftig Vorfälle zu verhindern, die Spielunterbrechungen oder ein Eingreifen der Sicherheitskräfte erforderlich machen. Derweil hat der DFB bereits Ermittlungen eingeleitet. Beide Klubs müssen nun mit einer hohen Geldstrafe rechnen,.

   

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