Halle gegen Magdeburg: Das Derby, das keines mehr ist

Und ab in die dritte Auflage eines Spiels, das sich bis vor geraumer Zeit einmal Derby nannte. Auf das sich alle Beteiligten freuten, das auch mal derber ausfiel – aber in dem die Regeln gesunder Rivalität meist eingehalten wurden. Mehr als ein billiger Abklatsch ist Halle gegen Magdeburg jetzt nicht mehr, und das tut gerade aufgrund der sportlichen Situation beim FCM im Herzen weh.

Erinnerung an Hannes vor dem Public Viewing

Andere Dinge sind in den Fokus gerückt, der Sport ist Nebensache. In jedem Duell zwischen dem Halleschen FC und dem 1. FC Magdeburg wird der Fußballclub von der Elbe künftig an den mit 25 Jahren verstorbenen Hannes denken, der unter immer noch nicht vollständig geklärten Umständen aus einem fahrenden Zug stürzte und nach langem Kampf seinen Verletzungen erlag. Die Verbindung zu einer Gruppe HFC-Fans, die sich ebenfalls in der Regionalbahn befanden, ist nicht von der Hand zu weisen – und obgleich das Verfahren aufgrund mangelnder Beweislast für ein Gewaltverbrechen zuletzt eingestellt worden war, machen Magdeburgs Fans am Wochenende nochmals mobil: Mit bis zu 3.000 Anhängern soll am Samstagvormittag vor der Staatsanwaltschaft Magdeburg protestiert und an Hannes erinnert werden. Erst danach folgt der Gang über die Elbe, das Versammeln am Stadionvorplatz und das gemeinsame Verfolgen des Derbys, das keines mehr ist.

Mittelprächtige Vorfreude

Denn wo ist die Vorfreude hin, die unter normalen Umständen und angesichts dieser sportlichen Brisanz in beiden Lagern längst aufgekeimt wäre? Halle hätte Magdeburg den Aufstieg vermiesen können, der FCM hätte umgekehrt ausgerechnet beim Rivalen einen riesigen Schritt in Richtung 2. Bundesliga vollziehen können. Freilich können beide Clubs dies unter den gegebenen Umständen am Samstag immer noch tun – große Freude darüber kann und wird aber nicht aufkommen. Nicht, wenn nur rund 500 Fans aus der Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts anreisen und stillschweigend die Begegnung verfolgen werden. Vielleicht wäre es die beste Lösung für beide Klubs, sollte Magdeburg aufsteigen und beide Fanszenen eine Weile Abstand voneinander erhalten. Diese Ruhepause brauchen HFC und FCM, um das Geschehene in Ruhe aufzuarbeiten.

Härtel schaut erst nach dem Spiel aufs Smartphone

Aber ja, auch sportlich muss der 1. FC Magdeburg am Ball bleiben und sich ein weiteres Mal von der Vorgeschichte lösen – so wie jüngst im Landespokal, als die Elf von Trainer Jens Härtel durchaus glücklich mit 3:1 die Oberhand behielt, denn sie hatte kein starkes Spiel abgeliefert. Die Unzufriedenheit des HFC-Publikums über die bisherige Rückrunde lässt Härtel dabei nicht als Vorteil für sich gelten: "Das spielt nur eine untergeordnete Rolle. Jeder weiß dort, dass sie mit einem Spiel vieles wiedergutmachen können und das werden sie versuchen. Sollten wir einige Anteile abgeben, dann kann es dort schnell ungemütlich werden.“ Rechnen möchte der Übungsleiter im Kampf um die 2. Bundesliga derweil allenfalls nach dem Spiel: "Da hat doch mittlerweile jeder eines dieser berühmten Smartphones, auf die jeder schauen und für sich durchrechnen kann.“ Es braucht allerdings wahrlich keinen Mathematiker, um zu prognostizieren: Gewinnt Magdeburg in Halle, werden die Aufstiegschancen nicht geringer…

   
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