Fünf Fragen an den 30. Spieltag

Spätestens, wenn der Spieltagszähler vorne eine "3" aufweist, ist die Schlussphase der Saison endgültig eingeleitet. Das mag einem angesichts der Jahreszeit zwar ziemlich früh vorkommen – in acht Wochen ist die Saison aber vorbei. Punkt, Aus, Ende. Bis dahin werden zwei Aufsteiger, ein Relegationsteilnehmer und zwei weitere Absteiger ermittelt. Ein Regionalligist steht seit Mittwoch praktisch fest: Rot-Weiß Erfurt, durch die Insolvenz 21 Punkte vom Klassenerhalt entfernt. Dort kann ab sofort der geordnete Neuaufbau beginnen.

Der 30. Spieltag

Auch Unterhaching, Aalen, Würzburg und Meppen können im Nirgendwo der Tabelle durchatmen. Alle anderen Vereine kämpfen: Die ersten Sechs um die 2. Bundesliga, alles ab Rang 11 gegen den Abstieg. Heiße Duelle verspricht das Wochenende natürlich auch. Am Sonntag etwa gastiert Preußen Münster zum ewig jungen Derby beim VfL Osnabrück. Der 1. FC Magdeburg begibt sich auf relativ kurze Reise nach Jena. Im direkten Abstiegskampf haben Halle und Lotte sowie Chemnitz und Bremen II Sechs-Punkte-Spiele gegen den jeweiligen Rivalen vor ich. Karlsruhe und Wiesbaden wollen in ihren Heimspielen derweil das Spitzenduo vor sich hertreiben – oder gleich aufschließen.

Frage 1: Bleibt Rot-Weiß Erfurt nach der Insolvenz wettbewerbsfähig?

Neun Punkte hat Erfurt nach den Punktabzügen für Liquiditätsprobleme und die am Mittwoch angekündigte Insolvenz noch übrig. Der Abstieg in die Regionalliga ist damit praktisch besiegelt. Wie wird die Mannschaft, die in dieser Form über den Sommer hinaus keine Zukunft haben wird, damit umgehen? Die Buchmacher haben vor dem Auswärtsspiel in Wiesbaden am Freitagabend eine klare Meinung, RWE ist krasser Außenseiter. Allerdings tat der SVWW als vermeintlich klarer Favorit zuletzt gerne schwer, man erinnere sich nur an das zusammengeduselte 2:2-Remis gegen Bremen II vor wenigen Wochen. Nun scheint die Aufgabe leicht, der Gegner mental am Boden. Umso mehr muss Rüdiger Rehm seinem Team ins Gewissen reden, die Konzentration am Anschlag zu halten. Ein Heimspiel gegen Erfurt sind drei absolute Pflichtpunkte im Rennen um die 2. Bundesliga, keine Frage.

Frage 2: Halten die Serien von Fortuna Köln und Sonnenhof Großaspach?

Würde allein die Form über Spielausgänge entscheiden, bräuchten Fortuna Köln und Großaspach am Freitag gar nicht erst antreten. Köln gewinnt derzeit Spiel um Spiel, groovt sich immer mehr in eine aufstiegstaugliche Verfassung, einen kleinen Rausch. Großaspach erlebt ungewohnterweise das genaue Gegenteil. Ungewohnt, weil der Dorfverein in der 3. Liga derartige Krisenzeiten selten überstehen musste. Aber die Bilanz spricht Bände: Kein Sieg in 2018, nur zwei Punkte, in der Tabelle zusehends in Richtung Abstiegskampf abgerutscht. Noch steht Trainer Sascha Hildmann nicht zur Disposition – doch die Entwicklung, sie ist beunruhigend. Ein Auswärtssieg, so unwahrscheinlich er unter den aktuellen Voraussetzungen auch ist, würde die schwierige Situation zweifellos schlagartig beruhigen. Schon am Dienstag geht es für die SGS dann gegen Rostock weiter.

Frage 3: Stoppt Paderborn die Zwickauer Minimalisten?

Mit nur drei erzielten Treffern hat der FSV Zwickau acht Punkte aus vier Spielen geholt. Das ist nicht sonderlich spektakulär gewesen, aber effektiv – der Vorsprung auf den Chemnitzer FC beträgt zwölf Punkte, die 3. Liga ist so gut wie gesichert. Auch deshalb wurde früh klar Schiff gemacht in der Trainerfrage, Joe Enochs übernimmt die Sachsen in der Saison 2018/19. Auch er wird wieder den Klassenerhalt anvisieren, größere Sprünge sind für den FSV auf absehbare Zeit mangels finanzieller Mittel nicht drin.

Beim SC Paderborn, dem nächsten Gegner, sieht das etwas anders aus. Hier träumt man nach dem spektakulären und moralisch so wichtigen 3:2-Erfolg in Rostock, Paderborn lag lange 0:2 hinten, vom Aufstieg. Die Negativserie ist zu den Akten gelegt – die Leichtigkeit aber noch nicht restlos zurück. Heißt für Zwickau: Entweder wird konsequent und überdurchschnittlich verteidigt, dann könnten die Ostwestfalen mit zunehmender Spieldauer nervös werden. Lädt der FSV den SCP ein, spielt sich Paderborn das Selbstvertrauen zurück, und die Schwäne reisen gewiss ohne Punkte in die Heimat.

Frage 4: Macht Werder Bremen II Chemnitz stark?

Es ist unglaublich, wird aber kaum beachtet: Werder Bremen II hat unfassbare 25 Spiele in Folge nicht gewonnen. Das gab es noch nie in der 3. Liga und wird es höchstwahrscheinlich nie wieder geben – aber es ist eben ein Reserveteam, und das geht oft unter dem öffentlichen Radar durch. Spätestens am Sonntag aber richtet sich der Blick des hinteren Drittliga-Mittelfelds auf die Nordlichter, die reisen nämlich zum Chemnitzer FC. Und der kämpft um seine nächste letzte Chance. Zwei Punkte im Schnitt werden die Himmelblauen in ihren letzten zehn Spielen nun wohl noch brauchen, ein schweres Unterfangen. Aber es geht gegen Bremen, gegen Lotte, gegen Wiesbaden und schließlich Erfurt. Sieben, acht, vielleicht neun Zähler sind möglich! Für die Spannung im Abstiegskampf wäre es den Chemnitzern zu wünschen, dass sie die Kurve nun kriegen.

Frage 5: Rächt sich Osnabrück für das 1:4 im Derby-Hinspiel?

Die Vorfreude ist nicht groß auf das sonst so pulsierende wie polarisierende Derby zwischen dem VfL Osnabrück und Preußen Münster. Denn die aktive Fanszene der Preußen bleibt den Spielen fern, seit die Ausgliederung beschlossen ist. Bei den Lila-Weißen kickt seit Jahren eine Kapitalgesellschaft, aus der Not geboren, weil finanziell schon oft am Rande des Kollaps. Die Anhängerschaft hat in den sauren Apfel gebissen, vielleicht wird das in Münster irgendwann auch passieren. Am Sonntag aber tönt nur Stimmung von der Heimseite, die zudem favorisiert ist – unter Daniel Thioune spielt der VfL an der Bremer Brücke richtig stark. Wer siegt, macht in der Tabelle übrigens einen vorentscheidenden Schritt Richtung Ligaverbleib. Das sollte auch den SC Preußen motivieren, der das Hinspiel deutlich und verdient mit 4:1 gewann.

   
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