FCM: Die Verwandlung und was nun geschehen muss

Als der 1. FC Magdeburg vor dem 24. Spieltag erwachte, fand er sich nach drei schlechten Spielen zu einem mittelmäßigen Drittligaklub verwandelt. Seine vielen Punkte Vorsprung waren im Vergleich zum Winter zu einem mickrigen Restpolster geschrumpft. Was ist mit unserem Club geschehen, dachten die Anhänger des Vereins.

Stolperstart nagt am Gewissen der Mannschaft

Ähnlich wie Protagonist Gregor Samsa in Kafkas "Verwandlung" befindet sich der 1. FC Magdeburg derzeit nicht gerade etwa in einem albtraumhaften Tiefschlaf, sondern muss eine verändernde Identitätskrise am eigenen (Vereins-)Leib in der harten Realität erfahren. Schließlich scheinen alle Automatismen und Abläufe, die vor dem Winter als verinnerlicht galten, plötzlich wie weggeblasen. Auch die Fans der Elbestädter erkennen die vor Wochen noch so vor Selbstvertrauen strotzende Mannschaft im Jahr 2018 nicht mehr wieder.

Konnten sich die Protagonisten nach dem Erfurt-Spiel noch mit einer Einstellung herausreden und das ernüchternde Remis gegen Meppen auf das holprige Geläuf in der MDCC-Arena schieben, so blieb allen Beobachtern nach der 0:1-Niederlage in Würzburg nicht verborgen, dass der Stolperstart tiefer am FCM-Gewissen nagte.

Die Blau-Weißen standen mit einfachen Grundrezepten nicht zu Unrecht in der Winterpause auf Platz 1. Damit diese grundlegenden Mechanismen zukünftig wieder greifen, lohnt es zu überblicken, was den Fußball des 1. FC Magdeburg in der Hinrunde so erfolgreich machte.

Aggressives Pressing in der Anfangsphase fehlt

Das aggressive Pressing der Härtel-Schützlinge in der Frühphase einer Begegnung sorgte meist dafür, dass der Gegner mindestens einmal zu oft die Kontrolle über den Spielaufbau verlor. Bei der Siegesserie von Spieltag 16 bis 20 führte der 1. FCM nach spätestens 16 Minuten immer schon mit mindestens 1:0. Diesen kraftvollen und stürmischen Balleroberungsfußball hat man in den bisherigen drei Partien nicht einmal ansatzweise von der Härtel-Elf erlebt.

Einhergehend mit dem Pressing der Blau-Weißen war ein überfallartiges Flügelspiel, bei dem entweder die Außenspieler Michel Niemeyer und Julius Düker selbst zum Abschluss kamen, oder Christian Beck in der Mitte so in Szene setzten, dass der Knipser des FCM den Ball über die Linie drücken konnte. Die Flügel der Magdeburger sind momentan nicht nur schwach bespielt, sie sind regelrecht erlahmt. Ideenlos versuchten es die Spieler in den ersten Begegnungen nach der Winterpause mit langen Bällen auf die Mittelstürmerposition – ein Mittel aus der FCM-Mottenkiste, das bereits vergessen geglaubt war.

Die oftmals so sattelfeste FCM-Defensive wankte in beiden Auswärtsspielen gehörig. So ließ man sich in Erfurt als eine der kopfballstärksten Defensivketten der Liga gleich zweimal düpieren, während die blau-weiße Hintermannschaft in Würzburg im ersten Durchgang mehrfach blass aussah. Die Umstellung, den bisherigen Abwehrchef Richard Weil ins Mittelfeld zu ziehen, brachte dem Team von Jens Härtel bislang keinen nennenswerten Ertrag.

Mentale Verfassung in allen Spielen ausbaufähig

Bei den Erfolgsgeheimnissen vertraut der FCM-Trainer eher einer bissigen Einstellung als taktischen Kniffen. Jens Härtel lässt keinen Zweifel daran, dass vielmehr die mentale Verfassung über systematische Grundordnungen obsiegt, schließlich können Spielformationen während einer Begegnung variabel sein, sofern man sie im Training grundlegend einstudiert hat. Die geistige Frische und die damit einhergehende spielerische Lockerheit blitzte jedoch nur in homöopathischen Dosen auf. Erarbeiteten sich die FCM-Kicker wenig Möglichkeiten für Erfolgserlebnisse vor dem Tor, so strichen sie diese auch kaum im Zweikampf mit dem Gegner ein. Wenn sich die Blau-Weißen am Samstag in Würzburg einmal den gelben Karton abholten, dann wegen Meckerns, einer Schwalbe oder taktischen Fouls.

Dass der 1. FC Magdeburg in der 3. Liga wieder in Fahrt kommen und Siege holen wird, sollte unbestritten sein. Schließlich stehen die Sachsen-Anhalter nicht ohne Grund auf dem zweiten Tabellenplatz und haben ein rekordträchtiges erstes Halbjahr absolviert. Die Frage ist nur, wann die Elbestädter wieder mit dem Siegen anfangen und welche Blöße sich die Konkurrenz bis dahin gibt. Wenn Kapitän Marius Sowislo im Vorfeld des Münster-Spiels an die bislang blütenweiße Weste gegen den kommenden Gegner erinnert, dann sollten er und das Team sich vergewissern, dass der 1. FC Magdeburg gegen die Preußen stets den Schalter umlegen konnte, weil nicht etwa Münster freies Geleit dazu gab, sondern die Blau-Weißen stets die nötigen Prozentpunkte mehr investierten.

   
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