Rekorde, Pleiten, Kurioses: Das war das Drittliga-Halbjahr

20 Spieltage und 198 Spiele hat die 3. Liga in dieser Spielzeit schon wieder auf der Uhr. Nach der Hinrunde und dem bereits absolvierten ersten Rückrundenspieltag verabschiedet sich die 3. Liga bis zum 20. Januar in die Winterpause. Zeit für liga3-online.de, auf die größten Rekorde, die bittersten Minusserien und kuriosesten Überraschungen dieses Halbjahrs zu schauen.

[box type="info" size="large"]Zahnloser Dino, Dominantes Spitzenduo[/box]

Siegeshungrig: Insgesamt 15-mal fuhr der 1. FC Magdeburg drei Punkte an den ersten zwanzig Spieltagen ein. Damit stellte der momentane Spitzenreiter der 3. Liga einen neuen Siegesrekord auf. Bislang stand die Bestmarke bei 14 Siegen nach zwanzig Durchläufen.

Dominantes Spitzenduo: Wochenlang marschierte das Spitzentrio aus Paderborn, Magdeburg und Köln im Gleichschritt vorweg. Kein Team innerhalb des Führungstrios konnte sich je wirklich vom Relegationsplatz lösen. In den letzten Wochen änderte sich diese Entwicklung. Magdeburg (46 Punkte) und Paderborn (44) haben sich auf den dritten Rang einen großen Vorsprung erarbeitet. Der SV Wehen Wiesbaden (36) auf dem Bronzerang weist nach 20 Spieltagen bereits einen Rückstand von acht Punkten auf den direkten Aufstiegsplatz auf. In all den Spielzeiten zuvor war der Abstand vom dritten auf den zweiten Platz nie größer als fünf Punkte.

Überraschungsaufsteiger: Wer erinnert sich noch an die letzten starken bayrischen Aufsteiger? Nun, diese Frage ist nicht allzu schwierig zu beantworten, schließlich stiegen sowohl Würzburg 2015/16 als auch Regensburg 2016/17 über die Relegationsspiele in die 2. Bundesliga auf. Dass diese Erzählung fortgesetzt werden kann, liegt in dieser Spielzeit an der SpVgg Unterhaching, die mit 34 Zählern nur zwei Punkte hinter dem dritten Rang liegt. Überhaupt sind die Vorstadtmünchner der zweitbeste Aufsteiger der Drittliga-Historie zu diesem Zeitpunkt. Lediglich RB Leipzig sammelte 2013/14 noch mehr Zähler (37). Den Spitzenwert gegenüber der Spielzeit vor vier Jahren sammeln hingegen alle drei Aufsteiger ein. Unterhaching, Meppen und Jena sammelten bis zum 20. Spieltag insgesamt 86 Punkte und sind damit besser als Leipzig, Elversberg und Kiel (85) vier Spielzeiter zuvor.

Zahnloser Dino: Als Rot-Weiß Erfurt vor über neun Jahren zum ersten seiner mittlerweile 361 Drittligaspiele antrat, war George W. Bush noch US-amerikanischer Präsident und Michael Jackson plante seine "This is it"-Abschiedstour. Es ist also eine ganze Weile ins Land gegangen, in der die Anhänger der Thüringer mit ihrem Verein schöne wie schmachvolle Episoden erlebten. So schmachvoll wie in diesem Halbjahr 2017 war es jedoch nie. Der Drittliga-Dino Erfurt steht mit einem Bein in der Regionalliga. Der Niedergang lässt sich an den Zahlen ablesen. Mit nur zwei Siegen nach 19 Spielen stellte RWE den Negativrekord der Stuttgarter Kickers aus der Saison 2008/2009 ein. Mit lediglich zehn Treffern wandert sogar die rote Laterne der harmlosesten Offensive in die thüringische Landeshauptstadt, der Negativrekord lag zuvor bei 14 Toren zu diesem Zeitpunkt.

Nix mehr in der Reserve: Hatten die Bremer nach vier Spieltagen bereits ihr Pulver verschossen? Während die Grün-Weißen damals noch mit zehn Punkten vom Relegationsrang grüßten, sind die Bremer nun spiegelverkehrt Drittletzter. Schuld an der Misere ist eine Serie von 16 Spielen ohne Sieg, die es in dieser Art in der Historie der 3. Liga noch nie gab. Da die Bremer in dieser beständigen Erfolglosigkeit immerhin noch sieben Remis zusammenkratzten, halten sie den Kontakt zum ersten Nichtabstiegsplatz.

[box type="info" size="large"]Elfmeter-Rekord, Turbo-Thiele[/box]

Elfer-Rekord: Drei Elfmeter in einer Zigarettenlänge – beim brisanten Nachbarschaftsduell zwischen Preußen Münster und dem VfL Osnabrück gab es am 11. Spieltag ein Dreierpack an Strafstößen innerhalb von nur 6:01 Minuten. Schiedsrichter Sven Jablonski zeigte in der 47., 50. und 53. Minute auf den Punkt. Zunächst traf Halil Savran für Osnabrück, dann verwandelte Münsters Martin Kobylanski, um nur zwei Zeigerumdrehungen später an Marius Gersbeck zu scheitern.

Ganz oder gar nicht: Sowohl Unterhaching als auch Magdeburg wollten an den ersten zwanzig Spieltagen nur äußerst ungern die Punkte mit dem Gegner tauschen. Beide Drittligisten haben beim Gang in die Winterpause lediglich einmal Remis gespielt – ein Novum in der 3. Liga. Zuvor hatte nie ein Drittligaklub zum gleichen Zeitpunkt weniger als zwei Remis auf dem Konto. Unterhaching (2:2 gegen Fortuna Köln) und Magdeburg (0:0 gegen Wehen Wiesbaden) hätten in ihren jeweiligen Remis sicherlich auch lieber zwei weitere Zähler eingesackt.

Turbo-Thiele: Am letzten Drittliga-Spieltag des Jahres sorgte Jenas Angreifer Timmy Thiele mit seinen vier Toren fast im Alleingang für den 4:3-Erfolg seiner Mannschaft über den SV Wehen Wiesbaden. Mit dem Viererpack stellte er den Drittligarekord von Salvatore Amirante (ebenfalls Jena), Marcel Reichwein (Erfurt), Dominik Stroh-Engel (Darmstadt) und Marcel Ziemer (Rostock) ein. Jedoch zündete keiner so schnell wie Thiele bei seinem Sturmlauf, er traf in der 44., 51. 55. und 65. Minute – damit lagen zwischen seinem 1. und 4. Treffer nur 21 Minuten, schneller war sonst nie einer!

Weiße Weste: Gebannt werden die Drittliga-Beobachter auf das erste Spiel des Karlsruher SC nach der Winterpause schauen. Der Keeper der Badener, Benjamin Uphoff, steht vor Einstellung und alleinigem Rekord in puncto Gegentreffer. Die letzten sechs Spiele vor der Winterpause blieb Uphoff ohne Gegentreffer. Um am momentanen Rekordhalter Erol Sabanov (Heidenheim, 2013/14: 685 Minuten)  vorbeizuziehen, müsste der KSC-Keeper seinen aktuellen 555 gegentorlosen Minuten noch drei weitere Halbzeiten mit einer weißen Weste hinzufügen.

Tor-Wart: Halles Tom Müller wurde beim 1:1 in Erfurt am 13. Spieltag zum vierten Torwart, dem ein Treffer in einem Drittliga-Spiel gelang. Er folgt auf Jörg Butt (Bayern München II, 2009), Carsten Nulle (Jena, 2010) und Mark Flekken (MSV Duisburg, 2016). Außer Elfmeter-Torschütze Butt fielen alle Tore aus dem Spiel heraus – und alle zum 1:1-Endstand in der 90. Minute. Müller ist aber der einzige der vier Keeper, der im gleichen Spiel noch einen Elfmeter parierte.

   
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