Erzgebirge Aue: Auch Sponsoren fordern Rücktritt des Vorstands

Die Unruhe rund um den FC Erzgebirge Aue nach dem historischen Fehlstart wächst: Nach 43 Fanklubs fordern nun auch 29 Sponsoren den Rücktritt des Vorstands.

"Personeller Neuanfang gefordert"

Es ist die größte Krise der letzten Jahrzehnte, in der sich die Veilchen derzeit befinden. Grund genug für 29 Sponsoren, sich mit einem Schreiben an den Vorstand des Klubs zu wenden. "Wir wollen deutlich machen, dass der gesamte Verein einen personellen Neuanfang fordert. Es besteht weitgehende Einigkeit bei Fans, Mitgliedern und Sponsoren", zitiert die "Bild" aus dem Schreiben. Kritische Stimmen seien in den vergangenen Jahren nie ernsthaft zugelassen. "Das Ergebnis ist die aktuelle sportliche Situation!", verweisen die Unternehmer darauf, dass Aue nach acht Spieltagen als einziges Team der 3. Liga noch sieglos ist und den letzten Tabellenplatz belegt.

Den Abwärtstrend der letzten Jahre kritisieren die Sponsoren scharf – und nennen auch die Gründe dafür: "Einzelentscheidungen, ohne ausreichend Fachkenntnis, personelle Fehlgriffe, die oft nur durch kostspielige Vertragsauflösungen korrigiert werden konnten, der fehlende Aufbau von professionellen Strukturen, keine funktionierenden Kontrollmechanismen und letztendlich die fehlende Transparenz gegenüber den Mitgliedern und Sponsoren – alles Dinge die mitunter seit Jahren eingefordert wurden, auch immer wieder Kritikpunkt in Mitgliederversammlungen waren, leider ohne Reaktion der handelnden Personen im Vorstand und Aufsichtsrat."

Damit soll jetzt Schluss sein: "Wir erwarten daher die Übernahme der Verantwortung durch den verbliebenen Vorstand und dessen geordneten Rückzug." Dazu fordern die Unternehmer die "sofortige Terminierung einer Mitgliederversammlung, in der über die Zusammensetzung der neuen Gremien durch Wahlen gemäß der Satzung entschieden wird". Auch eine "Aufarbeitung der letzten Jahre als Basis eines konsequenten Neuanfangs" wird gefordert.

Mitgliederversammlung angekündigt

Wie Präsident Helge Leonhardt und seine Vorstandskollegen auf das Schreiben reagieren werden, ist noch offen. Bei einer Krisensitzung am Dienstagabend hatten sich die Gremien darauf verständigt, vorerst weitermachen zu wollen. Gleichwohl sollen "alle Gremien des Vereins und deren Besetzung umfassend auf den Prüfstand gestellt" werden, hieß es. Die nächsten
Schritte sollen "im Laufe der nächsten Woche in einer weiteren Aufsichtsratssitzung beraten" werden. Auch wurde die Vorbereitung einer Mitgliederversammlung angekündigt, die gemäß Vereinssatzung zeitnah stattfinden soll. Wie Aufsichtsrat Torsten Enders dem "MDR" sagte, klebe Leonhardt "nicht an seinem Stuhl" und "sei absolut offen".

Es kündigen sich spannende Wochen rund um die Veilchen an – vor allem dann, wenn die Ergebnisse weiter ausbleiben sollten. Nur ein Sieg bei 1860 München am heutigen Freitagabend würde die Stimmung zumindest vorerst etwas aufhellen. Die Forderungen der Sponsoren und der Fanklubs dürften aber unabhängig vom Ausgang der Partie bestehen bleiben.

Endspiel für Rost

Entscheidender wird das Ergebnis für die Zukunft von Trainer Timo Rost sein. "Es ist wichtig, dass eine klare Reaktion erkennbar ist", fordert Leonhardt bei "Tag24". "Ich vertraue darauf, dass Timo Rost die Mannschaft auf die schwere Auswärtsaufgabe richtig vorbereitet und die Jungs, die er auf den Platz stellt, von der ersten bis zur letzten Minute Vollgas geben und sich für den Verein zerreißen."

Sollte das nicht zu erkennen sein und Aue die Partie verlieren, dürfte es für das Rost gewesen sein. Wobei der Aue-Boss betont: "Wir sind hinter den Erwartungen zurück. Die Schuld dafür auf einzelne Personen abzuwälzen, um einen Alleinschuldigen zu präsentieren, ist nicht richtig. Jeder muss sich strecken, damit wir gemeinsam da unten herauskommen." Das gilt wohl auch für Leonhardt selbst. Ob er den Weg für den geforderten Neuanfang freimacht?

 
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