Aufstiegskandidaten: FCS mit Pokal-Millionen in Liga 3?

Solange die 3. Liga und der Amateurfußball pausieren, sind auch alle Aufstiegs-Entscheidungen in der Regionalliga vorläufig vertagt. liga3-online.de stellt die Drittliga-Aufstiegskandidaten genauer vor. Heute: Der 1. FC Saarbrücken, der zuletzt im DFB-Pokal Geschichte geschrieben hat.

Seit sechs Jahren in der Regionalliga

Der 1. FC Saarbrücken ist im Gegensatz zu vielen anderen Aufstiegskandidaten ein bekanntes Gesicht der 3. Liga. Immerhin auf Platz 30 der ewigen Tabelle ist der FCS vorzufinden, der vier Jahre in der dritten Spielklasse verbrachte und dabei 50 Siege, 40 Unentschieden und 62 Niederlagen einfuhr. Bei unserer Recherche stellen wir durchaus überrascht fest: Sechs Jahre ist es bereits her, dass Saarbrücken nach der enttäuschenden Saison 2013/14 den Weg in die Regionalliga antreten musste. Nur noch 2.728 Zuschauer wollten damals das letzte Drittliga-Spiel im alten Ludwigsparkstadion sehen, eine 0:1-Niederlage gegen Rot-Weiß Erfurt. Der Abstieg stand schon vorher fest, es war ein unscheinbarer Abgang des Bundesliga-Gründungsmitglieds.

Kaum ein Klub arbeitete in den Folgejahren so emsig und mit so hohem Aufwand an der Rückkehr in die 3. Liga, bislang gelang es nie: 2015 scheiterte Saarbrücken als Zweiter der Südwest-Regionalliga an den Würzburger Kickers, 2018 als Meister an 1860 München. 2019 wurden die Blau-Schwarzen Zweiter hinter Waldhof Mannheim – nach dem Aufstieg des ärgsten Kontrahenten scheint der Weg nun frei. Und doch gibt es Probleme, allen voran infrastruktureller Natur. Denn möglicherweise steht der 1. FC Saarbrücken im Falle eines Aufstiegs vorerst ohne Spielstätte dar.

Schwierige Stadionsuche

Schon seit 2016 wird der in die Jahre gekommene Saarbrücker Ludwigspark, ein imposantes Stadion mit riesigen Stehtribünen, auf Vordermann gebracht, die Kapazität soll von 35.000 auf nur noch 16.000 Plätze sinken. Die für einen Komplettumbau verdächtig geringe Summe von nur 16 Millionen Euro entpuppte sich als gravierende Fehleinschätzung, mittlerweile werden die Kosten dreimal so hoch kalkuliert – 2017 wurde der Bau zwischenzeitlich gestoppt, auch danach wurde die Gesamtsumme immer wieder nach oben korrigiert, Finanzierungskonzepte überarbeitet. Und wie das beim berühmt-berüchtigen Berliner Hauptstadtflughafen zu beobachten ist, geschieht es auch in Saarbrücken: Der Zeitpunkt der Fertigstellung rückt weiter und weiter nach hinten. Einst für August 2019 angedacht, steht nun auch ein Eröffnungstermin im Sommer 2020 in Frage. Auf einer Webcam sind die Fortschritte Tag für Tag zu beobachten.

Eine drittliga-taugliche Alternative zum Ludwigspark hat der FCS nicht. Im nur zehn Minuten entfernten Völklingen, indem nicht nur diverse Pokal-Triumphe gefeiert wurden, sondern Saarbrücken sich ebenso eine fabelhafte "Heimbilanz" von elf Siegen aus dreizehn Spielen bei 31:5 Toren erspielt hat, finden lediglich 6.800 Zuschauer Platz, 10.001 Plätze benötigt ein Drittliga-Stadion allerdings. Zwar besitzt das Saarland überraschend viele potenziell tauglich Sportstätten wie das Neunkirchener Ellenfeldstadion (23.400 Plätze), das Homburger Waldstadion (16.500) oder das Stadion Kaiserlinde der SV Elversberg (10.000).

Sportliche Rivalitäten und Sanierungsstaus machen diese Optionen allerdings unattraktiv, sodass Saarbrücken zwischenzeitlich sogar mit einem Umzug nach Frankreich kokettierte. Dem schob der DFB einen Riegel vor. Auch der Betzenberg sowie das Moselstadion Trier scheiden aus Gründen der Rivalitäten aus. Erste Alternative ist nun ein Umzug in die PSD-Bank-Arena des FSV Frankfurt – knapp 200 Kilometer von Saarbrücken entfernt. Doch womöglich regelt die Zeit alle Sorgen: Ein verspäteter Start in die neue Saison könnte zur doch rechtzeitigen Fertigstellung des Ludwigsparks führen.

Drittliga-reifer Etat und riesige Zusatzeinnahmen

Am Geld scheiterte es in den vergangenen Jahren in Saarbrücken dagegen eher selten. Hinter dem sportlichen Aushängeschild der 180.000-Einwohner-Stadt steckt ein starkes Konglomerat verschiedener Sponsoren, Präsident Harmut Ostermann ist als Aufsichtsratsvorsitzender in hoher Position bei der Hotelkette "Victor’s" sowie einer dazugehörigen Unternehmensgruppe, die auch eine dreistellige Anzahl an Seniorenheimen verwaltet. Der Etat der 1. FC Saarbrücken soll sich in dieser Saison auf 3,5 bis 4 Millionen Euro belaufen – schon damit müsste man sich in der 3. Liga nicht verstecken. Doch nicht nur wegen eines Aufstiegs dürfte aufgestockt werden: Durch den sensationellen Halbfinal-Einzug im DFB-Pokal, in dem der FCS erst Jahn Regensburg, dann den 1. FC Köln sowie den Karlsruher SC und Fortuna Düsseldorf besiegte, wanderten mehr als fünf Millionen Euro auf das Konto. Wo andere Klubs in dritter und vierter Liga im Zuge der Corona-Krise am Hungertuch nagen, ist die Existenz in Saarbrücken langfristig gesichert. Das zeigt sich auch am Beispiel der Kurzarbeit: Die auch bei Profiklubs gegenwärtig populäre Sparmaßnahme auf Kosten des Staats gibt es bei Saarbrücken bislang nicht.

Elf Spiele sollte der Tabellenführer der Regionalliga Südwest in dieser Saison noch absolvieren. Um von einem designierten Meister zu sprechen, ist es dank hartnäckiger Verfolger noch zu früh: Dem FCS mit seinen 55 Punkten liegt Elversberg mit gegenwärtig sechs Zählern Rückstand im Nacken, der TSV Steinbach kann den Abstand per Nachholspiel noch auf vier Punkte verkürzen. Doch wie und wann soll es weitergehen? Auch in der Viertklassigkeit drängen sich Fragen auf, Geisterspiele wären für einige Klubs – etwa die Kickers Offenbach, die pro Spiel 5.600 Fans auf dem Bieberer Berg begrüßen – schwer verkraftbar. Saarbrücken stellt mit 3.100 Zuschauern pro Spiel zwar die zweithöchste Durchschnittskulisse, könnte diese Verluste vermutlich aber abfedern.

Als Spitzenreiter den Trainer vor die Tür gesetzt

Wie ambitioniert Saarbrücken ist, zeigte in der Vergangenheit die verwunderliche Trainerentlassung von Dirk Lottner im Dezember 2019 – in Führung liegend, als Pokal-Achtelfinalist. Lukas Kwasniok, in Jena nach enttäuschendem Saisonstart vom Hof gejagt, übernahm und ist vom Absteiger-Trainer zum Former der Pokal-Helden und möglichem Aufstiegscoach gereift. Sportlich würde Saarbrücken, dessen Mannschaft gespickt mit ehemaligen Drittliga-Profis ist (u. a. Anthony Barylla, Christopher Schorch, Manuel Zeitz, Fanol Perdedaj, Tobias Jänicke und Stephan Andrist), ohnehin schon jetzt in der 3. Liga mithalten können. Die größte Gefahr für den Aufstieg wäre aktuell wohl ein Saisonabbruch. Der 1. FC Saarbrücken hat für diesen Fall bereits angekündigt, auf sein Aufstiegsrecht pochen zu wollen – notfalls per Vergrößerung der Liga.

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  • EssAcht

    Es gibt keine Regelung bzgl eines Saisonabbruchs. Es ist aber geregelt, dass jeder Liga eine bestimmte Anzahl Aufstiegsplätze zusteht. Da steht übrigens auch nicht explizit, dass derjenige aufsteigt, der nach x Spielen Erster ist (die Formulierung ist sehr vage, in etwa nur, dass der DFB entscheidet, wer aufsteigt) Insofern gibt es ja für Juristen große Angriffsfläche. Nicht umsonst arbeiten gerade schon erste Verbände (Handball) an einer Ligenaufstockung.

    Ich finde die Argumentation einiger eh fragwürdig. "Es wäre unfair den Verfolgern gegenüber." – ja, mag ja sein, aber de Ersten gegenüber ist es dann ja wohl GANZ BESONDERS unfair.

    Eine Liga-Aufstockung wäre meines Erachtens die fairste Lösung. Keine Absteiger, dafür aber Aufsteiger. Dann kann man die Ligen über zwei Saisons wieder "zurückstocken". Und es ist nun mal eine besondere Situation, da werden die feinen Herren Fußballer 2 Spielzeiten lang mal ein paar Spiele mehr verkraften.

  • Phillip

    Ich weiß nicht genau auf welches Recht Saarbrücken eigentlich pochen möchte? Ich bezweifle, dass in der DFB-Spielordnung steht, dass einem der Aufstieg zusteht, wenn man bei Saisonabbruch Erster ist. Warum heißt es sonst Abbruch?

    • Friedrich Herschel

      Ich meine gehört zu haben, dass in der Spielordnung ein Abbruch überhaupt nicht geregelt ist, und daher wohl jede Entscheidung rechtlich angreifbar. Insofern würde das von Saarbrücken bedeuten: lasst uns aufsteigen, oder wir könnten klagen.

      • Phillip

        Das war ja auch meine Intention. Im Prinzip würde jetzt ein Präzedenzfall geschaffen. D.h. aber am Ende noch lange nicht, dass Saarbrücken deswegen aufsteigen muss, nur weil es rechtlich anfechtbar ist.

      • Friedrich Herschel

        Sicher heißt es das nicht zwingend. Aber wer weiß, wie ein Gericht entscheiden würde? Ich halte es nicht für vollkommen ausgeschlossen, dass Saarbrücken Erfolg haben könnte, und entsprechend läge der Schadenersatz sehr leicht im Millionenbereich. Das kann man entsprechend nicht einfach ignorieren.

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