Direkt zurück in die 3. Liga? Die Aufsteiger schwächeln

Sowohl Eintracht Braunschweig als auch die Würzburger Kickers müssen sich in der 2. Bundesliga mehr und mehr mit dem Thema direkter Wiederabstieg auseinandersetzen. Völlig unerwartet kommt das nicht, und doch wäre es ein Novum, sollte dieses Szenario im Mai wirklich eintreffen.

Würzburg ist abgeschlagen Letzter

Michael Schiele hat ein turbulentes Jahr hinter sich. Vor zwölf Monaten schien alles noch normal, es waren sogar noch Zuschauer in den Stadien – und Schiele machte sich mit den Würzburger Kickers auf den Weg zu einer starken Aufholjagd, an deren Ende ein furioser, denkwürdiger, spektakulärer Last-Minute-Aufstieg stehen sollte. Nun ist er arbeitslos – gefeuert nicht nur in Würzburg, sondern mittlerweile auch beim direkten Konkurrenten um den Klassenerhalt, dem SV Sandhausen. So wild kreiselt das Trainerkarussell in dieser Spielklasse derzeit, und die Rothosen spielten dabei schon mehrfach eine unrühmliche Rolle. Schließlich führte das Bäumchen-wechsel-dich-Spiel auch über den Aufstiegstrainer von Eintracht Braunschweig, Marco Antwerpen, der in Würzburg nur fünf Spiele erhielt und anschließend mit unschönen Worten vom "Head of Global Soccer" des Hauptsponsors Felix Magath in die Wüste geschickt wurde. Antwerpen ist bekanntlich zurück in der 3. Liga, nun beim 1. FC Kaiserslautern angestellt. Dafür versucht sich in Bernhard Trares, einst Waldhof Mannheim, nun der Dritte an einer fast aussichtslosen Mission.

Zehn Punkte beträgt der Rückstand auf einen sicheren Nichtabstiegsplatz, einzig der VfL Osnabrück – Aufsteiger aus dem Jahr 2019 – scheint nach seiner Negativserie von sieben Pleiten in Folge noch in Reichweite. Nürnberg, St. Pauli, Darmstadt, Regensburg? Allesamt Mannschaften mit so viel mehr Potenzial, die in 13 verbleibenden Spielen bei ebenso großem Punkterückstand wohl nicht mehr eingeholt werden können. Bleibt zuvorderst die Hoffnung auf die Relegation. Doch es fühlt sich für die Kickers, die mit einer wilden Kaderzusammenstellung unter der Aufsicht von Felix Magath sicher ein Wagnis eingegangen sind, an wie ein Kampf gegen Windmühlen.

Ein Spiel absolvierte der FWK nach einem Corona-Ausbruch mit einer absoluten Notbesetzung, wechselte bei jenem 0:2 in Darmstadt demonstrativ den Ersatztorhüter als Feldspieler ein – mehr Optionen gab es nicht, doch das Spiel musste stattfinden. Und auch in der Folge wird Würzburg alles andere als bevorteilt: Nichtmals strittige, sondern schlicht falsche Entscheidungen des Video Assistant Referee (VAR) mündeten zuletzt in zwei Niederlagen in Fürth und Kiel. "Du verlierst den Glauben an die Gerechtigkeit im Sport", sagte Sportvorstand Sebastian Schuppan im Anschluss gegenüber der "Main-Post".

Braunschweig bereits am Limit?

Nicht viel besser ergeht es Eintracht Braunschweig, auch wenn die Chancen bei 17 Punkten – einer Rückstand auf Sandhausen, fünf auf Osnabrück – ein ganzes Stück realistischer sind, doch noch ein Happy End zu feiern. Nach Würzburg (44 Gegentore) hat der BTSV (43) die schwächste Defensivreihe der Liga, Verstärkungen im Winter wie Oumar Diakite und Brian Behrendt kommen über gute Ansätze nicht hinaus, auch ihnen unterlaufen Fehler. Immer wieder ist zu erkennen, was manchen Fan der Eintracht ernüchtert: Sportlich kommt diese Mannschaft in der zweiten Liga an ihr Limit, dafür ist sie nicht zusammengestellt. Dass Marco Antwerpen, der seine Spielidee in Braunschweig bewusst an die Qualität der Truppe anpasste und mit defensiverem, manchmal zähem Fußball den Aufstieg schaffte, danach gehen musste, war wohl ein Fehler. Nachfolger Daniel Meyer jedenfalls erreicht auch keine Wunderdinge: Auf Platz 17 scheinen die Niedersachsen ihrer Kräfteverhältnisse entsprechend angesiedelt. Zumal auch die Offensive schwächelt: Braunschweig ist der einzige Zweitligist, der weniger als ein Tor pro Partie erzielt, ihnen fehlt ein Torjäger, und der letztjährige Schlüsselspieler Martin Kobylanski ist nicht mehr in der Aufstiegsform.

Ganz von ungefähr kommt diese Entwicklung nicht. Lässt sich das im Nachhinein immer leichter beurteilen? Ja. Doch wie wurde der Aufstieg vor acht Monaten ausgespielt? Richtig: Es war nicht mehr als ein Kampf gegen die Ermüdung – die 3. Liga hetzte sich durch endlose Englische Wochen, hechelte in der Schlussphase nur noch so über die Ziellinie. Zeit für spielerische Weiterentwicklung war da nicht, ohnehin hatte nur der FC Bayern München II absolutes Topniveau entwickelt. Dass Braunschweig und Würzburg mit nur 64 Punkten den Aufstieg auf direktem Wege schafften, hatte es in der 3. Liga noch nicht gegeben, nur der VfR Aalen schaffte 2012 einst das gleiche "Kunststück" mit solch niedriger Punktzahl. Weil zugleich in Braunschweig das Geld nicht auf Bäumen wächst und Würzburg einen Transferansatz wählte, der sich bislang als nicht zielführend entpuppt hat, blieb die Weiterentwicklung bislang auf der Strecke.

Es wäre ein Novum

Dass zwei Neulinge aus der eingleisigen 3. Liga auf direktem Wege wieder absteigen, hat es übrigens noch nie gegeben. Dabei belegten 2013 der SV Sandhausen und Jahn Regensburg sportlich abgeschlagen die letzten beiden Plätze, der SVS profitierte allerdings in jenem Jahr vom Lizenzentzug des MSV Duisburg, nur Regensburg stieg ab. Einmal erwischte es in zahlreichen weiteren Jahren einen Neuling: In Wiesbaden (2020), Magdeburg (2019), Würzburg (2017), Duisburg (2016), Bielefeld (2014), Rostock (2012) und Osnabrück (2011) traf es in sieben weiteren Jahren einen Aufsteiger. Duisburg und Bielefeld schafften aus dieser Auswahl im Übrigen als Einzige den direkten Wiederaufstieg – für sie wurde der Begriff Fahrstuhlmannschaft geschaffen.

   
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