Zuschauer-Entwicklung der Drittligisten #2: Rot-Weiss Essen

Was wären die Vereine ohne ihre Fans? Jede Woche pilgern tausende Zuschauer in die Stadien und feuern ihr Team an. Doch wie haben sich die Zuschauerzahlen der Drittligisten in den letzten Jahren entwickelt? Darauf blickt liga3-online.de in einer Serie. Heute: Rot-Weiss Essen.

Gesamtsieger der Stadionumfrage

An der Hafenstraße – RWE! So war es eigentlich schon immer, denn seit 1920 spielt Rot-Weiss Essen am geschichtsträchtigen Ort, mit dem den Klub wohl fast jeder deutsche Fußballfan verbindet. Erinnerungen gibt es noch an das Georg-Melches-Stadion mit seinen drei Tribünen, das 2012 abgerissen wurde und durch das Stadion Essen, nun Stadion an der Hafenstraße ersetzt worden ist. Anfangs mussten sich die überdurchschnittlich treuen (und leidensfähigen) Anhänger der Rot-Weissen daran erst gewöhnen. Nun aber ist der Neubau voll akzeptiert: Gute Sicht aus nahezu jedem Winkel, (noch) offene Ecken als kleines Markenzeichen und die zuweilen brachiale, einzigartige Stimmung verleihen der jetzigen Spielstätte ihren Flair. In der jüngsten Stadionumfrage von liga3-online.de ging die Hafenstraße als Gesamtsieger hervor. 

16.115 Zuschauer passierten in den ersten acht Heimspielen dieser Saison pro Partie die Stadiontore. Ein stolzer und doch kaum überraschender Wert, schließlich kam RWE im Sommer aus einer nicht enden wollenden sportlichen Dürrezeit in der Regionalliga West emporgestiegen. Und selbst da hatten die Fans stets tapfer ausgeharrt, aber dazu später mehr. Nun ist Essen ein Zweitliga-Aufsteiger – zumindest in der Zuschauertabelle. Denn nur Dynamo Dresden kommt auf noch mehr Unterstützung, beim ersten Verfolger 1860 München ist die gedeckelte Kapazität von 15.000 wohl das entscheidende Kriterium. Über die mindestens drittgrößte Fanbasis dieser Spielklasse verfügen die Essener aber allemal, noch vor dem Rivalen MSV Duisburg. Selbst die dauerhaft höhere Ligazugehörigkeit der Zebras in den vergangenen Jahrzehnten tat dem keinen Abbruch.

Nie unter 15.000 Fans

18.300 Zuschauer kamen gegen Dynamo Dresden – Bestwert in dieser Saison und de facto ausverkauft, für den Heimbereich gab es keine Karten mehr. Ansonsten waren mit einer Ausnahme (13.500 gegen Ingolstadt) nie weniger als 15.000 Besucher im Stadion, was angesichts überwiegend weniger attraktiver Gegner (etwa Viktoria Köln und die SV Elversberg) umso höher zu gewichten ist. Gegen Zwickau kamen sogar 17.300 Fans, auch das sticht hervor. Potenzial gibt es dabei auf Ergebnisseite: Hätte Rot-Weiss Essen mehr als zwei seiner acht Heimspiele gewonnen, der Effekt auf die Ticketabsätze wäre sicherlich kein negativer…

In den neun Vorsaisons spielte Rot-Weiss Essen konstant in der Regionalliga. Bis zur Spielzeit 2019/20 wurde der Aufstieg vom regelmäßigen Topfavoriten stets deutlicher verfehlt, als man es vorab erwartet hatte. Umso erstaunlicher, dass die Fans immer wieder an die Hafenstraße pilgerten und sich ein harter und unerschütterlicher Kern von rund 7.000 Fans von gar nichts am Stadionbesuch hindern ließ. Nicht einmal von Abstürzen in die untere Tabellenhälfte in den verkorksten Jahren 2015/16 (Platz 12) und 2017/18 (Platz 10), in denen der Schnitt zwar gegenüber den umliegenden Jahren leicht zurückging, aber kaum signifikant. Und selbst als RWE 2010/11 ein Jahr in der fünftklassigen NRW-Liga verbrachte, kamen durchschnittlich 7.000 Fans.

Mehr Zuschauer zuletzt vor 50 Jahren

Dann kam 2019/20 – das Corona-Abbruchjahr, in dem sich Essen und der SC Verl an der Spitze duellierten. Dies zog nach etlichen Jahren wieder eine neue Fangeneration in den Norden der Ruhrgebietsstadt, in acht der zwölf Heimspiele stand eine fünfstellige Zuschauerzahl auf der Anzeigetafel. Diese wurde mit der Corona-Pandemie für fast zwei Jahre ausgesperrt, kam aber mit der vollständigen Aufhebung der Zuschauerbeschränkungen im Frühjahr 2022 schnell wieder zurück. RWE duellierte sich da mit Preußen Münster monatelang um den Aufstieg – und schaffte ihn vor 16.650 Besuchern am Finalspieltag gegen Ahlen. Die Kapazität, die bei gut 20.000 Zuschauern liegt, durfte aus baulichen Gründen nicht ganz ausgeschöpft werden. So musste Essen für sein Aufstiegsspiel einige Tausend enttäuschen.

Bleibt nur eine Frage im Raum: Wann hatte Rot-Weiss Essen zuletzt einen höheren Besucherschnitt als derzeit? Dafür muss im Geschichtsbuch um fast fünf Jahrzehnte zurückgeblättert werden, hin zu jener Zeit, als RWE noch Bundesligist war. 1973/74 hieß der Toptorjäger noch Willi "Ente" Lippens, Essen wurde 13. – und begrüßte gut 17.200 Fans pro Spiel. Ein Wert, der spätestens dann übertroffen werden dürfte, sollte sich Essen auch sportlich in der Spitzengruppe der 3. Liga einnisten.

Zuschauer-Entwicklung Rot-Weiss Essen

SaisonLigaSchnitt
22/233. Liga 16.115
21/22*Regionalliga9.400
20/21*Regionalliga360
19/20*Regionalliga10.938
18/19Regionalliga7.259
17/18Regionalliga6.868
16/17Regionalliga7.865
15/16Regionalliga7.356
14/15Regionalliga8.208
13/14Regionalliga7.684

*Die Zuschauer-Zahlen in den Spielzeiten 2019/20, 2020/21 und 2021/22  sind teils deutlich durch die Corona-Pandemie verfälscht, wurden der Vollständigkeit wegen aber mit in die Übersicht aufgenommen.

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