Die "Schwuchtel"-Affäre: Fußball, hast du das nötig?

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"Nur Schwuchteln hast du, nur Schwuchteln!" – diese Worte sorgen für mächtig Aufruhe in der 3. Liga. Davy Frick vom FSV Zwickau hat sie gesagt und eine lebhafte Diskussion ausgelöst. Schlimmer aber ist, dass Frick hier kein Tabu im Fußball überschritten hat. Sondern, dass er mit einer völlig absurden und traurigen Alltäglichkeit des Sports einfach nur am falschen Ort war. Ein Kommentar.

Echte Vorbilder gesucht

Akteure vieler anderer Sportarten – und ganz nebenbei auch eine Menge Amateurfußballer – können sich über die Gangart in den höheren Fußballligen mittlerweile nur noch amüsieren. Für Millionensummen wird alles in Kauf genommen, was den Erfolg auch nur um ein Zehntelprozent wahrscheinlicher macht. Da werfen sich vermeintlich verletzte Fußballer heroisch und gekrümmt vor Phantomschmerz zurück ins Spielfeld, um Zeit zu schinden. Da laufen Spieler nach jeder Aktion im Mittelfeld zum Schiedsrichter, um vehement persönliche Bestrafungen zu fordern. Und schmeißen sich nach leichten Schubsern zu Boden, als hätte Klitschko persönlich mit der Linken ausgeholt. Von einer Sportart, in der reihenweise echte moralische Vorbilder entstehen, ist der Fußball in der Regel weit entfernt. Nicht nur, aber auch in der 3. Liga. Positive Ausnahmen bestätigen diese Regel.

Wo sind die Grenzen?

Und nun kommt Davy Frick. Jemand, der die Grenzen der Härte in dieser Sportart kennt. Am Sonntagnachmittag überschritt er diese Grenze, flog zurecht vom Feld. Und schickte unter diesen speziellen Umständen, mit dem Frust über die Karte als auch den neuerlich verspielten Sieg, unschöne Worte in die Richtung von Rico Schmitt, Trainer des Halleschen FC. "Nur Schwuchteln hast du, nur Schwuchteln.“ Unüberlegte Worte. Aber auch Worte, die sich auf dem Spielfeld einbürgert haben, und nicht nur dort. Provokation gehört seit jeher zu diesem Sport dazu und macht ihn auch ein Stück weit aus – aber wo sind die Grenzen? Was ist erlaubt, was nicht?

Business as usual im Profifußball

Das Wort "Schwuchtel" überschreitet diese Grenze, darüber muss eigentlich gar nicht diskutiert werden. Es ist kein Schimpfwort wie jedes andere. Es ist abwertend gegenüber Homosexuellen, es ist homophob. Und es wird dennoch regelmäßig benutzt. Es entgleitet vielleicht Millionen Menschen täglich. Viele konnotieren mit diesem Begriff nichts Schlimmes, nichts Unsittliches. Das zeigen die hektischen Diskussionen verschiedener Fangruppen in den sozialen Netzwerken, aber auch die verschiedenen Meinungen innerhalb der Zwickauer Anhängerschaft. Es wird längst nicht nur kritisiert, es wird auch abgetan – oder die Schuld beim Gegner gesucht. Oder beim Schiedsrichter, der bietet sich ohnehin immer an. Business as usual im emotionalen Profifußball. So hat er sich entwickelt.

Rico Schmitts Reaktion macht es nur schlimmer

Das beste Beispiel dafür liefert übrigens Halles Trainer Rico Schmitt. Der ließ es sich nicht nehmen, das Bier an seinen Nebenmann zu übergeben und das Niveau mit einem kreativen Gegenschlag nochmals zu unterbieten: "Er sollte mal lieber an seinem Gewicht arbeiten. Vielleicht kriegt er dann bei mir ein Probetraining. Ansonsten reicht es eben nur für Zwickau." Gut, das war nun nicht homophob – das war einfach nur überflüssig. Für Außenstehende war spätestens dann der Punkt des Fremdschämens deutlich überschritten. Und wo bei einem Spieler, der mit etwas Grips auf solche Äußerungen ebenso verzichten könnte, vielleicht noch ansatzweise Verständnis angewendet kann – wenn sich ein fast 50-jähriger Trainer zu solch einem Konter hinreißen lässt, kann man nur noch mit den Händen vor den Kopf schlagen.

Eine Bagatelle, aus der man trotzdem lernen kann

Nein, drittligareif war an diesem Tag für den Profisport in Zwickau ziemlich wenig. Es braucht nun weiß Gott keine großen Aktionen für Fairness im Sport, keine bunten Plakate und kreativen Reden. Letztendlich war der Vorfall eine Bagatelle, wie sie täglich auf den Fußballplätzen in Deutschland geschieht. Und Frick war nur zur falschen Zeit am falschen Ort. Nun gilt es, daraus dennoch eine Lehre zu ziehen. Denn mit ein wenig mehr Vernunft, mit ein wenig Nachdenken bei aller Emotionalität im Sport würden solche Äußerungen nicht mehr nötig sein. Würden vielleicht auch einige andere unsportliche, den Spielfluss störende Aktionen nicht mehr nötig sein. Und das brächte den Fußball zweifelsfrei ein ganzes Stück nach vorne.

   
  • Pappnase

    "Schwuchtel" ist ein Wort, dessem Bedeutung ist nicht eindeutig fix. Von daher kann seine Nutzung nicht pauschal als "homophob" stigmatisiert werden.
    Als Schwuchteln bezeichnet man auch Männer, welche sich (vermeintlich) "weiblich" verhalten, deswegen aber nicht schwul sein müssen. z.B. ist die Aussage "Du heulst wie ein Mädchen!" gegenüber einem Mann auch nicht "homophob". Wenn man Frick’s Erklärung dazu zur Kenntnis nimmt ("..fallen wie die Mädchen…") dann sollte man eigentlich zu den Schluß kommen, dass er das nur im Sinne von "wie ein Mädchen benehmen" gemeint haben kann.

  • Fat Tony

    Lieber Jan Ahlers, sicher haben sie vollkommen Recht mit dem was sie sagen, denn all das hat mit Sport nichts zu tun. Deshalb würde ich es begrüßen, wenn ihr als Redakteure in Zukunft solchen Themen weniger Aufmerksamkeit schenkt. Das es erwähnt werden muss nach einem insgesamt hitzigen Spiel, keine Frage, sicher interessieren sich auch viele für die daraus entstehenden Konsequenzen (Sperre etc.). Dennoch ist es nicht nötig in BILD-Manier andere Menschen an den Pranger zu stellen. Immerhin hat es das Wort Schwuchtel bei jedem Eurer Artikel in die Schlagzeile geschafft – ganze ohne emotionale Unterstützung.

  • osservatore

    Nein, sowas sagt man nicht. Und dafür muss Frick eine Strafe bekommen.

    Tatsache ist aber auch, dass der HFC – wie alle von Schmitt trainierten Mannschaften – ständig versuchen, gelbe Karten und Freistöße gegen den Gegner zu schinden und gelbbelastete Gegenspieler ständig provozieren und die Schieris systematisch zu Hauf belagern und Kartenstrafen für Gegenspieler fordern. Das erlebt man bei keiner anderen Mannschaft so ausgeprägt. Und der Satz, den Herr Schmitt in Richtung des vom Platz gestellten Frick von sich gegeben haben soll, ist keinesfalls schlagfertig sondern aus Trainermund auch unter aller Kanone.

  • Michael Roxermann

    Carl Zeiss Jena wird sicher schon Interesse an Frick bekundet haben um ihrem Fair-Play-Schänder Sören Eismann einen moralisch nicht weniger ekelhaften Partner an die Seite zu stellen.

    • Richael Moxermann

      Sind dir die Hansa-Artikel zu langweilig geworden? :)

    • jens

      Du bist nur armselig. Wird dir das nicht langweilig? Oder bringt dir das irgendeine Befriedigung?

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