Die Gründe für die Krise beim KFC Uerdingen

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Was ist los beim KFC Uerdingen? Die Ambitionen der Krefelder sind bekanntermaßen hoch gesteckt, doch die Realität sieht anders aus. Obwohl der Kader vom Potential einiges mehr hergeben würde, konnte auch Trainer Heiko Vogel den Krefelder Klub bislang nicht in die Erfolgsspur bringen. Nun steht die Ursachenforschung auf dem Programm.

Seit acht Pflichtspielen ohne Sieg

Eine Söldnertruppe mit Spielern, die sich kaum ein anderer Drittliga-Verein leisten können – das ist es, was die meisten Außenstehenden in ihrer Kritik gegenüber dem vom Investor Mikhail Ponomarev geführten Klub vereint. In der Vergangenheit wirkte die Darstellung des Drittligisten wahrlich nicht immer durchdacht, aus den Fehlern lernten die Beteiligten jedoch und gaben das Lenkrad in die Hände eines fachlichen Experten, den sie in Trainer Heiko Vogel gefunden haben. Doch auch der Schweizer Double-Sieger mit dem FC Basel gerät beim KFC Uerdingen bisher an seine Grenzen. Die Krefelder rangieren mit sechs Punkten aus sieben Spielen auf dem ersten Abstiegsplatz. Hinzu kommt das Landespokal-Aus gegen Viertligist Rot-Weiss Essen und die Pleite im DFB-Pokal gegen Borussia Dortmund. Damit warten die Krefelder bereits seit acht Pflichtspielen auf einen Sieg.

Nüchtern analysiert hat das nichts mit Investoren, potentiell hohen Gehältern oder schlechtem Image zu tun. Sportlich stimmt die Leistung einfach zu größten Teilen nicht. Ein glücklicher 1:0-Sieg zum Auftakt gegen den Halleschen FC ist zu wenig für das Potential des Kaders, der natürlich auch von den Namen und Erfahrungen getragen wird – drei Unentschieden und drei Niederlagen folgten aber auf den 1. Spieltag. Finanziell spielt es keine Rolle, ob ein Assani Lukimya, Jan Kirchhoff oder Kevin Großkreutz auf dem Platz stehen – die Leistung der genannten und anderen Spielern blieb hinter den Erwartungen zurück, die man durchaus in die Mannschaft setzen darf.

Zu viele Fehler

Dabei kann man in Uerdingen nicht von einem allgemeinen Mentalitätsproblem sprechen: Alle drei Punkte aus den Unentschieden gegen Unterhaching, Großaspach und Münster erreichte die Mannschaft nach einem Rückstand, einmal sogar nach einem 0:2. Aktuell holen die jungen Leute die Kohlen aus dem Feuer, ohne Franck Evina (vier Tore in sieben Spielen) stünde der KFC wohl noch schlechter da. Auch Patrick Pflücke, Boubacar Barry oder Jean Manuel Mbom stehen auf dem Platz, eine Mischung aus jungen und erfahrenen Spielern ist im Vergleich zum Vorjahr durchaus gegeben.

Doch zu oft fangen sich die Uerdinger einfache Gegentore ein. Hier erwartet man die arrivierten und erfahrenen Kräfte, die als Führungsspieler vorangehen und die Mannschaft mitreißen. Bei der jüngsten 1:2-Niederlage in Essen lief beispielsweise Kapitän Jan Kirchhoff beim zweiten Gegentreffer jedoch nur hinterher, statt voran. Lukimya gilt bei den meistens Fans ohnehin als Unsicherheitsfaktor. Standardsituationen werden nicht konsequent genug geklärt und die Neulinge wie Barry oder Oliver Steurer machen noch Fehler im Aufbau.

Vogel in der Kritik

Feststeht: Beim DFB-Pokalauftritt gegen Borussia Dortmund zeigten die KFC-Kicker auf der großen Bühne, dass durchaus Potenzial vorhanden ist. Für Heiko Vogel gilt es nun, diese Leidenschaft auch in den Liga-Alltag zu bringen. Das wird der Fußballlehrer allerdings nur mit willigen Profis schaffen, andernfalls wird er bloß als einer von vielen Trainern in die Geschichte einer Uerdinger Mannschaft eingehen, die ihren sportlichen Ehrgeiz wiederfinden muss.

Längst steht aber auch Vogel selbst angesichts von nur einem Sieg aus zehn Ligaspielen unter seiner Regie in der Kritik. Zumal seine Personalentscheidungen zuletzt Fragen aufwarfen: In Essen nahm er Evina nach 66 Minuten vom Platz und brachte zur Pause mit Ali Ibrahimaj einen Spieler, der zuvor in keinem Spiel zum Kader gehörte. Ein Experiment, das misslang. Beim Auswärtsspiel in Zwickau am kommenden Samstag sind drei Punkte eigentlich Pflicht – ansonsten dürfte es für Vogel eng werden. Die Stimmung bei den Fans ist ohnehin schon gekippt.

   

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