Die dramatischen Zahlen des 1. FC Kaiserslautern

Dass der 1. FC Kaiserslautern nach dem erstmaligen Abstieg aus der 2. Bundesliga tiefrote Zahlen schreiben würde, war zu erwarten. Dennoch waren es dramatische Zahlen, die der FCK am Sonntag im Rahmen der Mitgliederversammlung verkündete. Die Roten Teufel stehen mit dem Rücken zur Wand – und brauchen dringend Geld.

12 Millionen Euro benötigt

Der Plan war klar: Ein Jahr 3. Liga spielen und dann auf direktem Weg zurück in die 2. Bundesliga. Problem: Angesichts von bereits neun Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz erscheint eine weitere Saison in der Dritte Liga derzeit wahrscheinlicher als der sofortige Wiederaufstieg. Ein Szenario, auf das vor allem die finanzielle Planung nicht ausgelegt war.

Nachdem die laufende Saison auf Pump finanziert wurde, benötigt der FCK nun zwölf Millionen Euro, um eine weitere Drittliga-Spielzeit stemmen zu können. Vor allem die Fan-Anleihe in Höhe von 6,7 Millionen Euro, die am 1. August 2019 zurückgezahlt werden muss, schlägt deutlich zu Buche. Besorgniserregend ist zudem das errechnete Minus von rund fünf Millionen Euro, das die Roten Teufel in dieser Spielzeit nach ersten Schätzungen einfahren werden. Enorm viel Geld für einen Drittligisten, der aus den Vermarktungserlösen gerade einmal 1,28 Millionen Euro kassiert.

Umsatz bricht deutlich ein

Wieder einmal zeigt sich: Der Abstieg aus der 2. Bundesliga hat vor allem wirtschaftlich dramatische Folgen. Besonders für einen Verein wie den 1. FC Kaiserslautern, dem das schmucke aber für die 3. Liga viel zu große Fritz-Walter-Stadion ein Klotz am Bein ist. Trotz Pachtreduzierung muss der FCK für die WM-Arena von 2006 nach Angaben der "Rheinpfalz" jährlich über fünf Millionen Euro aufbringen. Für einen Drittligisten ist das nicht zu finanzieren – schon gar nicht über mehrere Jahre.

Ebenfalls dramatisch: Verbuchten die Pfälzer in der vergangenen Zweitliga-Saison trotz des Abstiegs noch einen Umsatz von über 36 Millionen Euro, wird dieser nun wohl um etwa 60 Prozent zusammenschrumpfen. Und auch die TV-Gelder von 11,1 Millionen Euro in der letzten Saison sind zum großen Anteil weggebrochen. Da half es auch nicht, dass der FCK aus einem Solidaritäts-Fonds der Zweitligisten und dem DFL-Rettungsschirm insgesamt 1,1 Millionen Euro kassierte. Bezeichnend: Auch Mitabsteiger Eintracht Braunschweig erhielt diese Summe, steckt aber ebenso in finanziellen Schwierigkeiten.

"Drastische Sparmaßnahmen" unumgänglich

Es zeigt sich: Der 1. FC Kaiserslautern, den nach "Kicker"-Angaben Verbindlichkeiten von insgesamt rund 17 Millionen Euro drücken, steht mit dem Rücken zur Wand – vor allem aufgrund der Tatsache, dass der angepeilte Wiederaufstieg derzeit in weiter Ferne ist. Um eine weitere Saison in der 3. Liga finanzieren zu können, "müssen weitere drastische Sparmaßnahmen getroffen werden", stellte Aufsichtsratsvorsitzender Patrick Banf am Sonntag klar. Die "gesamte sportliche Organisation" sei ebenso betroffen wie "auch das Nachwuchsleistungszentrum".

Doch bevor weitere Sparmaßnahmen in die Wege geleitet werden können, müssen zunächst die zwölf Millionen Euro aufgebracht werden. Bereits am 1. März sind die Unterlagen für die Drittliga-Zulassung beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) abzugeben. Um die Millionen-Summe rechtzeitig nachweisen zu können, arbeitet der FCK an einer Zwischenfinanzierung – und muss dafür wohl hohe Fremdkapital-Zinsen in Kauf nehmen. Langfristig sollen Investoren die Roten Teufel auf wirtschaftlich sicherere Beine stellen, allerdings ist der erhoffte Großinvestor mit einer zweistelligen Millionen-Summe momentan nicht in Sicht.

Es sind düstere Zeiten, denen der Deutsche Meister von 1998 derzeit entgegen blickt. Denn klar ist: Jede weitere Saison in der 3. Liga verschärft die ohnehin schon angespannte finanzielle Situation zusätzlich.

   
  • HowdyM

    Die Vereine, die ohne Kredite und ohne Verluste wirtschaften, sind die Dummen. Unglaublich….wir reden also über 30 Mio Schulden am Ende der Saison und eine nicht finanzierbare Stadionmiete…

  • Perri

    Dieser Verein wäre schon längst am Ende, wenn ihm die Politik, namentlich: Kurt Beck, nicht schon vor Jahren den Arsch gerettet hätte. Wird Zeit, dass der FCK den Weg allen Irdischen geht. Tschüss

    • Markus Blaj

      Ich gebe dir Recht, dass man dem Verein nach 2006 viel zu oft und lange geholfen hat. Es wäre wahrscheinlich für alle Beteiligten mal besser gewesen, den Hahn früher abzudrehen und neu anzufangen.

      Aber man darf Beck hier nicht als den ewigen FCK Retter, sondern muss ihn als Täter darstellen. Er wollte unbedingt diese WM in diesem seinem Bundesland haben, sich sein Denkmal schaffen. Da Mainz 05 und das alte Bruchwegstadion zum Zeitpunkt der WM Bewerbung 2001 noch gar kein Faktor in Rheinland Pfalz war und der FCK damals noch Dauergast im Uefa Cup, gab es nur eine Option: Das Stadion, welches in Vollbesitz des Vereins war, keinen Cent Miete kostete etc, musste zu Unsummen auf diese Größe gebracht werden. Wohl gemerkt, „diese“ Größe. Man hatte damals schon Pläne für einen „gesunden“ Ausbau von Ost und Westtribüne in der Schublade. Das wäre sehr „günstig“ geworden und hätte zu ca. 42.000 Plätzen für die WM Arena geführt. Aber dann hieß es „wenn ihr die WM wollt, müsst ihr ca. 50.000 bieten“.

      Spätestens hier hätten alle beteiligten abwinken und die WM ohne KL ablaufen müssen. Diese Pläne, nicht nur die Ost und West, sondern auch nochmal die ganze Südtribüne zu erhöhen sowie gigantische Median und VIP Türme in die Ecken zu pflanzen, um eben auch diesen Forderungen nachzukommen waren so absurd und teuer, das schlägt jedem Fass den Boden aus. Am Ende über 80 statt max. 30 Mio… Gratulation an die Entscheider.

      Dass Beck, die Stadt und die Politik sich jahrelang dann verpflichtet fühlten, dem FCK bei diesem Brocken – und es ging hier ja immer nur um das Stadion – zu unterstützen, ist für mich sogar bis zu einem gewissen Maß nachvollziehbar. Es gibt schlichtweg nur einen möglichen Nutzer dieses Stadions und wenn der keine Einnahmen bringt, dann wird dieses 80 Mio Grab sogar noch mit Abrisskosten konfrontiert. Man stieg dann also 2010 in die Bundesliga auf, hatte in der 2. Liga zuvor einen europaweiten Rekord Zuschauerschnitt. Schloss die Bundesliga damals auf Platz 7 ab und stand auch finanziell gut da. Man hatte es fast geschafft und die Unterstützung hätte ihre Früchte getragen.

      Was dann kam ist leider wirklich mehr als traurig. Dass Spieler nach einer guten Aufsteigersaison der Club verlassen, ist üblich. Dass der Sonnenkönig aber dann so viel Geld verbrannt hat für Spieler, die allesamt null gebracht haben, dieses Defizit dann via Fananleihe ausgleicht und diese auch noch falsch einsetzt… das ist mittlerweile nicht mehr schön zu reden und eine Insolvenz wäre mittlerweile nur noch konsequent, denn das Sterben auf Raten muss irgendwann mal vorbei sein.

      Auf die Themen Steuerhinterziehung in der Ära Friedrich, Selbstanzeige durch Jäggi, freiwillige Rückzahlung zweistelliger Mio Beträge von denen am Ende rechtskräftig nichtmal 2 Mio nötig gewesen wären (aber vom Staat gabs natürlich nix zurück) Stadionverkauf, seither 10 Mio Kosten pro Saison (Miete + Unterhalt)… bin ich jetzt noch nichtmal eingegangen. Aber seit 2005 hängt die Sau am Haken und blutet aus…

      Aber um nochmal um auf den Anfang zurückzukommen: Kurt Beck und die Politik… sind nicht die ewigen Retter dieses Vereins, sie sind zu großem Maß verantwortlich, haben dann versucht zu retten, was scheinbar nicht mehr zu retten ist. Man kann das gerne kritisieren, aber dann bitte die richtigen Zeitpunkte und Geschehnisse kritisieren. Mir ist das alles oft viel zu polemisch, Hauptsache druffgekloppt.

      Und das in Zeiten, in denen die Bayern einen Verteidiger für 80 Mio kaufen wollen, einer Summe, die hier nicht nur den Verein, sondern die gesamte Stadiongesellschaft sanieren würde ist das so oder so nur noch frustrierend.

  • Sterneneisen

    Wenn es nicht möglich ist, das Stadion zu mieten/pachten/bezahlen, wieso wird dann keine Alternative gesucht? Das ist doch nichts als eine Ausrede – Regionalligisten müssen nach dem Aufstieg sich auch Alternativen suchen, wenn kein drittligataugliches Stadion vorhanden ist. Wieso werden Zweitligisten da in Schutz genommen…

    Mir kommt es so vor: Auf Pump glaubt man, der Aufstieg wäre käuflich. Da fällt die Suche nach Alternativen eben weg, man ist ja "eigentlich" Zweitligist. Nur eben nicht in der Realität. Anstatt zu träumen, sollte man seine Hausaufgaben machen.

  • Matthias Mewes

    …da kann man jedem Drittligisten nur Respekt zollen, der seine wirtschaftlichen Hausaufgaben ordentlich gemacht hat und nicht über seine Verhältnisse lebt.

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