Die Saison im Check: Vom Überflieger bis zur Schießbude

Nach nunmehr gut zehn Wochen des Drittliga-Fußballs steht der Dritten Liga die erste geschlossene Länderspielpause bevor: Für zwei Wochen ist der Vorhang zugeklappt, erst am 16. Oktober eröffnen Preußen Münster und der FC Hansa Rostock den dreizehnten Spieltag. Grund genug, ein erstes Mal Bilanz zu ziehen: Wer ist gut in die Saison gestartet, wer hat Nachholbedarf? Wo fallen die Tore, wo eher nicht? Und wie ordnet sich die bisherige Spielzeit in die Drittliga-Historie ein?

Der Überflieger der Liga: Dynamo Dresden

Die Favoritenrolle schoben bereits vor der Saison nahezu sämtliche Experten Dynamo Dresden zu, sodass sich die spannende Frage stellte: Kann die SGD diesem Druck gerecht werden? Alle Spekulationen um die Aufstiegstauglichkeit dieser Mannschaft haben sich jedoch längst in Schall und Rauch aufgelöst. Neun Punkte Vorsprung nach zwölf Spieltagen wird voraussichtlich auf absehbare Zeit ein Drittligarekord bleiben. Ein Punktedurchschnitt von 2,67 Punkten meißelt das, was viele vermuteten, umso mehr in Stein: An Dynamo führt bisher kein Weg vorbei. Dieses Team kann sich nach aktuellem Stand lediglich selbst schlagen.

Die Überraschung der Liga: Die SG Sonnenhof Großaspach

Klein, aber oho: Der SG Sonnenhof Großaspach wurde vielerorts eine schwere zweite Drittliga-Saison prognostiziert. Der Dorfverein erkannte seine Rolle als Außenseiter jedoch an und nutzt diese ein ums andere Mal schamlos bis frech aus. Spätestens nach vollkommen verdienten und spielerischen Klasseleistungen vorhergehenden 4:0-Auswärtserfolgen beim SV Werder Bremen II und den Stuttgarter Kickers sollte ein jeder Konkurrent ein waches Auge auf die SGS werfen. Großaspach, eine Pflichtaufgabe für jeden Gegner? Nein, diesen Status haben Rüdiger Rehm und Co. längst verloren. Auch wenn Platz 3 auf die Gesamtsaison gesehen im Normalfall eher eine Momentaufnahme bleibt.

Die Flops der Liga: Energie Cottbus und der SV Wehen Wiesbaden

Geht es nach den intern wie extern gestellten Erwartungen, teilen sich den Flop-Award der bisherigen Saison wohl der FC Energie Cottbus und der SV Wehen Wiesbaden. Während das Team in Wiesbaden von Anfang an die Fähigkeiten, um den Aufstieg mitspielen zu können, nicht unter Beweis gestellt hat, starteten die Lausitzer immerhin mit zwei Siegen, waren sogar zwischenzeitlich Tabellenführer. Doch seit dem 01.08. wartet der FCE auf einen Sieg – das bedeutet unglaubliche zehn Spiele in Folge und den Abrutsch auf den 17. Rang. Der SVWW steht nur einen Platz besser dar. Das haben sich beide Vereine wohl ganz anders vorgestellt.

Die Schießbude der Liga: Fortuna Köln

Zumindest neutrale Zuschauer sollten ein Auge auf die Kölner Fortuna werfen, denn in den bisherigen zwölf Partien sind bei Beteiligung der Domstädter stolze 44 Treffer gefallen. Elf der zwölf Begegnungen endeten mit mindestens drei gefallenen Toren – die meisten davon aber im Tor der Kölner: Allein 29 Mal mussten Andre Poggenborg und Tim Boss hinter sich greifen. Die Konsequenz: Der letzte Tabellenplatz für den letztjährigen Aufsteiger.

Allgemein ist die Dritte Liga im Übrigen im Vergleich zu den Vorjahren so torarm wie noch nie: Lediglich 2,48 Treffer fallen bisher im Durchschnitt pro Begegnung. In der gesamten Saison 2014/15 belief sich der Wert noch auf 2,66 Tore pro Spiel, die bisher torschwächste Gesamtspielzeit stellte die Saison 2013/14 mit 2,51 Toren pro Spiel dar.

Das Bollwerk der Liga: Die Würzburger Kickers

Unglaubliche fünf Gegentore mussten die Würzburger Kickers erst in den bisherigen 1080 Spielminuten hinnehmen – dies bedeutet nach Adam Riese: Nur alle 216 Minuten muss Robert Wulnikowski im Tor der Nordbayern einen Ball aus dem Netz holen. Umso überraschender mutet dieser Wert an, wenn man berücksichtigt, dass viele Kickers-Akteure mit der Dritten Liga absolutes Neuland betreten haben. Auf Kosten der Defensive geht die Offensive, denn dort wurden bisher erst acht Treffer erzielt. Beim 3:0-Erfolg über Fortuna Köln fielen darüber hinaus tatsächlich zum ersten Mal in der Saison mehr als zwei Treffer in einem Match mit Würzburger Beteiligung.

Die unfairsten Teams der Liga: Stuttgarter Kickers, Energie Cottbus, Würzburger Kickers

Wo „Kickers“ im Namen steht, da wird auch gekickt – offenbar aber nicht nur gegen den Ball. So stellen die Stuttgarter und die Würzburger Kickers neben Energie Cottbus die unfairsten Mannschaften der Liga dar. Während auf der Waldau sowie beim FWK durch vier Platzverweise ordentlich ausgeteilt wurde, holten sich die Lausitzer nebst zwei Hinausstellungen allein 35 Gelbe Karten ab – das entspricht fast drei Verwarnungen pro Spiel.

Der unfairste Spieler der Liga ist nach nunmehr zwei Ampelkarten und einer Roten Karten unangefochten Benjamin Schwarz vom SC Preußen Münster. Doch auch die Statistik von Carl Klaus, seines Zeichens Keeper bei den Stuttgarter Kickers, ist bemerkenswert: Er brauchte nur vier Einsätze für gleich zwei Platzverweise, jeweils nach Notbremsen. Dennis Erdmann von Hansa Rostock sammelte indes acht Gelbe Karten nach elf Spielen – auch dies könnte nach 38 Spieltagen in einem neuen Bestwert enden.

Die Remis-Könige der Liga: Hansa Rostock

In sieben von zwölf Spielen teilten sich die Rostocker die Punkte mit ihrem Konkurrenten, der eindeutige Bestwert der bisherigen Saison. Für den Rekord über eine ganze Spielzeit müssten die Mannen von der Ostsee im Übrigen 18 Unentschieden toppen – aufgestellt vom SV Wehen Wiesbaden in der Saison 2012/13.

Liga ausgeglichen wie nie

Insgesamt ging im Übrigen in 44 von 120 Spielen der Spielzeit 2015/16 kein Team als Sieger vom Platz, das entspricht einer Quote von fast 37 Prozent. Die Dritte Liga, sie ist spannend und ausgeglichen wie selten – wohl kaum ein anderer Wert spiegelt diese Erkenntnis eindrucksvoller wider. Die 3. Liga, sie bietet auch in der Saison 2015/16 äußerst spannende Spiele und ein breites Mittelfeld. Bis auf Dynamo Dresden hat sich noch keine Mannschaft endgültig unten oder oben festgespielt, daher dürfen wir auch nach der Länderspielpause viele weitere spannende und emotionale Begegnungen erwarten.

 

 

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