Die besten Spiele des Jahres: Platz 1

Wir sind uns alle einig: Die 3. Liga hat sich einige Wochen zu früh in einen zu langen Winter verabschiedet. Dabei bot uns auch 2022 wieder etliche Highlight-Spiele, an die wir uns gerne erinnern. Traditionell tun wir das mit unserem großen Rückblick auf die 20 besten Partien. Unser Platz 1 geht an das verrückte wie kuriose 4:5 zwischen dem SC Verl und dem 1. FC Magdeburg.

Verl mit der frühen Führung

122 Tore fielen in den 36 gewerteten Begegnungen des 1. FC Magdeburg der vergangenen Saison, und ebenso viele waren es, wenn der SC Verl beteiligt war. Das ist nicht nur ein stolzer Wert, sondern auch ein Bestwert, den sich die Ostwestfalen und die Ostdeutschen da teilen: 3,39 Treffer pro Partie – da lohnte sich das Eintrittsgeld. Doch am 34. Spieltag beschlossen die Ligakontrahenten, diese Statistik mit dem turbulentesten, wildesten und spektakulärsten Spiel des Jahres zu drapieren: 5,61 Tore mehr als im Schnitt fielen an jenem Sonntagmittag nämlich – und eines mehr für den Tabellenführer, der sich beim damals in größter Abstiegsnot befindlichen Sportclub nie zu sicher fühlen durfte und am Ende doch den Aufstieg so gut wie besiegelte.

Doch der Reihe nach: Vor 2.333 Zuschauern in der Paderborner Benteler-Arena, davon sicher etwa zwei Drittel aus Magdeburg, erwischte Verl den perfekten Auftakt und jubelte früh: Cyrill Akono nutzte einen kleinen Fehler von FCM-Keeper Reimann zum 1:0, das Verl viel Auftrieb gab. Doch die 83-Tore-Offensive aus Sachsen-Anhalt brauchte in dieser Saison oftmals nicht viel, um in den Selbstläufer-Modus zu schalten. Das galt auch für jenen 17. April: Luca Schuler staubte nach einem Distanzschuss zum 1:1-Ausgleich nach 18 Minuten ab, danach zog der FCM sein bestes Fußballspiel auf und erarbeitete sich durch Kapitän Tobias Müller das zu dem Zeitpunkt überfällige 2:1 (33.), es hätte zur Pause auch 4:1 stehen können. Aber die Tore sollten ja noch kommen…

Fünf Tore in 13 Minuten

Die Seiten wurden getauscht und die Gäste-Elf um Trainer Christian Titz holte nach, was vor der Pause nicht gelang: Amara Condé ließ den Spitzenreiter auf 3:1 davonziehen, in neun von zehn Fällen wäre ein Duell "Klein gegen Groß" mit diesem Tor entschieden. Doch Verl wusste um die bedrohliche Lage im Abstiegskampf, musste als klarer Außenseiter punkten. Und fand Einladungen vor: Reimann legte dem Verler Punktegaranten der Finalwochen, Ron Berlinski, das 2:3 mit einem schweren Patzer auf den Fuß (56.), Augenblicke nach dem Wiederanstoß stellte Lukas Petkov auf 3:3, weil ihn niemand auf dem Weg zum FCM-Sechzehner stoppen konnte oder wollte (58.). Alles auf Anfang! Es machte großen Spaß, diesen beiden Mannschaften trotz aller Fehler beim munteren Kick zuzuschauen. Raphael Obermair konterte mit dem 4:3 für Magdeburg (61.), diesmal begünstigt von einem Verler Abstimmungsdesaster. Dann nahm Berlinski das nächste Gastgeschenk an – 4:4 (64.)! Fünf Tore waren binnen nur 13 Minuten gefallen, in denen die Verteidigungsreihen beider Seiten von allen guten Geistern verlassen waren.

Erst jetzt gönnte sich das Spiel eine kleine Länge, die letzten der insgesamt sieben gelben Karten wurden verteilt. Und obwohl sich keiner mit dem Remis zufrieden gab, wirkte es tief in der Schlussviertelstunde nicht mehr so, als müsste dieses Spektakel auch einen Sieger hervorbringen. Doch dann schlug ein Duo zu, das der FCM in der laufenden Saison nachverpflichtet hatte: Tatsuya Ito spielte den Doppelpass mit Moritz-Broni Kwarteng – und netzte nach 88 verrückten Minuten tatsächlich noch zum 5:4 ein. Ein weiteres Mal hatte sich die so abgedroschene Fußballerweisheit bestätigt: Wer oben steht, der gewinnt solche engen Kisten. Verdient hatte sich das der FCM nach vielen Defensivpatzern nicht, wenige Wochen später durfte es beiden egal sein: Magdeburg machte den Aufstieg eine Woche darauf schon perfekt, und der SC Verl jubelte ebenso über den zweiten Klassenerhalt in Folge.

 

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