Die 3. Liga als Sprungbrett: Wer hat den Durchbruch geschafft?

Nicklas Shipnoski, Jakov Medic, Phillip Tietz, Morris Schröter und Lucas Cueto: Namen wie diese standen in der vergangenen Drittliga-Saison im Fokus. Einmal mehr wurde die Spielklasse ihrem Ruf als Sprungbrett in den höherklassigen Fußball gerecht, mancher Profi suchte die neue Herausforderung. Wie schlagen sich die Leistungsträger der 3. Liga in ihren neuen Ligen? Ein Überblick.

Christiansen in der Bundesliga

Den Großteil der weit über 200 Transfers auf Abgangsseite machten bei den 20 Drittligisten auch in diesem Sommer jene Spieler aus, die ligaintern oder in eine tiefere Klasse wechselten. Der persönliche Aufstieg ist selten und in der Regel nur dem oder den Besten eines überzeugenden Teams vergönnt. Eine Auswahl an Spielern aber hat dies geschafft, und einige unter ihnen sich auch direkt etabliert. Auf diese wollen wir nun schauen – angefangen bei einem, der es direkt bis in die Bundesliga geschafft hat.

Dabei geht es, im Südwesten weiß mancher Bescheid, um Max Christiansen vom SV Waldhof Mannheim. Für ihn interessierte sich Greuther Fürth, und mancher staunte, dass die SGF im 25-Jährigen sofortiges Bundesliga-Potenzial sah. Bislang kommt Christiansen auf 113 Einsatzminuten, verteilt auf vier Einwechslungen. Die Konkurrenz im zentralen Mittelfeld ist aber größer geworden. Von Waldhof waren unterdessen auch andere Spieler begehrt: Marco Schuster (SC Paderborn) und Jan-Hendrik Marx (FC Ingolstadt) kamen in der 2. Bundesliga unter, Arianit Ferati (Fortuna Sittard) in der niederländischen Eredivisie. Während Marx von einer Verletzung und Ferati durch eine Coronavirus-Infektion ausgebremst wurden, ist Schuster im zentralen Mittelfeld des derzeitigen Dritten aus Paderborn fester Bestandteil der ersten Elf – gleiches gilt für den Ex-Saarbrücker Anthony Barylla in Aue.

In aller Munde ist im Unterhaus der Bundesliga allen voran Simon Terodde, führt er doch souverän die Torjägerliste an. Etwas unter geht, dass ihm ein ehemaliger Drittliga-Stürmer folgt: Phillip Tietz, einst bei Jena und zuletzt zwei Jahre in Wiesbaden, schaffte im Vorjahr in 33 Spielen elf Tore. Nun sind es in nur neun Partien bereits acht Treffer für den SV Darmstadt 98, darunter gleich drei Doppelpacks wie zuletzt beim furiosen 6:1 in Sandhausen. Nicht minder überraschend ist die Rolle, die Innenverteidiger Jakov Medic seit seinem Wechsel vom SVWW zum FC St. Pauli einnimmt: Für den Spitzenreiter der 2. Bundesliga stand er in 807 von 810 möglichen Minuten auf dem Spielfeld, ist damit wesentlicher Bestandteil der ligaintern zweitbesten Defensivreihe.

Schröter bei Dynamo fast überall gebraucht

Lucas Cueto hatte zwischen 2017 und 2021 vier Jahre in der 3. Liga absolviert: erst drei in Münster, dann das letzte – und erfolgreichste – bei Viktoria Köln. Dort war er nach Kapitän Mike Wunderlich wohl der zweitprominenteste Abgang im Sommer, den pfeilschnellen Flügelstürmer trieb es zum Karlsruher SC in die zweite Liga. Der Start war vielversprechend, doch nach vier Spielen von Beginn an ging es zuletzt auf die Bank für den 25-Jährigen. Ganz ähnlich ergeht es wenige Kilometer weiter nördlich dem ehemaligen Magdeburger Stammtorhüter Morten Behrens: In Darmstadt stand er nur während des Corona-Notstands zu Saisonbeginn zweimal zwischen den Pfosten, danach nahm ihm die Nummer eins Marcel Schuhen die Rolle wieder ab.

Beim FSV Zwickau war unterdessen Morris Schröter in den vergangenen Jahren eine absolute Konstante, wenn auch nicht für seine Vielseitigkeit bekannt: Trainer Joe Enochs vertraute fast immer auf Schröter als Rechtsaußen – was ja auch gut funktionierte. Nun wechselte der 26-Jährige in die benachbarte Zweitligastadt Dresden, dort kam er in allen neun Punktspielen zum Einsatz. Und das wahlweise als Außenverteidiger, im zentralen Mittelfeld oder zuletzt gar als zweite Spitze. Beim furiosen 3:0 über Werder Bremen gelang ihm sein Tor-Debüt für Dynamo. Ein weiterer Rechtsaußen, Nicklas Shipnoski, hatte für den 1. FC Saarbrücken 25 Scorerpunkte gesammelt. Nun ist er bei Fortuna Düsseldorf allerdings nur Joker für die Schlussminuten – auch der dritte Zweitliga-Anlauf nach Kaiserslautern (2016-2018) und Wiesbaden (2019/20) ist noch ein holpriger.

Sicker ist Stammkraft

Für den MSV Duisburg stand Arne Sicker in einer schwierigen Saison 2020/21 33 Mal auf dem Feld, dann entschied sich der Linksverteidiger für das Engagement beim SV Sandhausen in der 2. Bundesliga. Bislang acht Spiele stehen in der Bilanz, sieben davon von Beginn an. Offensivkraft Ahmet Engin, der den Durchbruch bei den Zebras als Eigengewächs nie so richtig schaffte, ist in der türkischen Süperlig bei Kasimpasa bislang vorrangig als Joker für die Schlussphase gebraucht. Auch die zwei "höherklassigen" Abgänge des SC Verl suchen ihr Glück noch: Lars Ritzka ist beim FC St. Pauli hinten links nur zweite Wahl, Topscorer Aygün Yildirim (Jahn Regensburg) hat seinen Fußbruch nach fast fünf Monaten just erst auskuriert. Carlo Sickinger war derweil beim 1. FC Kaiserslautern vor seinem Wechsel nach Sandhausen vor allem verletzungsbedingt nie dauerhaft einplanbar. Er kommt nun auf vier meist kurze Einsätze für den SV Sandhausen.

Dass dem persönlichen Aufstieg nicht immer eine Topsaison zugrundeliegen muss, zeigt noch ein anderes Beispiel: Vom SV Meppen schaffte etwa Tom Boere nach einer eher unbefriedigenden Zeit in Deutschland (KFC Uerdingen, Türkgücü München, Meppen) mit 28 Jahren nochmals den Sprung in die Eredivisie: In der höchsten Liga seiner niederländischen Heimat ist der Stürmer durch ein früheres Engagement bei Twente Enschede kein Unbekannter, aktuell ist er beim Tabellenneunten Cambuur Leeuwarden gesetzt. Die Bilanz: drei Tore und eine Vorlage in acht Startelf-Einsätzen, allerdings kassierte er auch schon ein 0:9 (!) bei Übermannschaft Ajax Amsterdam. Immerhin dreimal gespielt hat schließlich Verteidiger Marin Sverko, früher in Saarbrücken, für Boeres friesischen Derbyrivalen FC Groningen, der 400.000 Euro für die Dienste des Kroaten bezahlt haben soll.

   
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