DFB-Pokal-Sensation: Die Sportfreunde rannten um ihr Leben

Was für ein Coup der Sportfreunde Lotte! Nach dem 2:1-Sieg über Werder Bremen in der ersten Runde des DFB-Pokals lieferte die Elf um Trainer Ismail Atalan gegen Bayer Leverkusen einen ebenso beeindruckenden Kampf und belohnte sich dafür. Als Vergütung winkt nicht nur ein Millionengewinn für den Verein, sondern eine weitere Pokalschlacht im Achtelfinale.

Spielerische Komponente bleibt nicht auf der Strecke

Es war der wohl stärkste Auftritt der Lotter in der gesamten Spielzeit – noch einmal ein kleines Stückchen besser als der erste Pokalsieg über ein zugegeben kaum bundesligataugliches Werder Bremen. Bayer Leverkusen sollte am Dienstagabend zu einer ganz anderen Nummer mutieren, als Champions League-Teilnehmer hatte die Werkself den Sportfreunden schon ein Jahr zuvor in der ersten Hauptrunde die Grenzen aufgezeigt (3:0). Beim Wiedersehen aber spürten die 8.700 Zuschauer spätestens nach 20 Minuten: Hier geht etwas! Die ersten Angriffe der Gäste hatte Lotte unbeschadet überstanden und spielte sich in der Folge in einen Modus, der selbst einen der ambitioniertesten Bundesligisten an den Rand der Verzweiflung brachte. Jeder SFL-Akteur schien um sein Leben zu rennen, grätschte ohne Rücksicht auf Verluste in den Gegner und eroberte sich nicht selten den Ball. Neben gesunder Aggressivität blieb jedoch auch die spielerische Komponente nicht auf der Strecke: Lotte kombinierte ansehnlich, ließ Leverkusen manches Mal hinterherlaufen.

Leverkusen lässt Lotte immer wieder ins Spiel kommen

Einige Widrigkeiten schienen die SF Lotte dabei überhaupt nicht zu stoppen. Das 1:0 von Bayer 04, erzielt durch Kevin Volland (28.), fiel mehr oder minder unerwartet und hätte für einen frühen Garaus sorgen können. Nach dem Seitenwechsel aber blieben die Köpfe der Gastgeber oben, der frühe Ausgleich durch Roberto Hilberts Eigentor läutete eine bockstarke Phase ein (49.). Selbst der Sieg nach 90 Minuten wäre im Bereich des Möglichen gewesen, ehe der eingewechselte Tim Wendel nach nur 25 Zeigerumdrehungen mit der Gelb-Roten Karte wieder vom Feld musste (78.). Zwar rettete sich Lotte in die Verlängerung, aber nach dem neuerlichen 2:1 durch Volland (95.) sprach endgültig alles für Bayer Leverkusen. Wie diese sich erst noch den Ausgleichstreffer von Kevin Freiberger und schließlich drei verschossene Strafstöße im entscheidenden Elfmeterschießen leisten konnten, das blieb Rätsel von Bayer 04. Den Sportfreunden Lotte war es reichlich egal – das Achtelfinale ist sicher!

Für Keeper Fernandez schließt sich der Kreis

Viel Kraft zum Jubeln blieb den Akteuren nach Abpfiff allerdings nicht. Fast jeder plagte sich mit heftigen Krämpfen herum, jeder war über seine normale Leistungsfähigkeit hinausgegangen. Weil dies auch jeder Zuschauer auf den Rängen bemerkte, geriet der Pokalerfolg des sympathischen Underdogs völlig verdient – ganz Fußballdeutschland und selbst Teile des Leverkusener Anhangs gönnten es Lotte einfach. Keeper Benedikt Fernandez rang nach Abpfiff um Fassung: "Ich weiß kaum, was ich nun sagen soll. Ich habe viele Jahre in Leverkusen verbracht – ein Stück weit schließt sich nun der Kreis.“ Er hatte den Elfmeter vom Brasilianer Wendell entschärft und so Luka Tankulic die Möglichkeit gegeben, den entscheidenden Strafstoß zum 6:5-Endstand einzunetzen. "Jetzt kann kommen, wer will“, stellte Fernandez klar, würde sich aber besonders über einen Gegner freuen: "Der Hamburger SV mit meinem alten Kollegen und Freund René Adler würde nun passen.“

Gegen einen machbaren Gegner ins Viertelfinale stürmen

Die Auslosung dürften die SF Lotte dann am heutigen Abend im Mannschaftsverbund schauen, ohnehin ist der Gegner spätestens nach der neuerlichen Sensation eher zweitrangig. Schlagen können die Sportfreunde Lotte in dieser Verfassung nahezu jeden. Torschütze Kevin Freiberger würde im Übrigen gerne gegen Arminia Bielefeld antreten würde – ein allemal machbarer Gegner aus der 2. Bundesliga. Nachdem Lotte nun bereits derart weit gekommen ist, ist Träumen ohnehin erlaubt. Ein weiterer Pokalsieg würde neben dem Viertelfinale den bereits feststehenden Gewinn im Millionenbereich abermals verdoppeln. So gerät die spektakuläre Pokalstory für den Verein vom Autobahnkreuz auch noch unglaublich lukrativ.

 

 
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