5. April 2018 um 15:10 Uhr

Das Restprogramm der vier Spitzenteams im Check

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Nach 32 Spieltagen in der 3. Liga hat sich eine Konstellation mit Seltenheitswert ergeben: Fast alle Mannschaften haben Planungssicherheit. Der Abstiegskampf ist de facto entschieden – das gab es in zehn Jahren dieser Spielklasse zu einem derart frühen Zeitpunkt noch nicht. Und auch an der Spitze hat sich das Bewerberfeld deutlich verkleinert. Ein Quartett kämpft mit unterschiedlichen Ausgangslagen um den Aufstieg in die 2. Bundesliga. liga3-online.de analysiert den aktuellen Stand, das Restprogramm und die Aufstiegschance aller Teams.

Ob dem SC Paderborn ein jeder diesen Aufstieg gönnen wird? Ihm wird es egal sein, wenn er den Darmstädter Weg anno 2014 gehen wird: Am grünen Tisch in der Liga bleiben und im Folgejahr aufsteigen. Rein sportlich gibt es daran mal überhaupt keine Zweifel, selten hat ein Drittligist attraktiveren Fußball gezeigt als Paderborn unter Steffen Baumgart. Jüngster Beweis: Das 5:0 über den VfR Aalen. Was für eine Zeremonie, was für ein Gaumenschmaus.

Das Restprogramm:

  • Carl Zeiss Jena (H)
  • VfL Osnabrück (A)
  • Unterhaching (H)
  • Karlsruhe (A)
  • Wehen Wiesbaden (H)
  • Fortuna Köln (A)

Einschätzung: 10-12 Punkte

Fazit: Ganz leicht ist es nicht, was Paderborn noch bespielen muss. Jena kennt der SCP beispielsweise aus dem Hinspiel noch gut, Unterhaching und Fortuna Köln sind spielerisch zumindest keine Lichtjahre entfernt. Wie jeder aus dem Quartett hat auch der Sportclub zudem zwei Spitzenspiele vor sich. Gewinnt er eines davon, ist ihm die 2. Bundesliga kaum zu nehmen. Denn aus den restlichen vier Partien sollte die Baumgart-Elf ohne Probleme sieben, acht, neun Zähler herausholen können. Was Magdeburg sich in drei Jahren hart erarbeitet hat, hat Paderborn in einem Jahr auf die Beine gestellt – aber durch herausragende Leistungen den Aufstieg, sofern er eintritt, nicht minder verdient.

 

Sieben statt sechs Mal darf Magdeburg noch ran. Die Ausgangsposition ist in diesem Jahr verdächtig gut: Zwei Punkte Vorsprung, ein zusätzliches Spiel in der Reserve. Dreier wie der 1:0-Auswärtssieg bei starken Hachingern lassen das Selbstvertrauen weiter anwachsen. Der FCM weiß: Mit Ruhe und Geduld lässt sich in der 3. Liga vieles regeln, zudem ist das Momentum auf unserer Seite – und irgendwie haben wir es nach zwei erfolglosen Anläufen auch einfach verdient. By the way: Die 64 Punkte, die Magdeburg nach 31 Spielen angesammelt hat, hätten 2017 bereits für die Relegation genügt…

Das Restprogramm:

  • Karlsruher SC (H)
  • Wiesbaden (A)
  • Carl Zeiss Jena (A)
  • Fortuna Köln (H)
  • Hallescher FC (A)
  • Chemnitzer FC (H)
  • Sportfreunde Lotte (A)

Einschätzung: 12-14 Punkte

Fazit: Erst Spitzenspiele, dann Pflichtsiege – das hat der FCM vor sich. Gewinnt man die ersten beiden Duelle, sind die Elbestädter so gut wie durch. Klappt es nicht, muss Pflicht statt Kür her. Unangenehm: Erzrivale HFC könnte Magdeburg in die Suppe spucken, allerdings auch als gastgebender Ort für eine skurrile Aufstiegsfeier herhalten. Denn auch zum Ligaspiel wird die Fanszene des FCM, für die das Derby seit dem Tod eines Anhängers kein wirkliches mehr ist, nicht anreisen.

Freilich würde sich das ganze Umfeld mehr über einen Aufstieg im eigenen Stadion freuen. Oder aber vielleicht mit einer Reise nach Lotte, begleitet von mehr als 6.000 Schlachtenbummlern? Kurzum: Magdeburg hat alle Trümpfe in der Hand. Dieses Jahr muss es, dieses Jahr wird es klappen.

 

Obwohl Paderborn dem SVWW am vergangenen Wochenende fünf (!) Tore abgenommen hat, hat die Elf von Rüdiger Rehm noch die beste Offensive – nun eben gemeinsam mit dem SCP, und zwar stolze 69 Tore, mehr als zwei pro Spiel. Hilft nur alles nichts, wenn Schlüsselspiele wie das gegen Würzburg verloren gehen. War es die kräftezehrende Englische Woche inklusive Aufholjagd in Chemnitz? Statt Teil eines Spitzentrios zu sein, ist Wiesbaden "nur" Verfolger. Wird aber gleichzeitig von Karlsruhe gejagt und könnte am Ende den undankbaren Vierten belegen.

Das Restprogramm:

  • Preußen Münster (A)
  • 1. FC Magdeburg (H)
  • Hansa Rostock (A)
  • FSV Zwickau (H)
  • SC Paderborn (A)
  • VfR Aalen (H)

Einschätzung: 8-10 Punkte

Fazit: Dieses Programm hat es in sich! Drei Auswärtsspiele, die in ihrer Schwierigkeit kontinuierlich ansteigen – dazu Heimspiele gegen ein Spitzenteam und zwei Wundertüten. Der SV Wehen Wiesbaden wird kein Spiel mehr im Schongang gewinnen, muss aber ab sofort Kräfte konservieren. Zu stark ist Rehm abhängig von einer eingespielten Elf um Schäffler, Andrist, Ruprecht und Mockenhaupt, als dass er nun noch groß rotieren könnte.

Für Neutrale ein Spektakel werden die Duelle mit Magdeburg und Paderborn. Will Wiesbaden einen der beiden Clubs einholen, muss dieser im direkten Vergleich besiegt werden. Durch das schwere Programm ist die Gefahr, als Vierter einzulaufen, jedoch groß.

 

Als der SV Wehen Wiesbaden sein Heimspiel gegen Würzburg mit 0:2 verloren hatte, da jubelte man im Wildpark umso mehr. Das 0:0-Remis beim gleichen Gegner vor Wochenfrist war wohl doch nicht so übel, schmunzelten die Anhänger nach einem lockeren 3:0-Erfolg über Preußen Münster, bei dem der Gegner aber Mithilfe leistete und Karlsruhe nicht so zweitligatauglich spielte, wie es das nackte Ergebnis aussagt. Dem KSC ist es egal. Zumindest der Relegationsplatz ist nahe.

Das Restprogramm:

  • Magdeburg (A)
  • Hansa Rostock (H)
  • Zwickau (A)
  • SC Paderborn (H)
  • VfR Aalen (A)
  • Carl Zeiss Jena (H)

Einschätzung: 10-13 Punkte

Fazit: Karlsruhe ist mit seinem gesunden Mix im Kader geschaffen für einen Endspurt. Erfahrene Recken wie Daniel Gordon oder Kai Bülow beruhigen die Jungen und Wilden, schwören sie ein – hungrig aber sind sie alle. Das bringt mindestens einen Sieg in den Kracherspielen gegen Magdeburg und Paderborn, dazu werden Rostock und Jena im Wildpark geschlagen. Zwickau und Aalen sind auswärts knifflig, anders als etwa Paderborn dürfte der KSC nicht mit fünf eigenen Treffern über die Ostalb spazieren. Zehn bis dreizehn Zähler sind realistisch, der dritte Rang damit möglich.

 

 

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