Das Chaos bei Rot-Weiß Erfurt in der Chronologie

Seit Wochen regiert beim FC Rot-Weiß Erfurt hinter den Kulissen das Chaos – und nimmt fast täglich größere Formen an. liga3-online.de wirft einen ausführlichen Blick zurück und fasst alle Ereignisse zusammen.

[box type="info" size="large"]Krämer wird beurlaubt[/box]

2. Oktober: Alles beginnt mit der Entlassung von Trainer Stefan Krämer, die Präsident Rolf Rombach offenbar fast im Alleingang durchsetzt. Mehrere Aufsichtsratsmitglieder, darunter Frank Nowag, erklären später, gegen die Entlassung gewesen zu sein.

10. Oktober: RWE kündigt den Mietvertrag für das Steigerwaldstadion, weil sich die Miete in der kommenden Saison sonst automatisch auf etwa 400.000 Euro erhöht hätte. Zu viel für die Thüringer. Ende Oktober handelt RWE einen neuen Mietvertrag aus und erreicht, dass die Miete nicht ansteigt.

16. Oktober: Vize-Präsident Thomas Kalt erklärt seinen Rücktritt – wegen internen Unstimmigkeiten.

18. Oktober: Der Aufsichtsrat sagt eine für den 4. November geplante außerordentliche Mitgliederversammlung zum Thema "Chancen und Möglichkeiten einer Ausgliederung der Profiabteilung" ab.

20. Oktober: Präsident Rolf Rombach setzt die abgesagte Mitgliederversammlung wieder an. Die Ansetzung Anfang November sei eine bewusste Entscheidung gewesen, "um nicht noch länger zu warten", so Rombach. Außerdem sei eine Absage der Mitgliederversammlung durch den Aufsichtsrat laut Paragraf 11 der Satzung nicht möglich. Der Machtkampf, der später eskalieren sollte, bahnt sich an.

 

[box type="info" size="large"]Das Hin und Her um Rolf Rombach[/box]

1. November: Der Aufsichtsrat ruft Präsident Rolf Rombach ab – per Fax und ohne Nennung von Gründen. Das Präsidium kündigt an, das Vorgehen des Aufsichtsrats umgehend gerichtlich überprüfen zu lassen.

2. November: Auf einer Pressekonferenz wird Aufsichtsratsmitglied Frank Nowag zum Interimspräsidenten ernannt. Dieser erklärt den Grund für die Absetzung von Rombach: "Der Steu­er­be­ra­ter hatte klar die An­wei­sung, uns Un­ter­la­gen zur wirtschaftlichen Situation des Vereins nicht aus­zu­hän­di­gen. Wir konn­ten un­se­re Kon­troll­funk­ti­on nicht mehr wahr­neh­men." Die von Rombach wieder angesetzte außerordentliche Mitgliederversammlung wird erneut abgesagt.

3. November: Auch Ex-Präsident Rolf Rombach lädt zu einer Pressekonferenz, sieht sich als Opfer einer Intrige und erklärt: "Der Aufsichtsrat hat Unterlagen von mir zugesandt bekommen, mit dem Hinweis, dass zunächst die Unterlagen für die Zwischenlizenzierung bis zum 31. Oktober im Vordergrund stehen würden. Alle restlichen Unterlagen, wie Abschlüsse des Wirtschaftsprüfers, Sponsorenverträge, Mitarbeiterverträge und Mietverträge seien in der Geschäftsstelle des Vereins einzusehen gewesen."

4. November: Überraschende Wende: Nach einer Sitzung von Aufsichtsrat, Präsidium und Ehrenrat wird Rolf Rombach wieder zum Präsidenten ernannt. Die Vorwürfe gegen Rombach seien in "sachlicher und konstruktiver Atmosphäre" ausgeräumt worden, heißt es. Nowag wird Vizepräsident.

7. November: Vizepräsident Frank Nowag sucht erstmals den Weg in die Öffentlichkeit und verkündet einen Schuldenstand von "mindestens 6,5 Millionen Euro". Damit widerspricht er Rombach, der zuvor von einer Überschuldung in Höhe von 5,5 Millionen Euro gesprochen hatte.

8. November: Die "Bild" berichtet von Mietrückständen beim Steigerwaldstadion. Für mehrere Partien soll RWE noch keine Miete an die Arena-GmbH gezahlt haben. Zudem wird bekannt, dass die Thüringer auch den Caterer nicht mehr pünktlich bezahlen kann.

9. November: Die erst vor zwei Wochen ins Amt berufenen Präsidiumsmitglieder Dr. Claus Worschech und Sandro Günther treten zurück – offiziell, weil sie ihre Aufgabe als "vorzeitig erfüllt" sahen.

10. November: Es kommt zum großen Knall. Um 14:12 Uhr verkündet Rolf Rombach, seinen Rücktritt – nur sechs Tage nach seiner Rückkehr. Als Grund führt Rombach den Umgang der Führungsgremien mit seiner Person an und nennt konkret Aufsichtsratschef Dr. Peter Kästner und Vizepräsident Frank Nowag, die "bewusst falsche Zahlen zum Schuldenstand" veröffentlicht hätten. Rombach sieht sich "getäuscht und benutzt" und verabschiedet sich unter Tränen.

 

[box type="info" size="large"]RWE kann Spielergehälter nicht pünktlich zahlen[/box]

11. November: Nowag, der jetzt Präsident ist, widerspricht Rombach erneut und betont, der Schuldenstand würde mehr als 6,5 Millionen Euro betragen. Rombach sprach einen Tag zuvor abermals von 5,5 Millionen Euro.

13. November: Nowag korrigiert den Schuldenstand weiter nach oben und spricht jetzt von 6,8 Millionen Euro. Mit einem Schuldenschnitt soll eine Insolvenz verhindert werden.

15. November: RWE kann die aktuellen Spielergehälter nicht pünktlich zahlen, weil das Präsidium keinen Zugriff auf die Vereinskonten hat. Zudem sind die Arbeitsverträge nicht auffindbar.  Frank Nowag kündigt in einer Pressemitteilung an, die Gelder zusammen mit Aufsichtsratschef Peter Kästner auslegen zu wollen.

15. November: Geschäftsstellenleiter Konstantin Krause wird aufgrund von "unüberbrückbaren Differenzen" und einem "gestörten Verhältnis in der Zusammenarbeit" mit sofortiger Wirkung entlassen. Nowag beschuldigt ihn, die Herausgabe notwendiger Dokumente verwehrt zu haben. Krause weist die Vorwürfe zurück. Unterdessen tritt Steuerberater Ralf Krings von seinem Mandat zurück.

16. November: Mitarbeiter des Vereins wollen einen Betriebsrat gründen. Brisant: Auch Ex-Geschäftsstellenleiter Konstantin Krause unterstützt die Initiative. Derweil meldet sich Ex-Präsident Rolf Rombach zu Wort und zeigt sich verwundert, dass RWE keinen Zugriff auf die Vereinskonten habe. "Wir hätten jederzeit eine Übergabe machen können; natürlich auch, was den Zugriff auf die Konten betrifft. Von mir aus gibt es nichts zu verheimlichen."

17. November: Eine Rückkehr von Stefan Krämer steht im Raum. Es finden Gespräche statt, allerdings kann man sich aufgrund der unsicheren finanziellen Situation des Vereins nicht auf eine erneute Zusammenarbeit einigen, so die "Bild".

17. November: RWE hat wieder Zugriff auf die Konten. Nowag kritisiert unterdessen Ex-Boss Rolf Rombach und seine Unterstützer.

 

[box type="info" size="large"]Emmerling folgt auf Bergner – Traub muss gehen[/box]

20. November: Trainer David Bergner wird freigestellt, Stefan Emmerling übernimmt.

21. November: Manager Torsten Traub wird beurlaubt. Wie Präsident Frank Nowag mitteilt, sei man zu dem Entschluss gekommen, "in der sportlichen Neuausrichtung des Vereins getrennte Wege" gehen zu wollen.

23. November: Während die Spielergehälter mittlerweile überwiesen wurden, warten noch etwa 50 Mitarbeiter auf ihr aktuelles Gehalt. Der beurlaubte Geschäftsstellenleiter Konstantin Krause erhält unterdessen ein Hausverbot.

24. November: RWE kann die Miete für die Geschäftsstelle (4.000 Euro im Monat) nicht mehr zahlen und befindet sich bereits seit vier Monaten im Rückstand. Der Eigentümer droht, den Vertrag zu kündigen, RWE will in die Räumlichkeiten von Sponsor KeyWeb ziehen – dort ist Nowag Vorstandsvorsitzender. Die zuletzt noch ausstehenden Gehälter sind unterdessen fast vollständig gezahlt worden.

 

[box type="info" size="large"]"Finanzlage dramatisch" – Mitgliederversammlung wird abgesagt[/box]

28. November: Nowag gibt einen ausführlichen Einblick in die finanzielle Lage des Vereins und bezeichnet sie als "weiterhin dramatisch". Zudem stellt der Präsident fest, das RWE "quasi in allen Bereichen nicht unerhebliche Außenstände habe" – selbst bei Borussia Dortmund, der Telekom, dem Arena-Reinigungsunternehmen, der Security sowie beim Mannschaftsbus-Unternehmen. Auch dem Stadion-Caterer schuldet RWE 60.000 Euro.

29. November: Aufsichtsratschef Peter Kästner sagt die für den 1. Dezember terminierte Mitgliederversammlung ab. Demnach sei nicht klar, welche Personen derzeit Mitglieder des Vereins sind. Offenbar sollen rund 500 Mitglieder mit den Beiträgen im Rückstand sein (teilweise länger als sechs Monate), sodass RWE 32.000 Euro fehlen. Viele Aufnahmeanträge konnten noch nicht bearbeitet werden, laut Kästner habe das Präsidium im letzten Jahr über keine einzige Mitgliederaufnahme entschieden. Kästner befürchtet daher, dass eine ordnungsgemäße Stimmenauszählung nicht möglich sei.

Außerdem könne das Präsidium "in der derzeitigen Situation" weder über die wirtschaftliche Lage des Vereins noch über dessen Zukunftsaussichten verlässlich informieren, so Kästner. Das Problem: RWE hat weiterhin keinen Zugriff auf das Hauptkonto des Vereins, das in Form eines Treuhandkontos noch von Ex-Präsident Rolf Rombach verwaltet wird. RWE ist somit darauf angewiesen, dass Rombach Geld überweist. Momentan hat der Verein jedoch schlicht kein Geld, um die anfallenden Kosten für die Mitgliederversammlung zu zahlen, da bereits einen Tag später das Heimspiel gegen Meppen ansteht. Und das habe Priorität. Ferner habe der bestellte Wirtschaftsprüfer noch immer nicht alle notwendigen Unterlagen, etwa Arbeits- und Sponsorenverträge, vorliegen.

   
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