Auflösung der Regionalliga Bayern? BFV kontert Seitz-Forderung
Mit deutlichen Worten hatte Wiesbaden-Coach Jochen Seitz zu Beginn der Woche eine Auflösung der Regionalliga Bayern gefordert und dabei scharf gegen den Bayerischen Fußball-Verband (BFV) geschossen. Dieser konterte die Aussagen des 50-Jährigen nun.
"Lieber Jochen Seitz, ja, die Emotion …"
Als "absolute Unverschämtheit" hatte Seitz es bezeichnet, dass der BFV mit allen Mitteln an seiner Regionalliga festhalten will. "Was soll das? Ich verstehe es nicht! Teilweise gibt es dort Stadien, die überhaupt nicht regionalligatauglich sind. Das ist ungerecht gegenüber allen anderen, vor allem dem Nordost, der so viele tolle Stadien und Fans hat, die in die 3. Liga gehören." Klare Worte, die der BFV nicht unkommentiert lässt.
In einem Kommentar unter dem Instagram-Post von "MagentaSport" schrieb der Verband: "Lieber Jochen Seitz, ja, die Emotion … für uns in der Tat unbegreiflich, dass Sie es 137 (!!) Spiele lang als Trainer an der Seitenlinie in der Regionalliga Bayern ausgehalten haben. In einer Spielklasse, die Ihnen vielleicht etwas gegeben, womöglich auch den Weg zu Höherem geebnet hat – und die Sie jetzt abschaffen möchten, wo Sie nicht mehr da sind, aber noch schwer damit zu tragen haben, gegen einen Klub dieser sportlich unbedeutenden Liga eine schmerzliche Niederlage bezogen zu haben."
Zwischen 2016 und 2023 stand Seitz bei Viktoria Aschaffenburg an der Seitenlinie, führte den Klub 2018 zum Aufstieg in die Regionalliga und dort bis zu seinem Abschied jeweils zum Klassenerhalt. 2024 folgte der Wechsel zu Lok Leipzig, mit denen er zweimal in den Aufstiegsspielen zur 3. Liga scheiterte – zuletzt gegen die Würzburger Kickers, worauf auch der BFV anspielt.
Seitenhieb gegen den SVWW
Weiter schreibt der Verband: "Wir nehmen Ihnen das nicht krumm, weil Fußball ja von Emotion lebt und wir diese Emotion lieben. Und da passt es ja perfekt ins Bild, dass Sie Zahl der Zuschauerinnen und Zuschauer als maßgeblich bezeichnen." Gefühlt möge das so sein, jedoch werde am Ende nach wie vor nach Punkten und Toren abgerechnet. "Fakten entscheiden Aufstiege, Ergebnisse eben. Und weil wir Fakten fast so gerne wie Emotionen haben, wollen wir an dieser Stelle festhalten, dass jüngst aus der Regionalliga Bayern nicht mehr, aber auch nicht weniger Klubs einen Lizenzantrag für die 3. Liga gestellt hatten als im Nordosten. Das haben Sie bei all der Emotion schlicht vergessen. Nicht tragisch."
In der Tat hatten im vergangenen März mit Unterhaching, Würzburg, Bayern II und Burghausen zunächst vier Klubs aus der Bayern-Staffel die Zulassung zur 3. Liga beantragt, während es aus dem Nordosten mit Lok, Jena und Erfurt nur deren drei waren. Allerdings zog Unterhaching seinen Antrag später wieder zurück. Auch, dass Seitz nicht auf die sportliche Bilanz der Klubs aus der Regionalliga Bayern in den Aufstiegsspielen einging, kritisiert der BFV. Seit 2013 setzten sich sieben der elf Teilnehmer aus Bayern in den Aufstiegsspielen durch. Aus der Nordost-Staffel waren es fünf von elf Klubs.
"Nix für ungut. Sie sind ja ohnehin nicht mehr da, in dieser vierten Liga. Sie sind jetzt eine Etage höher daheim", schreibt der BFV weiter. "Glücklicherweise wird in der 3. Liga am Ende die Tabelle entscheiden und nicht die Zuschauerzahlen. Wir müssten uns sonst ernsthaft Sorgen machen, dass irgendeiner aus purer Emotion auf die Idee käme, den von Ihnen aktuell trainierten SV Wehen Wiesbaden – aktuell Tabellen-14. des Publikums-Rankings – absteigen lassen zu wollen. In diesem Sinne, passen Sie gut auf sich auf!" Noch scheint das letzte Wort in der Diskussion um die Regionalliga-Reform nicht gesprochen.