Analyse: So lief der Winter-Transfermarkt in der 3. Liga

Die einen finden es schade, die anderen pusten erleichtert durch: Das Winter-Transferfenster ist in Deutschland seit Dienstagabend geschlossen, bis zum Saisonende bleiben die Kader der 20 Drittligisten unverändert. Wer nutzte den Winter für umfassende Korrekturen und welche Spieler stehen nun im Fokus? Zeit für eine Analyse.

Transfermarkt in Zahlen

Immerhin 71 Profis wechselten unter Beteiligung mindestens eines Drittligisten den Klub: 41 verließen die Klubs und in den meisten Fällen auch die Liga, 30 kamen neu hinzu. Insgesamt kommt die 3. Liga in dieser Saison damit auf 568 Transferbewegungen, die sich in 297 Abgänge und 272 Zugänge aufteilen. Ganz endgültig müssen diese Zahlen allerdings noch nicht sein, denn wollen Spieler in andere Länder mit länger geöffnetem Transferfenster wechseln, so ist dies auch in den kommenden Tagen noch möglich.

Die teuersten Transfers

Um Vertragsdetails wie Ablösesummen wird auch in der 3. Liga ein immer größeres Geheimnis gemacht. Klar ist aber, dass längst nicht jeder Transfer in die ablösefreie Kategorie fällt. So zahlte etwa die Reserve von Borussia Dortmund zweimal einen niedrigen sechsstelligen Betrag, um sich mit den Stürmern Moses Otuali (20, HSV II) und Cyrill Akono (23, SC Verl) zu verstärken. Verl soll rund 150.000 Euro verdient haben. Ihrerseits nahm die BVB-Reserve einen ähnlich hohen Betrag durch den Verkauf von Offensivmann Moritz Broschinski an den VfL Bochum ein. "Bestverdiener" wurde Rot-Weiss Essen, das gut 300.000 Euro für Kapitän und Abwehrchef Daniel Heber (28, ging zum 1. FC Magdeburg) einnahm.

Unklar ist die Lage bei anderen Geschäften. Der SV Meppen dürfte eine eher fünfstellige Summe für Regionalliga-Stürmer Marek Janssen (25, BW Lohne) bezahlt haben, die Rückkehr von Innenverteidiger Michael Schultz zur Viktoria aus Köln (30, Eintracht Braunschweig) etwas höher liegen – alles ist spekulativ. Auch der fliegende Wechsel von Abwehrmann Nico Antonitsch zwischen den Aufstiegskandidaten Ingolstadt und Elversberg dürfte für Spitzenreiter SVE nicht gratis gewesen sein. Und Dynamo Dresden eiste Jakob Lemmer von Regionalligist Offenbach los, auch der Flügelspieler soll eine kleine sechsstellige Summe gekostet haben.

Die meisten Zu- und Abgänge

Neben den schon genannten Transfers ereigneten sich noch vier weitere Bewegungen an der Strobelallee – und alle auf Abgangsseite: Nicht nur Jayden Braaf, der sein Talent in Dortmund verschenkte und nun an Hellas Verona ausgeliehen wurde, ist gegangen. Auch der zweite Niederländer Valentino Vermeulen ist schon wieder weg, wechselte zu Willem II Tilburg. Isländer Kolbeinn Finnsson ging nach Dänemark (Lyngby), Marco Hober zurück in die ostwestfälische Heimat zum SV Rödinghausen. Macht aufaddiert insgesamt sieben Winterwechsel.

Das überbieten kann nur der Verler Sportclub – vorrangig durch Abgänge. Verabschiedet wurden neben Cyrill Akono noch einige Talente (Wladimir Wagner, Koray Dag, Nick Otto, Dominik Klann, Presley Pululu), die drei Letztgenannten per Leihe. Der etwas bekanntere Ex-Löwe Aaron Berzel löste seinen Vertrag auf und wechselte zu RW Oberhausen. Auf der anderen Seite kamen mit Oliver Batista Meier und Stijn Meijer zwei Neue.

Nur beim MSV Duisburg und dem FC Ingolstadt tat sich im vergangenen Monat auf Zugangsseite nichts. Überhaupt blieb der Kader fast identisch, denn Ingolstadt verabschiedete wie erwähnt einzig Verteidiger Antonitsch, die Zebras den perspektivlosen Gordon Wild (1. FC Bochholt). Keine Abgänge gab es dagegen beim Halleschen FC, dem 1. FC Saarbrücken und Waldhof Mannheim.

Die Königstransfers

Klar: Raphael Holzhauser, der mit einem siebenstelligen Marktwert aus dem belgischen Löwen leihweise zu den Münchner Löwen  wechselte, ist der Star dieses Winters. Und wurde diesen Vorschusslorbeeren mit einem raschen Tor gegen Zwickau zumindest schon in Teilen gerecht. Das Aufrüsten im Aufstiegskampf hielt sich ansonsten arg in Grenzen: Thomas Pledl hat sich mit einem Traumtor beim SV Waldhof schon gut eingefügt, von Last-Minute-Rückkehr Kevin Broll wird beim derzeit aufstrebenden Dynamo Dresden die schnelle Rolle als Stammkeeper erwartet.

Ergebnistechnisch noch keine Früchte trug dagegen die Rückkehr des "verlorenen Sohnes" Mike Wunderlich zu Viktoria Köln, das trotz des 36-Jährigen in der Startelf alle drei Rückrundenspiele verlor. Andere alte Haudegen haben die ersten Arbeitsnachweise noch vor sich: Innenverteidiger Bruno Soares nimmt beim SV Meppen einen zweiten Drittliga-Anlauf, nachdem der Brasilianer 2021 in Saarbrücken aufgrund eines unklaren Aufenthaltsstatus nie ein Spiel absolvierte. Und Nik Omladic, der für Braunschweig, Fürth und Rostock lange in der Zweitklassigkeit spielte, soll den Halleschen FC nun vor dem Fall in die Regionalliga bewahren. Kampf und Körpersprache hat der feine Techniker jedenfalls schon angekündigt.

   

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