"Das ist dann schon klasse": RWE erspielt sich besondere Belohnung
Rot-Weiss Essen bleibt in der Erfolgsspur. Mit dem 1:0 im Westschlager gegen Alemannia Aachen feierte die Mannschaft von Uwe Koschinat den dritten Zu-null-Sieg in Folge und behauptet sich in der Verfolgergruppe hinter Viktoria Köln und dem MSV Duisburg. Trotz erheblicher Personalprobleme verdienten sich die Essener neben drei weiteren Punkten auch eine besondere Belohnung.
"Mit dieser Personalmisere" sechs Punkte geholt
Die besondere Belohnung wurde unmittelbar nach Abpfiff zum Thema. Auf Nachfrage von "MagentaSport" bestätigte Siegtorschütze Dickson Abiama, dass Trainer Uwe Koschinat der Mannschaft vier freie Tage gewährt hatte. Doch die Auszeit war keineswegs spontan beschlossen worden. Koschinat erläuterte wenig später, man habe bereits "sehr, sehr frühzeitig" darüber gesprochen, dass sich die Spieler je nach Erfolg zwei, drei oder sogar vier freie Tage erspielen könnten.
Mit den beiden jüngsten Siegen hatte RWE nun die maximale Belohnung erreicht. Besonders bemerkenswert fand Koschinat dies angesichts der erheblichen Personalprobleme. "Wenn am Ende mit dieser Personalmisere dann trotzdem wieder sechs Punkte zu holen, ist schon klasse", lobte der Coach.
In der anschließenden Pressekonferenz unterstrich Koschinat, wie wichtig die Erholung für seine stark beanspruchten Spieler sei. Viele Akteure hätten zuletzt unter hoher Belastung gestanden und dennoch abgeliefert. "Das haben wir vorher ganz klar verabredet", bekräftigte er. Nach der Auszeit müsse sich die Mannschaft allerdings schnell wieder konzentriert auf das bevorstehende Pokalspiel vorbereiten.
"Entweder der Ball geht aufs Dach oder ins Tor"
Den entscheidenden Treffer hatte erneut Abiama erzielt. Wie schon in der Vorwoche sorgte der Offensivspieler für das 1:0, diesmal bereits in der fünften Minute mit einem sehenswerten Direktabschluss. "Ich habe zu mir gesagt, ich muss auf jeden Fall direkt schießen", schilderte er die Szene. Das Risiko war ihm bewusst: "Entweder er geht aufs Dach oder ins Tor." Diesmal landete der Ball im Netz.
Am Selbstvertrauen habe es ihm allerdings nie gefehlt. "Es war schon immer da, aber die ganze Zeit ging der Ball nicht ins Tor", erklärte Abiama. Koschinat sieht in den jüngsten Treffern dennoch einen zusätzlichen Schub. Neben den spektakulären Abschlüssen hob er in der Pressekonferenz vor allem Abiamas Bereitschaft hervor, auch im Pressing konsequent mitzuarbeiten. Für den Trainer bildet diese Arbeit die Grundlage, damit der Angreifer seine technischen Fähigkeiten ausspielen kann. Dessen Mut zum Abschluss sei ohnehin "ganz klar eine Waffe".
Koschinat auch mit Kritikpunkten
Bei aller Freude über den Erfolg sah Koschinat durchaus Verbesserungsbedarf. Besonders in der ersten Halbzeit habe Essen im Zentrum Schwierigkeiten gehabt, zweite Bälle zu gewinnen. Die Alemannia sei dort gut positioniert gewesen. Nach Anpassungen in der Pause habe RWE die Partie besser in den Griff bekommen. Vor allem nach der Gelb-Roten Karte gegen Aachens Louis Köster (65.) hätte die Entscheidung fallen müssen. Es habe mehrere Situationen gegeben, "wo wir das Spiel definitiv zumachen müssen", bemängelte Koschinat.
Stattdessen zog sich Essen in Überzahl zeitweise zu weit zurück. Unnötige Fouls ermöglichten den Gästen zudem gefährliche Standardsituationen. Ein später Ausgleich hätte sich angesichts der langen Führung und Überzahl wie eine Niederlage angefühlt. Entsprechend "sehr erleichtert" zeigte sich Koschinat nach Abpfiff.
"Irgendwann ist das auch kein Zufall mehr"
Gleichzeitig sieht er in den wiederholten knappen Erfolgen eine gewachsene Qualität seiner Mannschaft. Die intensive Defensivarbeit und das konsequente Verteidigen hätten sich zuletzt ausgezahlt. Wenn solche Siege mehrfach hintereinander gelingen, sei das "irgendwann auch kein Zufall mehr". Am 15. November (15 Uhr) wartet das Viertelfinale im Niederrheinpokal beim Oberligisten Ratingen 04/19. In der Liga gastiert RWE am 21. November (14 Uhr) beim SC Verl. Dort gilt es, die defensive Stabilität erneut unter Beweis zu stellen und die Siegesserie auszubauen.