Viktoria setzt Ausrufezeichen: "Wahnsinn, was die Jungs machen"
Mit dem 5:3 im Topspiel gegen den 1. FC Saarbrücken hat Viktoria Köln nicht nur die Tabellenführung gefestigt, sondern auch ein Ausrufezeichen gesetzt. Zumal auch ein historischer Torrekord eingestellt wurde. Trainer Marian Wilhelm zeigte sich im Nachgang beeindruckt. Und das nicht aufgrund der Leistung in der ersten Halbzeit, sondern auch wegen der Art, wie sein Team mit Rückschlägen umging.
"Großen Respekt verdient"
Eigentlich war das Duell nach Toren von Duman (15.), Castelle (19.) und Wolf (35.) bereits zur Pause entschieden, doch dann machten die Kölner die Partie mit zwei Patzern zu Beginn des zweiten Durchgangs, die jeweils zu Gegentoren führten (62. / 64.) wieder spannend. Das Spiel drohte in dieser Phase zu kippen, die Viktoria fiel aber nicht, sondern schlug ihrerseits durch Otto (69.) zurück und machte mit 5:2 durch Swider (86.) schließlich endgültig alles klar – auch dank einer gelb-roten Karte gegen Brünker (72.).
"Die Art und Weise, wie die Jungs mit der sehr stressigen Phase umgegangen sind und diese abgeschüttelt haben, da haben die Jungs echt großen Respekt verdient", sagte Trainer Marian Wilhelm im Nachgang bei "MagentaSport". Der 38-Jährige sprach von "Flüchtigkeitsfehlern, die uns so nicht passieren dürfen". Dass seine Mannschaft den Ball gleich zweimal leichtfertig durch zu kurze Pässe am eigenen Strafraum herschenkte, erklärte Wilhelm nicht mit einer riskanten Spielweise, sondern mit einem Kopfproblem. "Da kommen wir ins Grübeln und merken, dass wir eine junge Mannschaft sind. Da bin ich echt stolz."
Historischen Torrekord eingestellt
David Otto führte die Gegentore auch auf den Spielstil der Viktoria zurück, schließlich liege es in der DNA, die Partie über ein Kurzpassspiel von hinten aufzubauen. "Es gehört zu unserem Spiel dazu. Dann ist es klar, dass daraus mal ein Tor entstehen kann." Natürlich müsse darüber geredet werden, dass es dann gleich zwei Fehler sind. "Aber wenn wir so spielen, muss man auch mal akzeptieren, so ein Gegentor zu bekommen. Wichtig ist, dass wir uns gut gefangen und das Spiel am Ende doch gezogen haben."
Dass die drei Gegentreffer am Ende nicht schwerer ins Gewicht fielen, lag einmal mehr an der starken Offensive. Bereits 36 Tore haben die Kölner nach 13 Spieltagen auf dem Konto – und stellten damit den Rekord des SC Paderborn aus der Saison 2017/18 ein. Der Grundstein für den Sieg wurde bereits in der ersten Halbzeit gelegt. Entsprechend zeigte sich Wilhelm mit den 45 Punkten vor der Pause "absolut einverstanden" und regelrecht begeistert: "Wahnsinn, was die Jungs machen! Wir waren auch wirklich eiskalt. Die Tore fallen nicht immer so, das wissen wir. Trotzdem, die Art und Weise, wie wir die 1. Halbzeit dominieren, ist richtig, richtig gut."
"Fundament, das nicht so leicht bröckeln kann"
Gemessen an dieser Dominanz sei das Ergebnis am Ende "zu knapp" ausgefallen, meinte der Viktoria-Coach und ärgerte sich vor allem über das dritte Gegentor in der Nachspielzeit. "Mit genau diesen Ergebnissen müssen wir besser umgehen. Das haben wir in der Vergangenheit auch schon geschafft. Das ist die Lehre aus diesem Spiel." Durch den dritten Sieg in Folge und die neunte Partie in Folge ohne Niederlage bleibt die Viktoria an der Tabellenspitze und kann vom MSV Duisburg nur dann verdrängt werden, wenn die Zebras mit fünf Toren Unterschied in Münster gewinnen. Gelingt es den Kölnern, die Erfolgsserie auch nach der Länderspielpause fortzusetzen?
Mit einem Absturz, wie ihn etwa der SV Sandhausen vor zwei Jahren hingelegt hatte, glaubt Otto, der damals für den SVS spielte, nicht. Der Stürmer sieht die Mannschaft spielerisch gefestigt. Das über längere Zeit entwickelte System sei im Sommer durch gezielte Anpassungen weiter verbessert worden. Zudem gebe es mit Trainer Marian und der Besetzung auf allen Positionen eine klare Ausrichtung. "Da ist ein Fundament, das nicht so leicht bröckeln kann." Gleichwohl mahnte er, die Leistungen konstant abzurufen. Schon wenige Prozentpunkte weniger Einsatz könnten dazu führen, dass die Mannschaft an Dominanz und Ballbesitz verliere. Gerade gegen den Ball sei der Aufwand enorm. "Das klingt so einfach, ist aber unfassbar schwer." Bevor es in zwei Wochen zum Duell mit Schlusslicht Havelse kommt, steht am 12. November noch das Landespokal-Achtelfinale beim Siegburger SV an.