Pünt im Interview: "Zur Winterpause wäre es schön, wenn …"

Julius Pünt vom SV Meppen mischt die 3. Liga auf, liefert sich mit Jakob Golz von Rot-Weiss Essen und Manuel Riemann von Alemannia Aachen ein Duell um die Weiße Weste, dem Ranking der Torhüter mit den meisten Spielen ohne Gegentor. Darüber und über die Bedeutung des SVM für ihn und seinen Karriere-Weg spricht er im Interview mit liga3-online.de.

"Der Verein ist mein Zuhause"

liga3-online.de: Herr Pünt, Meppens Sportlicher Leiter Olufemi Smith hat Sie bei Ihrer Vertragsverlängerung als "herausragendes Torwart-Talent und absoluten Leistungsträger" der Mannschaft gelobt. Kann es für einen Torhüter mit gerade mal 22 Jahren eine größere Wertschätzung geben?

Julius Pünt: Es sind viele Torhüter, die in den deutschen Profiligen sogar noch jünger sind als ich, also es gibt viele Talente, das finde ich cool.

Und die Wertschätzung?

Das gibt einem ein super Gefühl, wenn du weißt, dass alle hinter dir stehen, wenn dir, wie von Olufemi Smith, gesagt wird, dass du ein richtig Guter bist.

Sie haben im April 2026 Ihren Vertrag beim SV Meppen liga-übergreifend bis 2028 verlängert. Was bedeutet der Verein für Sie persönlich?

Der Verein bedeutet mir ganz viel, weil es, ganz einfach gesagt, mein Zuhause ist. Ich komme aus der Region (Rheine; d. Red.), ich habe hier meine Freunde. Dass es dann irgendwann so läuft, dass du in der ersten Mannschaft in der 3. Liga spielst, schöner geht es für mich selbst ja fast gar nicht.

Wo wollen Sie 2028 mit dem SV Meppen stehen?

So hoch wie möglich! Ich sage immer: Wir müssen von Spiel zu Spiel gucken, das ist die Wahrheit. Realistisch gesehen ist jetzt der Klassenerhalt das Ziel, dann fagen wir an, über andere Ziele zu und auch über die Saison hinaus zu denken.

Der SV Meppen ist nach Punkten der beste Aufsteiger der aktuellen Saison. Zwei Mitaufsteiger, Würzburg und Großaspach, haben Sie zuletzt besiegt. Was zeichnet die Mannschaft aus und warum wird der SV Meppen in der 3. Liga bleiben?

Ich bin ja neu in der 3. Liga, aber ich kann eine Einschätzung geben…

Bitte!

Wir sind als Kollektiv ein ganz starker Verbund, pflegen ein starkes Miteinander. Dieses Motto "Jeder für jeden" – das wird hier gelebt. Das Wir-Gefühl ist spürbar und das macht auch etwas mit einem. Wir sind in einer guten Phase und ich bin der Überzeugung, dass wir die Klasse erhalten werden.

 

"Das ist immer eine schöne Bestätigung"

Das Wir-Gefühl, wie drückt sich das im Mannschaftsalltag aus?

Wer unser Training anschaut, der sieht, dass nicht die sechs Jüngsten die Tore aufbauen, sondern dass jeder mithilft. Ob du aus der U19 hochkommst oder ein 35-jähriger Routinier bist- jeder gehört zum Team dazu, das zeichnet uns aus. Ich glaube, dass das außergewöhnlich ist. Das höre ich oft auch von anderen Spielern, die sagen: 'Hey, hier fühlt man sich ja richtig wohl.' Das ist ein super Kompliment für unsere ganze Truppe.

Im Monat Oktober 2026 blieb Meppen bei zwei Siegen und drei Remis ungeschlagen, kassierte nur zwei Gegentore. Ist diese defensive Stabilität ein Schlüssel zum Erfolg?

Für einen Aufsteiger ist es das definitiv! Du schreibst dir als erstes auf die Fahne, dass du in dieser Liga mithalten musst. Für uns war klar, dass wir defensiv stabil spielen müssen. Vorn bekommen wir immer unsere Chancen. Das alles zusammen hat im Oktober ganz gut geklappt, das zeigen ja auch die Details, die Sie gerade genannt haben.

Wenn über Sie und Ihre Qualitäten als Torhüter gesprochen wird, hört man immer wieder, dass Sie einer der stärksten Drittliga-Keeper auf der Linie seien. Mit welchem großen Torhüter würden Sie sich selbst vergleichen?

(lacht) Ich schaue privat gar nicht so viel Fußball. Aber wenn, dann achte ich besonders auf die Torhüter. Es gibt für mich Torhüter, von denen ich mir gute Bewegungen abschaue. Ich finde Jan Reichert vom 1. FC Nürnberg richtig stark auf der Linie. Oder Julian Krahl vom 1. FC Kaiserslautern. Generell mag ich Keeper, die auf der Linie besonders gut sind. Das ist ja auch eine Stärke von mir, das schaue ich mir auch bei anderen gerne ab.

Mit Jakob Golz von Rot-Weiss Essen und Manuel Riemann von Alemannia Aachen liefern Sie sich ein enges Duell um die Weiße Weste. Fünf Mal haben Sie in zwölf Spielen bereits die Null gehalten. Daraus ergibt sich eine Zu Null-Quote von 42 Prozent. Wie sehr beschäftigen Sie sich mit solchen Statistiken?

Gar nicht, obwohl du oft damit konfrontiert wirst. Wenn man wie jetzt ein Interview gibt oder nach den Spielen oder im Freundeskreis danach gefragt wird, dann kommen die Jungs zu mir und sagen: 'Hey, wusstest du eigentlich, dass…?' Das ist immer eine schöne Bestätigung und ja, es ist eine coole Statistik. Aber richtig damit zu beschäftigen, das wäre zu viel gesagt.

 

"Die Umfrage zur Elf des Monats hat mir meine Mutter geschickt"

Sie haben einen beeindruckenden Karriere-Weg genommen – vom Jugend-Leistungszentrum Emsland zur Nummer eins beim SV Meppen, dem Verein der Region. Für die "lf des Monats Oktober“ bei liga3-online.de sind Sie ebenfalls nominiert worden und führen derzeit diese Umfrage klar an. Wie gehen Sie als junger Spieler mit einer so rasanten Entwicklung um?

Es ist ganz viel Bestätigung dabei. Du machst gerade ganz viel richtig. Meine Mutter hat mir das Ranking geschickt und sie hat mir gesagt, dass ich bei dieser Wahl dabei bin. Sowas ist einfach richtig cool und ich freue mich darüber. Du kannst seinen Weg mit gutem Gewissen weitergehen.

Sie stehen beim SV Meppen vor Ihrem 100. Pflichtspiel – können Sie mit Blick auf das Programm des SVM bis zur Winterpause, unter anderem gegen Essen und in Münster, eine Prognose wagen?

Das kann ich schwer sagen! Es ist die 3. Liga. Was ich an der Liga so liebe: Sie ist so spannend. Egal, ob du Vierter oder Achtzehnter bist, die Tabelle ist richtig eng. Zur Winterpause wäre es aber schön, wenn wir ein Punktepolster zu den Abstiegsrängen hätten.

Mit dem Punkteschnitt (1,8 Zähler pro Spiel), den Sie im Oktober 2026 hingelegt haben, würden Sie mit 25 Punkten in die Winterpause gehen. Eine eher beruhigende oder trügerische Prognose?

Wir wollen so viele Punkte holen wie möglich, denn nur so können wir unsere Ziele erreichen. Wenn wir dann Richtung April oder Mai denken, dann gibt es irgendwann eine Richtung, wo es in der Tabelle hingeht. Prinzipiell ist das erst mal ein gutes Gefühl, nahe an den gesteckten Zielen dran zu sein. Nichtsdestotrotz müssen wir die Punkte erstmal holen, um diesen Schnitt zu halten.

   

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