Pyro-Wurf in den Waldhof-Block? Polizei ermittelt gegen Beamten
Die Aufarbeitung der Ausschreitungen rund um das DFB-Pokalspiel zwischen dem SV Waldhof Mannheim und dem 1. FC Kaiserslautern hat eine weitere Wendung genommen. Wie das Polizeipräsidium Mannheim bestätigte, wird gegen einen Polizeibeamten wegen des Verdachts der Körperverletzung im Amt sowie eines möglichen Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz ermittelt.
Staatsanwaltschaft bereits in Kenntnis gesetzt
Auslöser sind Videoaufnahmen aus dem Carl-Benz-Stadion. Darauf ist eine dunkel gekleidete Person mit Helm zu sehen, die im Innenraum einen brennenden Gegenstand aufhebt und anschließend in Richtung der dicht besetzten Otto-Siffling-Tribüne wirft. Wie Polizeisprecher Michael Klump gegenüber dem "SWR" erklärte, seien entsprechende Ermittlungen eingeleitet und der Vorgang bereits der Staatsanwaltschaft Mannheim vorgelegt worden. Ob durch den mutmaßlichen Wurf Personen verletzt wurden, sei bislang noch unklar und Gegenstand der laufenden Untersuchungen.
Für die Ermittlungen stützt sich die Polizei auf zahlreiche Videoaufnahmen, die aus verschiedenen Bereichen des Stadions stammen. Diese werden derzeit gesichtet und ausgewertet. Auf die Videos aufmerksam gemacht hatte unter anderem der Fanverband ProWaldhof. Dessen Sprecher Sören Runke spricht gegenüber dem "Mannheimer Morgen" von einem "unglaublichen Vorgang". Zugleich verurteilte er Würfe von Bengalos auf Menschen sowie in Richtung Spielfeld "aufs Schärfste".
Über 100 Verletzte
Das Pokal-Derby Ende August war von massiven Ausschreitungen überschattet worden. Bereits vor dem Anpfiff war es zu erheblichen Zwischenfällen gekommen. Anhänger des 1. FC Kaiserslautern zündeten Pyrotechnik und schossen diese auf das Spielfeld, wodurch sich der Spielbeginn verzögerte. Auch während der Partie wurde in beiden Fanlagern wiederholt Pyrotechnik abgebrannt. Nach einer Rudelbildung auf dem Rasen zum Ende der regulären Spielzeit hatte sich die aufgeheizte Stimmung auf die Tribünen übertragen. Dabei kam es zu Becherwürfen in Richtung der FCK-Spieler, ehe aus dem Gästeblock mehrere Raketen auf die Haupttribüne geschossen wurden.
Anschließend stürmten Mannheimer Anhänger den Innenraum. Zahlreiche Polizeikräfte mussten eingreifen und die Personen zurück in die Zuschauerbereiche drängen. Dabei wurden mehrere Personen verletzt. Darüber hinaus hatten FCK-Anhänger mehrere Sitzreihen aus ihrer Verankerung gelöst. Nach Spielende wurde zudem die eigene Choreografie verbrannt, wodurch nach Angaben der Polizei erheblicher Sachschaden entstand.
Ermittlungsgruppe ins Leben gerufen
Zur Aufarbeitung der Ereignisse hat das Polizeipräsidium Mannheim die Ermittlungsgruppe "Campus Ludi" eingerichtet. Diese wertet derzeit Foto- und Videoaufnahmen aus, um mögliche Straftäter zu identifizieren. Als Reaktion auf die Krawalle haben sich die Profiklubs in Baden-Württemberg in der vergangenen Woche zudem auf einen umfangreichen Zehn-Punkte-Plan für mehr Sicherheit in den Stadien verständigt. Darüber hinaus sollen Vereinen bei Sicherheitsmängeln künftig Bußgelder drohen. Auch der DFB ermittelt, beide Vereine müssen mit hohen Geldstrafen rechnen.