Drei Gründe für den starken Saisonstart des MSV Duisburg

Vor dreieinhalb Monaten verpasste der MSV Duisburg denkbar knapp die Teilnahme an der Relegation. Doch die Zebras ließen sich nicht aus der Bahn werfen – und legten erneut den perfekten Saisonstart mit drei Siegen aus drei Partien hin. Geht das "Wunder von der Wedau" tatsächlich in die nächste Runde? liga3-online.de nennt drei Gründe für den guten Saisonstart des MSV.

Grund 1: Optimale Kaderplanung

In der letzten Sekunde des letzten Spieltags war es der Pfosten vor der eigenen Fankurve, der die Duisburger Träume von der 2. Bundesliga platzen ließ. Anschließend war das gute Aluminiumstück weg, tauchte wenig später provokativ im Fanblock von Nutznießer Essen wieder auf und musste in der Schauinsland-Reisen-Arena ersetzt werden. Doch das war logischerweise nicht die punktuelle Verstärkung, die der MSV auf dem Transfermarkt geplant hatte. Denn: Dominik Kother wurde fest aus Dresden verpflichtet, von der Drittliga-Konkurrenz kamen Max Besuschkow (FC Ingolstadt) und Ramien Safi (Rot-Weiss Essen) sowie bereits erfolgreiche Leihspieler wie Frederik Christensen (VfL Osnabrück) und Martin Ens (SC Verl). Obwohl sich noch nicht jeder Neuzugang ausgiebig zeigen konnte, haben es die Duisburger geschafft, ihren Kader in der Spitze wie in der Breite gezielt zu verstärken.

Und noch dazu wurden keine Leistungsträger abgegeben. Wo Verl im Sommer Spieler wie Berkan Taz oder Timur Gayret verlor, wo Essen auf Kaito Mizuta oder Torben Müsel verzichten muss, wo Aachen vergeblich um Faton Ademi kämpfte, da hielt Duisburg sein Tafelsilber zusammen. Im Laufe der vergangenen Saison verlängerten mit Symalla, Sussek, Braune, Bookjans, Coskun, Bitter, Hahn und Fleckstein der Reihe nach alle Spieler ihr Arbeitspapier, mit denen der MSV für die Zukunft planen wollte. Rasim Bulic setzte im Sommer ein weiteres Zeichen, indem auch er seinen Vertrag trotz Offerten aus der 2. Bundesliga vorzeitig verlängerte. Das Resultat? Duisburg hat eine Ersatzbank, die einige Mannschaften gerne als erste Elf hätten. Kaum verwunderlich also, dass der MSV nach nur drei Partien schon satte sieben Torbeteiligungen von Einwechselspielern nachweisen kann – ein Liga-Bestwert.

Grund 2: Mutigeres Fußballspielen

Viele der bereits genannten Spieler waren schon in der Regionalliga West an Bord, als der MSV den Neuaufbau angehen musste. Das bedeutet natürlich auch, dass Cheftrainer Dietmar Hirsch seit zwei Jahren mit einem festen Kern arbeiten kann, dessen Entwicklung immer weiter voranschreitet. "Auch letztes Jahr hatten wir viele lange Bälle, sind auf den zweiten Ball gegangen. Aber jetzt spielen wir mutiger Fußball, was natürlich auch mit dem Erfolg zu tun hat. Aber auch mit der Qualität der Spieler – und das haben wir uns erarbeitet", kommentierte der 54-Jährige eben jene Entwicklung nach dem jüngsten 3:0-Sieg gegen die Würzburger Kickers.

Zehn Tore, davon vier Treffer auf dem Konto von Lex Tyger Lobinger – ohne Frage ein Schlüsselspieler auf einer Position, deren Besetzung dem MSV in der Vergangenheit nicht leicht gefallen war. Dort hatten sich schon Gerrit Wegkamp, Malek Fakhro oder Tim Heike probiert, doch abgesehen von Thilo Töpken hinterließen die Kandidaten zu selten einen nachhaltigen Eindruck als Duisburger Stoßstürmer. Aber was, wenn Lobinger mal ausfällt? Dann hat auch Florian Krüger mit seinen zwei Treffern nachgewiesen, dass der ehemalige Bundesliga-Stürmer in Duisburg in Form kommt. Zudem ist auch S04-Leihgabe Peter Remmert noch in der Hinterhand.

Grund 3: Geduld und Durchhaltevermögen

Die Stürmerposition steht ein bisschen sinnbildlich für das, was die Duisburger zurzeit stark macht – das Durchhaltevermögen. Zusammen mit Geschäftsführer Michael Preetz hält MSV-Coach Hirsch an einer Spielidee und -philosophie fest, die gar nicht so sehr in Stein gemeißelt zu sein scheint, aber trotzdem immer präsent ist. Der Ruhrpott-Fußball, wie es der 54-Jährige schon ein ums andere Mal nannte, wird nicht an die große Glocke gehängt oder verbal ausgeschlachtet, sondern einfach umgesetzt. Ohne dabei eine "Hire and Fire"-Mentalität entstehen zu lassen, sondern mit der gegenseitigen Wertschätzung zwischen Spielern und Trainer. Das spüren auch die Fans im Duisburger Umfeld – und das schafft Vertrauen. In die Mannschaft, aber auch in die Verantwortlichen.

Sicherlich ist nicht jedes kleine Detail richtig, was beim MSV gemacht wird. Doch das Publikum ist bereit, dem großen Ganzen eine Chance zu geben, was sich in der Vergangenheit – und allgemein bei großen Traditionsklubs – oftmals schwierig gestaltet. Und da ist noch eine Sache, die das gegenseitige Vertrauen stärkt. Denn nach zwei erfolgreichen Jahren stellt sich bei manchem Fan immer wieder mal die Fragen: Wo ist der Haken? Wann brechen sie doch mal ein? Jedenfalls nicht nach der 0:2-Derbyniederlage gegen Oberhausen im Januar 2025, aber auch nicht nach dem 1:6 in Wiesbaden oder 1:5 in Rostock. Auch nicht nach der verpassten Zweitliga-Relegation – und offensichtlich auch nicht nach den Streitigkeiten rund um den Wechselwunsch von Kapitän Alexander Hahn.

Fazit

Mancher MSV-Fan muss sich nach bitteren Jahren nach wie vor daran gewöhnen, dass es auch mal längere Zeit gut laufen kann. Ob der Zug jedoch so weiterfährt, wird sich natürlich erst noch im weiteren Saisonverlauf zeigen. Aber der Start hat schon gezeigt, dass die Duisburger auch Rückschläge verarbeiten können.

   

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