3. Liga international: Polnische "Betclic 2 Liga" im Fokus

Die 3. Liga in Deutschland wird bald volljährig! Seit fast 18 Jahren existiert die Spielklasse, die einen Imagewandel von der "Pleite-Liga" zum Zuschauermagneten durchlebt hat. Wie sieht es eigentlich in anderen Ländern aus? liga3-online.de wirft einen Blick auf die internationalen Wettbewerbe. Heute: Die "Betclic 2 Liga" in Polen.

Struktur, Modus und aktuelles Geschehen

Die dritthöchste Spielklasse in Polen wird bereits seit 1953 ausgetragen und hieß bis zur Saison 2007/08 auch noch "3. Liga". Anschließend wurde der Wettbewerb mehrfach überholt, teilweise mit 36 Teams in zwei Staffeln ausgetragen. Seit zwölf Jahren hat sich jedoch das gängige System einer zusammengeführten Liga mit 18 Mannschaften und 34 Spieltagen etabliert – zwei Teams steigen direkt auf, vier Mannschaften spielen in Playoffs um einen weiteren Platz. Insgesamt vier Teams steigen am Saisonende jedoch auch ab.

Im vergangenen Jahr gelang Unia Skierniewice der Durchmarsch, nachdem dem Klub aus der Woiwodschaft Lodz bereits die Viertliga-Meisterschaft in der Saison zuvor gelungen war. Vor Zweitliga-Absteiger Warta Posen, das den direkten Wiederaufstieg schaffte, sicherte sich Skierniewice auch die Drittliga-Meisterschaft und spielt somit erstmals in der zweithöchsten Spielklasse des Landes. In den Playoffs setzte sich Podbeskidzie Bielsko-Biala durch, was aufgrund des Saisonverlaufs des Klubs wiederum bemerkenswert ist – nach dem 18. Spieltag stand die Mannschaft aus Bielsko-Biala noch knapp in den Rängen zur Abstiegs-Relegation.

Mannschaften im Teilnehmerfeld

Mit Gornik Leczna und GKS Tychy stiegen in der vergangenen Saison zwei ehemalige Erstligisten in die Drittklassigkeit ab. Hinzu kommen vier weitere Erstligisten, die heute auf der höchsten Amateurstufe antreten – und der höchstplatzierte Drittligist in der Ewigen Tabelle der Ekstraklasa ist Hutnik Krakau. In 234 Erstliga-Partien holten die Krakauer insgesamt 306 Punkte, was aktuell Platz 28 im Ranking ausmacht. Nur Radomiak Radom steht als aktueller Ekstraklasa-Klub noch dahinter, hat aber auch weniger Spiele in der Spitzenklasse absolviert.

Mit Znicz Pruszkow kehrt wiederum der Spitzenreiter der Ewigen Drittliga-Tabelle als dritter Absteiger der vergangenen Saison in die Betclic 2 Liga zurück. Und Pruszkow kann auch noch auf eine zweite Besonderheit in seiner Vergangenheit verweisen, denn in der Saison 2007/08 – damals spielte der Klub noch zweitklassig – wurde ein gewisser Robert Lewandowski in Pruszkow zum Fußballprofi. Mit Olimpia Elblag verlor die 3. Liga hingegen in der vergangenen Saison noch ein echtes Urgestein, denn der Klub mit den meisten Drittliga-Spielen in Polen stieg letztes Jahr in die Viertklassigkeit ab. Mit Radomiak Radom, Raków Czestochowa, Motor Lublin, GKS Katowice, Widzew Lodz und Wieczysta Krakau schafften wiederum sechs ehemalige Drittligisten mittlerweile den Sprung in die Ekstraklasa.

Besucherzahlen und Marktwerte

Die Tendenz in der Betclic 2 Liga ist steigend. Zwar sind die Angaben zu den Zuschauerzahlen nicht vollständig, aber der Trend der letzten Jahr ging hoch – nachdem er zeitweise stark absackte. Zwischen 2018 und 2020 konnte die Spielklasse noch im Schnitt etwa 1.500 bis 2.000 Fans pro Partie vorweisen, ehe die Zahlen bis auf 800 Zuschauer pro Spiel schrumpften. In den letzten beiden Spielzeiten ging die Kurve jedoch wieder nach oben, was für die vergangene Saison einen Schnitt von 1.331 Zuschauern pro Partie bedeutete – auch dank Publikumsmagnet Sandecja Nowy Sacz, dessen 8.000 Plätze umfassendes Stadion eine Auslastung von 87 Prozent erreichte. Also etwa 7.000 Fans pro Heimspiel. Nur Rekord Bielsko-Biala hatte eine höhere Auslastung, nämlich die vollständigen 100 Prozent – bei einer Stadionkapazität von 600 Plätzen im Centrum Sportu Rekord. Marktwerte werden in der Betclic 2 Liga wiederum nicht geschätzt.

Persönlichkeiten der Betclic 2 Liga

Möglicherweise ist es eine der Erfolgsgeschichten im polnischen Fußball: Marek Papszun übernahm im April 2016 das Traineramt bei Raków Czestochowa – und startete mit einem Punkt aus vier Spielen. Doch schon im darauffolgenden Jahr führte der gebürtige Warschauer seinen Klub an die Tabellenspitze der Betclic 2 Liga und weitere zwei Jahre später auch zum Meistertitel in der zweithöchsten Spielklasse. Die Ekstraklasa wartete auf Papszun und seine Mannschaft – und der Klub aus Rakau, wie die Stadt in Deutschland genannt wird, erreichte zweimal die Vizemeisterschaft und gewann zweimal den polnischen Pokal innerhalb von drei Jahren.

Und dann gelang dem ehemaligen Drittliga-Trainer, der vor seinem Engagement in Rakau nur im unterklassigen Fußball unterwegs war, das Meisterstück in der Ekstraklasa. Papszun verließ den Klub nach 288 Pflichtspielen und insgesamt fünf Titeln, kehrte ein Jahr später zurück und verbesserte seinen Punkteschnitt noch einmal in 67 Auftritten gegenüber seinem ersten Engagement. Heute ist der 51-Jährige in die Heimat zurückgekehrt und trainiert Legia Warschau.

 

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