3. Liga international: Italienische "Serie C" im Fokus

Die 3. Liga in Deutschland wird bald volljährig! Seit fast 18 Jahren existiert die Spielklasse, die einen Imagewandel von der "Pleite-Liga" zum Zuschauermagneten durchlebt hat. Wie sieht es eigentlich in anderen Ländern aus? liga3-online.de wirft einen Blick auf die internationalen Wettbewerbe. Heute: Die "Serie C" in Italien.

Struktur, Modus und aktuelles Geschehen

Die dritthöchste Spielklasse in Italien gibt es bereits seit 1935, doch in ihrer jetzigen Form wird die Serie C erst seit der Saison 2014/15 ausgetragen – und zwar dreigleisig. Unter den Zusätzen "Girone A", "Girone B" und "Girone C" werden drei Gruppen zu jeweils 20 Mannschaften eingeteilt, was die italienische Serie C zur wohl größten 3. Liga der Welt macht. Geografische Kriterien sorgen dafür, dass jedes Jahr sozusagen eine Nordwest-, Nordost- und Süd-Staffel gebildet wird, die sich abhängig von Auf- und Absteigern verändern kann. Und durch Lizenzentzüge. Alleine in der vergangenen Saison nahmen drei Vereine aufgrund von finanziellen Unregelmäßigkeiten nicht am Ligabetrieb teil, was für mehrere Nachrücker sorgte. Ein Klub löste sich sogar auf und übergab seine sportliche Lizenz an einen Nachfolger.

Der Aufstiegskampf in der Serie C ist außergewöhnlich. Lediglich der Erstplatzierte der jeweiligen Gruppe steigt garantiert auf, woraufhin die Vereine von Platz 2 bis 10 von jeder Staffel einen (!) weiteren Aufsteiger ausspielen. Aber nicht nur das: Weil die 3. Liga in Italien einen eigenen Pokalwettbewerb hat, tritt auch der Sieger der "Coppa Italia Serie C" in den Aufstiegsspielen an. Das heißt, dass ingesamt 28 Mannschaften um einen Aufstiegsplatz spielen – und das mit Setzliste: Runde 1 tragen nur die Zehnt- bis Fünftplatzierten aus, in Runde 2 steigen die Viertplatzierten ein. Bis hierhin entscheiden 90 Minuten über das Weiterkommen, und selbst bei einem Unentschieden gewinnt das höherplatzierte Team automatisch. Ab Runde 3, in der auch der Pokalsieger einsteigt, werden Hin- und Rückspiele ausgetragen. In diesem Jahr setzte sich Ascoli Calcio durch, das die Saison als Zweiter in der "Girone B" abgeschlossen hat. Die Meistertitel gingen an LR Vicenza, SS Arezzo und Benevento Calcio.

Mannschaften im Teilnehmerfeld

Im Finale der Aufstiegsspiele scheiterte mit Union Brescia der gerade erst gegründete Nachfolger von Traditionsklub Brescia Calcio denkbar knapp an einer Rückkehr in die Serie B. Aber mit Lanerossi Vicenza stieg zumindest der Drittligist auf, der in der Ewigen Tabelle der italienischen Spitzenklasse den höchsten Platz innehält – der Pokalsieger von 1997 steht auf Platz 18, nachdem er von 1955 bis 1975 durchgängig in der Serie A angetreten war. Auch die US Triestina, die US Livorno 1915 oder der Catania FC stehen unter den Top 30 der Ewigen Tabelle und spielen heute drittklassig, genauso wie die US Salernitana. Dort beendete Bayern-Legende Franck Ribery vor vier Jahren seine Karriere in der Serie A, aber in den letzten beiden Spielzeiten wurden die Granatroten in den unterklassigen Fußball durchgereicht.

Aufgrund wiederkehrender Lizenzprobleme finanzieller und struktureller Natur stürzten immer wieder mal große Traditionsklubs in die 3. Liga ab. Kurz nach der Jahrtausendwende traf das zunächst den AC Florenz, der 2002 in die Serie C runter ging – und damals war die Spielklasse sogar noch viertklassig. Auch der SSC Neapel, der in den letzten vier Jahren zwei Mal den Meistertitel in Italien gewann, musste 2004 zwangsläufig runter. Und die Gli Azzurri verbrachten daraufhin sogar zwei Spielzeiten in der Serie C, weil der direkte Wiederaufstieg missglückte. In der kommenden Saison spielen wiederum fünf Mannschaften in der Serie A, die seit der Saison 2014/15 mindestens einmal in der dreigleisigen 3. Liga gespielt haben – nämlich Venezia, Monza, Lecce, Parma und Como. Besonders für die lombardische Mannschaft von Cesc Fàbregas setzt sich damit ein phänomenaler Aufwärtstrend fort, denn Como spielte bis 2021 noch in der dritthöchsten Spielklasse und wird nächste Saison in der Champions League antreten.

Besucherzahlen und Marktwerte

Acht Klubs konnten in der vergangenen Saison eine Spielstätte mit mehr als 20.000 Plätzen vorweisen, dahinter folgen noch elf weitere Mannschaften mit einer Stadionkapazität von 10.000 Zuschauern. Im Gegenzug hatten insgesamt 24 Vereine weniger als 5.000 Plätze zur Verfügung, was für die Zuschauerzahlen in der Serie C grundsätzlich einen niedrigen Wert bedeutet. Aber: Mit insgesamt 2,9 Millionen Besuchern konnte die 3. Liga in der zurückliegenden Spielzeit einen Spitzenwert einfahren. Publikumsliebling war dabei der Catania FC, der nicht nur eine Auslastung von etwas mehr als 80 Prozent erreichte, sondern pro Spiel über 16.000 Zuschauer ins Stadion lockte. Salernitana und Vicenza schafften ebenfalls mehr als 10.000 Fans pro Heimspiel, während Ascoli und Brescia knapp dahinter blieben. Grundsätzlich war die Stadionauslastung aber nicht hoch: Die Girone A erreichte 27,1 Prozent, die Girone B schon 30,8 Prozent und die Girone C immerhin 36,4 Prozent. Zum Vergleich: Die 3. Liga in Deutschland wies vergangene Saison eine Zuschauerauslastung von 56,4 Prozent auf.

Spitzenreiter in den Statistiken der Marktwerte sind naturgemäß die Zweitvertretungen von Inter Mailand, Juventus Turin und Atalanta Bergamo. Werden diese Mannschaften aus der Wertung herausgenommen, dann kommen alle Staffeln gemeinsam auf einen geschätzten Marktwert von 280,7 Millionen Euro – verteilt auf die übrigen Teams ergibt das einen Wert von ca. fünf Millionen Euro pro Klub. Damit liegen die Italiener knapp vor Spanien (ca. vier Millionen), aber hinter Deutschland (ca. sieben Millionen) und England (ca. 10,5 Millionen). Das höchstgeschätzte Team in Italiens Serie C, nämlich Benevento Calcio, wäre mit einem Marktwert von 10,08 Millionen Euro jedoch Spitzenreiter in der deutschen 3. Liga hinter den Zweitvertretungen.

Persönlichkeiten der Serie C

Über Berühmtheiten aus der Vergangenheit lässt sich in der dritthöchsten Spielklasse von Italien sicherlich einiges sagen. Aber der ganz große Coup kommt erst zur neuen Saison, denn mit Ronaldinho unterschrieb zuletzt ein Weltstar beim Drittligisten Ravenna Calcio, der in dieser Spielzeit den Durchmarsch in die Serie B knapp verpasste. Der zweimalige Weltfußballer will sein Comeback im Alter von 46 Jahren geben, nachdem er zuletzt im September 2015 für Fluminense in der brasilianischen Heimat auf dem Platz stand.

Während der laufenden Fußball-Weltmeisterschaft gab Ronaldinho in Miami bekannt, dass er für die kommende Saison beim italienischen Traditionsklub unterschrieben hat und kündigte an, dass er das letzte Tor seiner Karriere für Ravenna schießen will. Vizepräsident Ariedo Braida, der Ronaldinho schon einmal in seiner langjährigen Amtszeit als Geschäftsführer und Sportdirektor der AC Mailand aus Barcelona holte, gab sich noch zurückhaltend. "Ob er spielen wird, werden wir sehen", so der 80-Jährige. "Aber es ist nicht ausgeschlossen."

   

Das könnte Sie auch interessieren

Auch interessant

Back to top button