"Ist mir nicht gelungen": Wollitz trotz Last-Minute-Sieg kritisch

Lange sah es im Heimspiel von Energie Cottbus gegen den SV Wehen Wiesbaden nach einem Unentschieden aus, ehe Tolga Cigerci in der 89. Minute das 2:1 erzielte und das Stadion damit in ein Tollhaus verwandelte. Während der Matchwinner sein Glück kaum fassen konnte, war Trainer Claus-Dieter Wollitz trotz des Last-Minute-Siegs kritisch – mit sich und der Mannschaft.

"Unfassbar, wie wir hier getragen werden"

Gleich zweimal wurde es an diesem Nachmittag in seinen Grundfesten erschüttert, das LEAG Energie Stadion. Zunächst um 15:52 Uhr, als Tolga Cigerci den Treffer zum 2:1 erzielte, dann nochmal um Punkt 16 Uhr, als Schiedsrichter Timo Gansloweit die Partie beendete. Auch sonst war die Stimmung im 19.666 Anhängern ausverkauften Stadion mindestens zweitligareif. "Unfassbar, wie wir hier getragen werden. Man denkt ja, das kann nicht mehr getoppt werden. Schon gegen Essen war es unfassbar, aber heute war es mindestens genauso. Das ist ein großer Beitrag für unsere Leistung", sagte Moritz Hannemann bei "MagentaSport".

Zu den Zuschauern auf den Rängen gehörte – neben Kapitän Axel Borgmann – auch der ebenfalls gelb-gesperrte Tolcay Cigerci. "In diesem Stadion passieren unglaubliche Dinge. Das hat auch was mit den Fans zu tun. Unfassbar was hier los war," konnte es der 31-Jährige kurz nach Abpfiff noch gar nicht fassen. Beim Treffer habe er Tränen in den Augen gehabt. "Das erlebe ich nicht mal auf dem Platz." Generell sei er viel nervöser gewesen als sonst.

Cigerci widmet Wollitz das Tor

Für den umjubelten Siegtreffer zeigte sich dabei niemand anderes als sein Bruder verantwortlich, der nach 60 Minuten in die Partie kam. "Ich muss das erstmal verarbeiten. Es war vogelwild", rang der 34-Jährige um Worte. Es war sein erstes Saisontor – einen besseren Zeitpunkt hätte er sich dafür kaum aussuchen können. Den Treffer widmete er anschließend Trainer Claus-Dieter Wollitz, von dem Cigerci in den allerhöchsten Tönen schwärmte:

"Ich habe sehr viele Trainer in meiner Laufbahn gehabt, aber dieser Typ berührt mich richtig. Er ist menschlich top, und diese Emotionen, die er uns im Training vor dem Spiel gibt, das kriegen nicht viele hin. Ich bin dankbar, dass ich unter so einem Trainer in meiner Karriere noch spielen darf. Das Spiel haben wir auch für ihn gewonnen." Wollitz selbst gab die Worte postwendend zurück und bezeichnete den Mittelfeldspieler als "absolute Persönlichkeit". Dass Cigerci ihm das Tor widmete, "zeigt einfach, dass wir hier eine Basis haben".

"Spielkontrolle komplett verloren"

So sehr er vom früheren Bundesliga-Spieler schwärmte, so selbstkritisch ging er mit sich selbst um: "Ich habe den Jungs vor der Partie gesagt: 'Wenn ich euch den Druck wegnehmen könnte, würde ich machen.'" Auch in der Halbzeit habe er das nochmals versucht. "Das ist mir nicht gelungen", musste der 60-Jährige eingestehen – und war auch mit der Leistung seines Team alles andere als zufrieden: "Wir haben zu Beginn komplett die Spielkontrolle verloren, so viele lange Bälle gespielt wie in der ganzen Saison nicht und unsere Spielstruktur nicht auf den Platz bekommen. Da brauchst du einen Boziaris oder einen Michelbrink gar nicht erst aufstellen."

Daher konnte der 60-Jährige das Spiel, in dem Cottbus nach 37 Minuten zunächst in Rückstand geraten war, ehe Hannemann ausgleichen konnte (41.), auch nicht einfach so abhaken: "Das bin ich nicht. Ich möchte schon, dass wir versuchen, unsere Inhalte auf den Platz zu bekommen. Das haben wir heute nicht geschafft und uns deswegen einen sehr, sehr glücklichen Sieg erarbeitet." Durch diesen liegt Energie nun aber zwei Punkte vor der Konkurrenz aus Duisburg und Essen und kann den Aufstieg beim Auswärtsspiel in Regensburg nun aus eigener Kraft klarmachen. "Aber dann müssen wir besser spielen", machte Wollitz klar.

Wollitz dankt Aue

Dass Energie überhaupt in dieser Position ist, haben die Lausitzer auch Erzgebirge Aue zu verdanken, das dem MSV am Freitagabend ein 0:0 abtrotzte. "Da kann man nur den Hut vorziehen", betonte Wollitz. "Ich habe den allerhöchsten Respekt davor." Das bezog er auch auf die Leistung des SVWW. Die Partie beim Jahn wollen die Lausitzer nun "wie ein Finale angehen, wie Hannemann betonte. Tolga Cigerci ergänzte: "Wir wollen es über die Linie bringen und der Stadt die 2. Liga schenken." Oder wie Wollitz sagte: "Jetzt heißt es Feuer frei und Leinen los."

   

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