Warum Dotchev im Abstieg des SSV eine "Riesenchance" sieht
Noch ist der Abstieg des SSV Ulm zwar nicht rechnerisch besiegelt, doch angesichts von acht Punkten Rückstand auf das rettende Ufer ist der Gang in die Regionalliga für die Spatzen kaum noch abzuwenden. Für Trainer Pavel Dotchev ist im Sommer Schluss, den Abstieg sieht er indes als "Riesenchance" für die Ulmer.
Dotchev steigt erstmals ab
Wochenlang hatte sich Dotchev mit Blick auf den drohenden Abstieg in Durchhalteparolen geübt, vor dem Spiel gegen Viktoria Köln (Samstag, 16:30 Uhr) nahm er davon nun Abstand. "Wir nehmen die Sachen, wie sie sind. Wir haben immer gehofft, dass wir es noch verhindern können und die Kurve bekommen, aber das haben wir leider nicht geschafft", sagte er bei der Spieltags-Pressekonferenz am Donnerstag. "Wir beschäftigen uns schon sehr lange mit diesem Thema, daher ist das nichts Neues oder Überraschendes für uns." Den Hauptgrund für den bevorstehenden Abstieg sieht der Deutsch-Bulgare darin, "dass wir oft gut spielen, aber immer knapp verlieren und dann mit leeren Händen da stehen". So war es letzte Woche auch bei 1860 München.
Das Gefühl, mit einem Klub abzusteigen, kannte Dotchev in seiner langen Trainerlaufbahn bisher noch nicht. "Das ist eine neue Erfahrung für mich, die mich aber sogar noch reifer macht. Ich habe noch was dazu gelernt, wo ich dachte, ich kenne schon viel." Entsprechend werde er für künftige Stationen "viel mitnehmen" können. Natürlich sei er auch "enttäuscht", schließlich sei er mit dem Ziel nach Ulm gekommen, die Mannschaft zu stabilisieren und sie zum Klassenerhalt zu führen, um nächstes Jahr dann die 2. Liga angreifen zu können. Es kam anders.
"Ab jetzt kann es nur noch bergauf gehen"
Mit dem Abstieg ist auch für Dotchev nach einem halben Jahr Schluss in Ulm, der Verein will sich auf der Trainerposition neu aufstellen. "Ich muss das akzeptieren", sagte der 60-Jährige, der zuletzt betont hatte, sich einen Verbleib vorstellen zu können. Dennoch könne er "absolut verstehen", dass der Klub einen Neuanfang durchführen will. Dotchev sieht darin sogar eine "Riesenchance", es nächstes Jahr besser zu machen. "Jetzt kommen ein neuer Trainer, ein neuer Sportdirektor und neue Spieler, die nicht vorbelastet sind. So kann man bei Null anfangen." Einen Schritt zurückgehen, um zwei vorwärts zu machen, "das muss das Ziel sein. Ab jetzt kann es nur noch bergauf gehen". Wichtig sei, dass der Verein bei sich bleibe.
Das gilt auch für die drei noch ausstehenden Spiele in dieser Saison. "Wir wollen unser Gesicht wahren und bis zum Schluss alles professionell annehmen. Dazu sind wir auch der Liga gegenüber verpflichtet", machte Dotchev klar und betonte: "Wir werden auf jeden Fall versuchen, eine Top-Leistung abzurufen – trotz unserer Probleme". Damit spielte der 60-Jährige auf die Personalsorgen an, denn neben den Langzeitverletzten fallen auch Luca Bazzoli (Gelb-Sperre), Niko Vukancic (Gelb-Rot-Sperre), Max Brandt (Nackenschmerzen) und Leon Dajaku aus. Dotchev sprach von "sehr vielen Baustellen", sagte aber auch, nicht jammern zu wollen. Das würde in der jetzigen Situation auch nicht mehr viel bringen. Daher ist das Ziel für Samstag klar: "Wir wollen gewinnen." Um sich mit Würde aus der 3. Liga zu verabschieden.