3. Liga international: Portugiesische "Liga 3" im Fokus

Die 3. Liga in Deutschland wird bald volljährig! Seit fast 18 Jahren existiert die Spielklasse, die einen Imagewandel von der "Pleite-Liga" zum Zuschauermagneten durchlebt hat. Wie sieht es eigentlich in anderen Ländern aus? liga3-online.de wirft einen Blick auf die internationalen Wettbewerbe. Heute: Die "Liga 3" in Portugal.

Struktur, Modus und aktuelles Geschehen

Die dritthöchste Spielklasse ist noch relativ jungfräulich, denn in Portugal wurde die "Liga 3" erst zur Saison 2021/22 eingeführt. Insgesamt 20 Vereine treten an, aber aufgeteilt in zwei Gruppen. Platz 1 bis 4 aus beiden Gruppen spielen anschließend gemeinsam noch einmal eine Aufstiegsrunde aus, also kommen zu den 18 Spielen aus der regulären Saison noch einmal 14 Partien aus der zweiten Saisonhälfte dazu. Der Meister und der Zweitplatzierte steigen dann direkt in die zweithöchste Spielklasse auf, während der Drittplatzierte noch einmal in Play-off-Spielen gegen Platz 16 aus der "Liga Portugal 2" antreten muss. Ein harter Aufstiegskampf, bei dem ein Klub drei Mal sozusagen bei Null anfangen muss und am Ende womöglich mit leeren Händen dasteht.

Und wie bitter sich das anfühlen kann, erlebte ausgerechnet ein Traditionsklub zuletzt hautnah. Belenenses Lissabon, einmal portugiesischer Meister und dreifacher Pokalsieger, scheiterte in der vergangenen Saison in den Relegationsspielen mit dem SC Farense. Der Klub, der über 2.100 Erstliga-Partien in der langen Fußballgeschichte von Portugal absolvierte, verweilt somit weiter in der 3. Liga. Eine Entwicklung, die auf eine komplizierte Vergangenheit zurückzuführen ist – im Juni 2018 spaltete sich der Klub in den Belenenses SAD und den CF Os Belenenses auf, woraufhin die Profiabteilung (SAD) in der höchsten Spielklasse verblieb und die Fußballabteilung (CFO) in der sechsten Liga startete. Während Belenenses mittlerweile wieder drittklassig spielt, existiert der B-SAD seit 2024 nicht mehr.

Mannschaften im Teilnehmerfeld

Eine Erfolgsgeschichte in der "Liga 3" feierte der Klub aus Alverca do Ribatejo. Insgesamt 88 Spiele absolvierte der FC Alverca und qualifizierte sich vor zwei Jahren unter Cheftrainer João Pereira als Drittplatzierter für die Aufstiegsrunde – und krönte sich dort zum Drittliga-Meister. Obwohl der Erfolgstrainer anschließend weiterzog, nutzte der FCA die Euphorie und schaffte im darauffolgenden Jahr den Durchmarsch in die Spitzenklasse von Portugal unter Vasco Botelho da Costa. Aber damit nicht genug: Wieder zog der Coach weiter, aber auch Custódio feierte als Cheftrainer den nächsten Erfolg, indem er mit Alverca den Klassenerhalt schaffte. Somit ist der FCA aktuell der einzige ehemalige Drittligst, der im portugiesischen Oberhaus spielt. Und einen Trainerwechsel gab es auch wieder zur neuen Saison.

Frühere Erstligisten wie den CF Os Belenenses gibt es in der dritthöchsten Spielklasse heute häufiger, denn insgesamt elf Teams sind im Laufe der Zeit in den Amateurbereich abgerutscht. Die meisten Spiele in der Spitzenklasse – nach Belenenses – hat der FC Paços de Ferreira, der schon 786 Mal in der höchsten Liga des Landes auflief. Aber auch der Atlético CP (632 Spiele) und der Varzim SC (618 Spiele) kommen auf eine stolze Vergangenheit in der Primeira Liga, genauso wie auch der SC Covilhã (406 Spiele) und Associação Lusitano de Évora 1911 (364 Spiele). Der amtierende Dauerbrenner in der "Liga 3" ist wiederum der AD Fafe, der mit 144 Spielen an der Spitze der Ewigen Drittliga-Tabelle steht. Nur die Zweitvertretung vom SC Braga hat gleichviele Spiele, ist aber am Ende der letzten Saison abgestiegen.

Besucherzahlen und Marktwerte

Das Estádio do Restelo in Lissabon war vor einigen Jahren bereits der Austragrungsort vom Finale der UEFA Women’s Champions League. Heute ist es mit einer Kapazität von 19.856 Plätzen das größte Stadion in der "Liga 3" und weiter die Heimspielstätte vom CF Os Belenenses. Dahinter folgen noch das Estádio Capital do Móvel vom FC Paços de Ferreira mit 9.076 Plätzen sowie das Estádio do Varzim SC (7.280 Plätze) und das Estádio Municipal do Marco de Canaveses (6.000 Plätze). Vier weitere Vereine können noch Stadien zwischen 5.000 und 6.000 Plätzen vorweisen, was für die Lizenzierung in der deutschen 3. Liga ausreichend wäre. Die exakten Zuschauerzahlen sind wiederum sehr lückenhaft, während die Marktwerte der Spieler aufgrund des Amateurstatus der Liga nicht geschätzt werden.

Persönlichkeiten der Liga 3

Die dritthöchste Spielklasse hat in vier Jahren wenig überraschend vier verschiedene Torschützenkönige erlebt. Stanley Iheanacho, der in der vergangenen Saison für den CD Mafra traf, spielte sich mit seinen Leistungen in die Spitzenklasse von Dänemark – dort läuft er unter Ex-BVB-Coach Mike Tullberg für den FC Midtjylland auf. Auch João Costa, Titelträger des FC Alverca, ist mittlerweile in der portugiesischen Beletage angekommen und schießt seine Tore nun für Santa Clara. Einzig der heute 39-jährige Mittelstürmer Zequinha ist weiter in der Liga 3 aktiv, aber auch Gonçalo Gregório – der historische erste Torschützenkönig – spielt heute drittklassig: Und zwar beim SV Waldhof Mannheim, denn der 31-Jährige kam im Juli in die Kurpfalz.

Und noch jemand kennt die Geschehnisse aus der dritthöchsten Spielklasse in Portugal bestens, denn Orest Shala wechselte in diesem Sommer unmittelbar vom CD Mafra zum SC Verl. Der Fußballlehrer, der seine Laufbahn als Jugendcoach bei Union Berlin startete und beim FC St. Gallen in der Schweiz formte, trainierte in Portugal erstmals einen Verein als Cheftrainer. In 33 Partien konnte Shala etwa 1,55 Punkte pro Spiel holen, wodurch Marfa – letzte Saison als Zweitliga-Absteiger in der Liga 3 angetreten – den zweiten Platz in der regulären Saison erreichte. In der Aufstiegsrunde reichte es dann nur zu Platz 5, aber für Shala hat es die Tür in den deutschen Profifußball geöffnet.

 

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