1860, Lautern, Hansa und Co: Die stärkste 3. Liga aller Zeiten!

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© imago/Schroedter

Oft wird voreilig von Superlativen Gebrauch gemacht – umso größer ist die Enttäuschung danach. Doch angesichts dieser unglaublichen Konstellation können wir es doch nicht sein lassen. Diese Liga hat Vorschlusslorbeeren verdient, denn unter normalen Umständen wird es die beste, spannendste und qualitativ hochwertigste 3. Liga seit jeher. liga3-online.de lehnt sich aus dem Fenster.

Neue Zugpferde kommen

Es ist doch ein merkwürdiges Gefühl, vor dem Fernseher zu sitzen und einer Mannschaft, der man grundsätzlich völlig objektiv gegenübersteht, klammheimlich in den entscheidenden Minuten einer Saison den Abstieg zu wünschen. Einfach, um diesen Verein einmal in dieser Liga zu haben. Weil es ein geiler Club ist. Einer, dessen Name schon Tage vorher in der Stadt Gespräch ist, in der er als nächstes gastiert. Auf wen trifft das zu? Natürlich, auf den 1. FC Kaiserslautern. Aber auch auf Eintracht Braunschweig. Das sind Zugpferde für eine gesamte Region. Clubs, die sofort wieder in die 2. Bundesliga verschwinden wollen und denen Experten trotzdem mit großem Interesse nun auf die Finger schauen: Wie packen sie die ehrgeizige Mission Wiederaufstieg an? Wie kommt der ganze Verein mit der tieferen Spielklasse zurecht? Und wie reagiert das Umfeld, reagieren die Zuschauer? Gibt es einen neuen Run auf die Tickets, entsteht aus verbrannter Erde neue Euphorie? Oder droht so manchem Vertreter gar ein totaler Absturz?

Vier müssen runter, keiner bietet sich an

Der Fußball, dieses schnelllebige Geschäft, er fasziniert und polarisiert. In der 3. Liga ist das nicht anders, leider oft auch im negativen Sinn. Jeder will aus ihr heraus, aber bloß nicht durch den falschen Ausgang. Dann verbleibt allenfalls ein kleiner Spalt, um wieder zurückzufinden. Vier Vereine wird es im Mai 2019 treffen, einen mehr als in den zehn vorherigen Jahren. Es ist sehr wahrscheinlich, dass es einen, vielleicht auch mehrere Clubs ziemlich unerwartet erwischt. Es ist ebenso wahrscheinlich, dass mehr als 40 Punkte gebraucht werden, um die Klasse zu halten, vielleicht sogar fast 45.

Schon seit einigen Jahren gelten die Aufsteiger nicht mehr als erste Abstiegskandidaten. Der SV Meppen, die SpVgg Unterhaching und Carl Zeiss Jena haben das in der abgelaufenen Saison ganz entspannt, ganz solide bestätigt. Alle drei holten mehr als 50 Zähler, alle drei hatten sehr, sehr früh Planungssicherheit. Doch was für Kaliber kommen im Sommer 2018 auf die 3. Liga zu? 1860 München, Bundesligist in diesem Jahrtausend. Langjähriger Zweitligist mit großen Ambitionen, aber einem Händchen für schlechte Transfers – eine Geldverbrennungsmaschine mit jordanischem Qualitätssiegel waren diese Löwen. Wirklich auf eigenen Beinen steht der Club noch längst nicht, doch diese grandiose Regionalliga-Saison nach dem Doppel-Abstieg tat den vielen Fans einfach nur gut. Sechzig gehört unter die besten 25 deutschen Vereine, und wird gewiss keine kleinen Ziele formulieren.

Drei Aufsteiger, drei Geheimfavoriten

Energie Cottbus. Bundesligist in diesem Jahrtausend. Langjähriger Zweitligist mit entsprechender Infrastruktur in einer wirtschaftlich eher schwachen Region, abgestürzt durch den Fall in die 3. Liga, nach zwei Jahren in der Provinz zurück auf nationalem Parkett. Der FCE spielte grandiosen Fußball, der angesichts einiger Negativschlagzeilen abseits des Rasens etwas in den Hintergrund rückte. Sportlich können die Lausitzer ebenfalls sofort zum Geheimfavoriten werden – und der KFC Uerdingen ebenso. Dort hält Investor Mikhail Ponomarev die Zügel in seinen Händen: Wie viel Geld wird er seinem neuesten Goldesel nun zur Verfügung stellen? Uerdingen ist absolut unberechenbar und scheint mit Stefan Krämer genau den Trainer gefunden zu haben, der selbst scheinbar wild zusammengekaufte Mannschaft auf den kleinsten gemeinsamen Nenner bringen kann.

Fast schon in den Hintergrund rücken da die Vereine, die nicht neu dabei sind. Darunter viele, die den Klassenerhalt in einem Karpfenteich gemeistert haben, sich jetzt aber im Haifischbecken bewähren müssen. Schon jetzt ist absehbar, dass es etwa für den Halleschen FC schwierig werden kann, vielleicht auch für die SF Lotte oder den FSV Zwickau. Wie wir aber wissen, erwischt es genau dann mitunter ganz andere Clubs. Die Stuttgarter Kickers, Energie Cottbus oder nun der Chemnitzer FC sind treffende Beispiele. Was wird der zuletzt so schwache VfL Osnabrück machen, wie wird sich Dorfverein Großaspach positionieren? Ob Fortuna Köln, Preußen Münster oder der VfR Aalen – die Liste an nicht seriös einzuschätzenden Clubs ist lang.

Nah dran an der 2. Bundesliga

All das macht uns schon jetzt, gut zwei Monate vor dem Auftakt, richtig zappelig. Diese 3. Liga muss sich vor der 2. Bundesliga nicht mehr verstecken. Sie wird aller Voraussicht nach Zuschauerrekorde brechen, grandiose Derbys bieten und speziell im Aufstiegskampf alle Zutaten hinlegen, die Spannung bis zum Schluss ermöglichen. Leute, genießt diese Saison 2018/19. Wir bekommen es mit nicht mehr und nicht weniger zu tun als mit der besten 3. Liga aller Zeiten.

   
  • Baby Toony

    Aufsteiger: Braunschweig, Lautern,Fortuna Köln
    Absteiger: Lotte, Aspach,Zwickau, Münster

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