11. September 2017 um 15:00 Uhr

Strittige Szenen am 7. Spieltag: Die Analyse von Babak Rafati

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© imago/Sportsword

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Die nicht gegeben Elfmeter für Magdeburg, Rostock, Paderborn, Würzburg und Münster, das 2:0 für Magdeburg, die rote Karte gegen Mast, der Elfmeter für Paderborn, das 1:2 für Würzburg und eine nicht geahndete Notbremse gegen Grimaldi. Am 7. Spieltag hat sich Ex-FIFA-Schiedsrichter Babak Rafati für liga3-online.de zehn strittige Szenen genauer angeschaut.

Hintergrund: 25 Jahre lang war Babak Rafati Schiedsrichter, 2008 schaffte er es sogar auf die FIFA-Liste. Insgesamt leitete der heute 44-Jährige 84 Erst-, 102 Zweit- und 13 Drittliga-Spiele. Seit Februar 2015 hat er eine neue Aufgabe: Exklusiv für liga3-online.de analysiert der erfahrene Schiedsrichter jeden Spieltag die strittigen Entscheidungen des Wochenendes. Nach einer Vorauswahl durch die Redaktion sichtet Rafati das Video-Material und gibt eine kurze Einschätzung zu den jeweiligen Szenen ab.

Szene 1: Nach einem Zuspiel von Marcel Hilßner wird Soufian Benyamina (Hansa Rostock) von Richard Weil (1. FC Magdeburg) im Strafraum zu Fall gebracht. Schiedsrichter Robert Hartmann lässt das Spiel weiterlaufen. [TV-Bilder – ab Minute 15:35]

Babak Rafati: Bei diesem Laufduell zwischen Benyamina und Weil ist alles korrekt. Weil macht überhaupt keine Anstalten, seinen Gegenspieler regelwidrig zu stoppen. Ein bisschen Armeinsatz und Körperkontakt ist erlaubt, wenngleich Benyamina schnell zu Fall kommt. Eine richtige Entscheidung, weiterspielen zu lassen.

Szene 2: Christian Beck (1. FC Magdeburg) wird von Oliver Hüsing (Hansa Rostock) gehalten, geht dabei zu Boden und fordert einen Elfmeter. Hartmann zeigt jedoch nicht auf den Punkt. [TV-Bilder – ab Minute 3:55]

Babak Rafati: Der Schiedsrichter steht gut und hat freie Sicht auf die Aktion. Hüsing zieht seinen Gegenspieler, nachdem dieser mit dem Rücken zum Tor den Ball angenommen hat, kurz und ansatzlos mit der Hand an dessen Arm und verhindert dadurch, dass Beck den Ball kontrollieren kann. Man sieht die Wirkung des Festhaltens sehr gut daran, dass Beck im Bewegungsablauf nach hinten gerät und sich dabei vom Ball entfernt. Das ist ein Festhalten und hätte mit einem Strafstoß geahndet werden müssen. Eine gelbe Karte ist nicht erforderlich, da das Vergehen nur fahrlässig ist und eher unbesonnen und ungeschickt geschieht. Eine Fehlentscheidung, keinen Strafstoß für Magdeburg zu verhängen.

Szene 3: Felix Lohkemper trifft aus der Distanz zum 2:0 für Magdeburg, Hansa-Keeper Janis Blaswich reklamiert, dass die am Abseits stehenden Christopher Handke und Christian Beck ihm die Sicht versperrt haben sollen. Der Treffer zählt trotzdem. [TV-Bilder – ab Minute 7:15]

Babak Rafati: Beim Torschuss vom Magdeburger Lohkemper stehen seine Mitspieler Handke und Beck in zentraler Position im Abseits und irritieren dadurch Hansa-Keeper Blaswich, auch wenn sie nicht unmittelbar die Sicht des Torhüters versperren. Dennoch ist das eine Abseitsposition, der Treffer hätte nicht zählen dürfen. Eine Fehlentscheidung des Schiedsrichtergespanns.

 

Szene 4:  Nach einer Flanke von Felix Herzenbruch (SC Paderborn) wehrt Anthony Syhre (Würzburger Kickers) den Ball im Strafraum mit dem Arm ab. Schiedsrichter Tobias Welz lässt die Partie weiterlaufen. [TV-Bilder – ab Minute 0:25]

Babak Rafati: Der Schiedsrichter steht gut und sieht auch die Aktion vom Würzburger Syhre im eigenen Strafraum. Ein Indiz dafür ist, dass er sofort danach durch Ausstrecken der Arme signalisiert, etwas gesehen zu haben, für ihn jedoch kein Vergehen vorliegt. Der Ball ist lange unterwegs und der Arm geht deutlich zum Ball, sodass eine Absicht vorliegt. Hier hätte es Strafstoß geben müssen. Somit liegt eine Fehlentscheidung vor.

Szene 5: Dennis Mast (Würzburger Kickers) geht mit gestrecktem Bein in einen Luftzweikampf mit Robin Krauße (SC Paderborn) und trifft diesen im Gesicht. Welz zeigt Mast glatt Rot. [TV-Bilder – ab Minute 0:25]

Babak Rafati: Mast geht im Mittelfeld mit getrecktem Bein zum Ball und trifft seinen Gegenspieler in brutaler Spielweise im Gesicht. Dabei wird die Gesundheit des Gegenspielers gefährdet. Eine vollkommen richtige Entscheidung, eine rote Karte gegen Mast zu zeigen.

Szene 6: Im Laufduell mit Dennis Srbeny (SC Paderborn) trifft Anthony Syhre (Würzburger Kickers) seinen Gegenspieler am Fuß und bringt ihn dadurch zu Fall. Elfmeter, sagt der Schiedsrichter. [TV-Bilder – ab Minute 1:27:05]

Babak Rafati: Der Schiedsrichter steht sehr gut und kann den Vorgang gut einsehen. Syhre tritt Srbeny im Laufduell im eigenen Strafraum kurz und ansatzlos mit seinem linken Fuß in die rechte Hacke und bringt den Paderborner dadurch zu Fall. Eine richtige Entscheidung, auf Strafstoß für Paderborn zu entscheiden.

Szene 7: Maximilian Ahlschwede (Würzburger Kickers) sinkt im Zweikampf mit Sebastian Schonlau (SC Paderborn) zu Boden. Welz entscheidet auf Schwalbe und zeigt Ahlschwede Gelb. [TV-Bilder – ab Minute 1:28:50]

Babak Rafati: Der Schiedsrichter steht optimal und erkennt sehr gut, dass kein Kontakt vom Paderborner Verteidiger im eigenen Strafraum erfolgt und Ahlschwede sich nur fallen lässt. Eine richtige Entscheidung, auf Schwalbe zu entscheiden und dem fehlbaren Spieler hierfür wie auch dessen Mitspieler für das Anfassen beim Reklamieren die gelbe Karte zu zeigen.

Szene 8: Im Mittelfeld blockt Felix Müller (Würzburger Kickers) seinen Gegenspieler Lukas Boeder (SC Paderborn) weg, danach fällt das 1:2 für Würzburg. Der Treffer zählt. [TV-Bilder – ab Minute 4:20]

Babak Rafati: Müller checkt im Mittelfeld nur seinen Gegenspieler weg, ohne dabei den Ball spielen zu können/wollen. Anschließend läuft er sich frei und erzielt einen Treffer. Das ist ein klares Foulspiel und hätte unterbunden sowie mit einem Freistoß für Paderborn geahndet werden müssen. Somit liegt eine Fehlentscheidung vor.

 

Szene 9: Nico Antonitsch (FSV Zwickau) trifft Adriano Grimaldi (Preußen Münster) als letzter Mann an der Wade, Schiedsrichter Martin Petersen lässt das Spiel jedoch weiterlaufen. [TV-Bilder – ab Minute 0:35]

Babak Rafati: Antonitsch trifft Grimaldi im Laufduell von hinten in die Wade. Der Münsteraner läuft zunächst kurz weiter, erst anschließend gerät er mit Verzögerung außer Kontrolle und kommt zu Fall. Daher sieht es für den Schiedsrichter vielleicht nicht nach einem Foulspiel, sondern vielmehr nach einer Schwalbe des Angreifers aus. Daher lässt er das Spiel vermutlich weiterlaufen. Hier hätte es jedoch Freistoß für Münster und die rote Karte gegen Antonitsch wegen einer Notbremse geben müssen. Eine Fehlentscheidung, weiterspielen zu lassen.

Szene 10: Nach einer Ecke geht Ronny König (Zwickau) mit dem Arm zu Ball und lenkt diesen ab. Kein Elfmeter, sagt Petersen. [TV-Bilder – ab Minute 1:35]

Babak Rafati: Wenn sich der Schiedsrichter nach der Eckstoßausführung zum Spielgeschehen hinbewegt hätte, wäre er in einer idealen Position gewesen, um den Vorgang genau sehen und bewerten zu können. König geht im eigenen Strafraum klar mit dem Arm zum Ball und spielt diesen. Dabei liegt eine Absicht vor, sodass dieses Handspiel folglich mit einem Strafstoß für Münster hätte geahndet werden müssen. Eine Fehlentscheidung des Schiedsrichters.

 

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  • Philipp Schramm

    Mich hätte eher das Elfmetertor für SVWW interessiert, ob das alles so regel konform war, wie der Elfmeter ausgeführt wurde.

  • Pappnase

    Wie wär’ss, wenn Du Dich dafür bewirbst`?

  • Phillip

    Sorry, aber könnt ihr nicht mal den "Experten" wechseln? Beim FCM zwei mal falsch erklärt und ebenso beim FSV. Wohin soll König seinen Oberarm bitte tun? Klar geht er zum Ball, aber mit nach "hinten" angelegtem Arm und er dreht diesen zusätzlich auch noch weg. Klarer kann die Situation eigentlich nicht sein, um ihn eben nicht zu geben…

    • DM von 1907

      Der Experte ist gut und liegt nahezu immer richtig. Sein einziger "Fehler" ist, dass er nie die Vereinsbrille aufsetzt, ;-) aber genau das darf man auch von einem Unparteiischen erwarten!

      • Phillip

        Auch wenn man nicht die Vereinsbrille auf hat, sieht man bei objektiver Betrachtungsweise, dass es kein Handelfmeter ist. Vergleiche mal den zurecht gepfiffenen Elfmeter in Meppen gegen den FSV, welchen König verursacht hat, und diese Szene. Da sind Welten dazwischen.

      • abc

        Der untere Teil des Arms geht nach hinten…richtig. Aber nur, weil er mit dem oberen Teil des Arms zum Ball geht…klarer Elfer,. Gibts eigentlich ned viel zum diskutieren

      • Phillip

        Hm genau, der untere Arm geht natürlich nur nach hinten weil er den Ball an den Oberarm bekommt. Selten so einen Stuss gelesen. Bei angelegten Oberarm gibts wirklich nicht viel zu diskutieren, nämlich kein Elfmeter.

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