Fehlentscheidungen: Wer am häufigsten benachteiligt wurde
Nach jedem Spieltag analysiert Ex-FIFA-Schiedsrichter Babak Rafati exklusiv für liga3-online.de die strittigen Schiedsrichter-Entscheidungen. Doch wer wurde in der Saison 2025/26 am häufigsten benachteiligt und wer profitierte am meisten? liga3-online.de klärt auf.
Löwen mit großem Abstand an der Spitze
Die mit Abstand meisten Fehlentscheidungen musste der TSV 1860 München hinnehmen. 21 Mal lagen die Unparteiischen bei den Löwen daneben – darunter bei zwölf Elfmeter-Pfiffen (Liga-Spitze). Angesichts der hohen Anzahl von Fehlentscheidungen hatte Präsident Gernot Mang im Februar angekündigt, Beschwerde beim DFB einlegen zu wollen. Vor allem die "Häufung spielentscheidender Fehlentscheidungen" waren dem 57-Jährigen ein Dorn im Auge. "Ich habe kein Problem mit ein, zwei Fehlern. Aber es geht um Elfmeter, Abseitssituationen, klare Szenen – zuletzt wieder in Stuttgart. Das ist nicht mehr akzeptabel." Was aus der Beschwerde geworden ist, dazu gibt es keine Informationen.
Auf Platz zwei folgen der SC Verl und Hansa Rostock mit jeweils 15 Fehlentscheidungen. Essen, Aachen und Duisburg, das als einziger Klub keinen Elfmeter erhielt, wurden jeweils 14 Mal benachteiligt und belegen damit Platz 4. Energie Cottbus, dessen Trainer Claus-Dieter Wollitz immer wieder über Fehlentscheidungen gegen den FCE geschimpft und gar eine Verschwörung gegen den Osten gewittert hatte, steht mit zwölf falschen Pfiffen auf Rang 8. Die wenigsten Fehlentscheidungen gab es gegen den SSV Jahn Regensburg. Nur fünfmal sind die Oberpfälzer laut Rafati benachteiligt worden. Größter Streitpunkt sind die Strafstöße: Hier entschieden die Unparteiischen Rafati zufolge 119 Mal falsch, was einen Anteil von 55 Prozent aller Fehlentscheidungen ausmacht.
Fehlentscheidungen (benachteiligt)
Stand: 18. Mai| # | Tor | 11m | Platzverweis | Gesamt | |
|---|---|---|---|---|---|
| Gesamt: | 37 | 119 | 59 | 215 | |
| 1 | | 1 | 12 | 8 | 21 |
| 2 | | 2 | 8 | 5 | 15 |
![]() | 1 | 9 | 5 | 15 | |
| 4 | ![]() | 3 | 6 | 5 | 14 |
| 2 | 7 | 5 | 14 | |
| 3 | 8 | 3 | 14 | |
| 7 | | 2 | 11 | 0 | 13 |
| 8 | | 4 | 5 | 3 | 12 |
| 9 | | 1 | 5 | 5 | 11 |
| 10 | | 3 | 5 | 2 | 10 |
| 5 | 3 | 2 | 10 | |
| 0 | 8 | 2 | 10 | |
| 13 | | 2 | 3 | 3 | 8 |
| 3 | 4 | 1 | 8 | |
| 1 | 5 | 2 | 8 | |
| 16 | | 0 | 7 | 0 | 7 |
| 1 | 2 | 4 | 7 | |
| 2 | 2 | 3 | 7 | |
| 19 | | 2 | 4 | 0 | 6 |
| 20 | | 0 | 4 | 1 | 5 |
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Erläuterungen:
- Tor: Eigenes Tor wird aberkannt oder Gegentor durch Fehlentscheidung (Abseits, Foulspiel vorangegangen etc.)
- Elfmeter: Elfmeter wird nicht gegeben oder unberechtigter Elfmeter gegen sich
- Platzverweis: Unberechtigter Platzverweis gegen sich oder Gegner erhält unberechtigterweise keinen Platzverweis
Hansa profitierte am häufigsten
Die meisten Fehlentscheidungen zu den eigenen Gunsten erhielt nach Rafatis Einschätzungen der F.C. Hansa Rostock. 16 Mal entschieden die Unparteiischen demnach für die Mecklenburger, obwohl die Entscheidung zugunsten des Gegners hätte ausfallen müssen. Auf Platz zwei folgt Energie Cottbus, das in 15 Szenen profitierte. Dahinter rangieren die TSG Hoffenheim II und Alemannia Aachen (14 Fehlentscheidungen zu den eigenen Gunsten).
1860 München, das am häufigsten benachteiligt wurde, profitierte dagegen nur elfmal von einer Fehlentscheidung, was im Liga-Vergleich den 11. Platz bedeutet. Am seltensten profitierte der VfL Osnabrück (nur siebenmal). Der TSV Havelse, der MSV Duisburg, Rot-Weiss Essen und Viktoria Köln profitierten jeweils achtmal.
Fehlentscheidungen (profitiert)
Stand: 18. Mai| # | Tor | 11m | Platzverweis | Gesamt | |
|---|---|---|---|---|---|
| Gesamt: | 37 | 119 | 59 | 215 | |
| 1 | ![]() | 2 | 7 | 7 | 16 |
| 2 | | 2 | 11 | 2 | 15 |
| 3 | | 3 | 8 | 3 | 14 |
| 2 | 9 | 3 | 14 | |
| 5 | | 3 | 9 | 1 | 13 |
| 6 | | 4 | 5 | 3 | 12 |
| 3 | 6 | 3 | 12 | |
| 8 | | 2 | 6 | 4 | 12 |
| 9 | | 1 | 8 | 2 | 11 |
| 10 | | 2 | 5 | 4 | 11 |
| 11 | | 3 | 4 | 3 | 10 |
| 12 | | 0 | 5 | 4 | 9 |
| 1 | 6 | 2 | 9 | |
| 1 | 6 | 2 | 9 | |
| 2 | 4 | 3 | 9 | |
| 17 | | 1 | 4 | 3 | 8 |
| 1 | 5 | 2 | 8 | |
![]() | 2 | 3 | 3 | 8 | |
| 0 | 4 | 4 | 8 | |
| 20 | | 2 | 4 | 1 | 7 |
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Erläuterungen:
- Tor: Gegnerischer Treffer wird aberkannt oder eigener Treffer gegeben trotz Fehlentscheidung
- Elfmeter: Gegner erhält berechtigten Elfmeter nicht oder unberechtigter Elfmeter erhalten
- Platzverweis: Unberechtigter Platzverweis gegen den Gegner oder eigenes Team erhält unberechtigterweise keinen Platzverweis
Große Differenzen bei 1860, Aue und Hoffenheim
Gleichen sich die Entscheidungen im Laufe der Saison aus? Nach Auswertung von Rafatis Einschätzungen kam das bei Alemannia Aachen exakt hin, auch bei Saarbrücken, Schweinfurt, Rostock, Havelse, Stuttgart II und Ingolstadt ist die Differenz sehr gering. Bei vielen Klubs haben sich die Entscheidungen allerdings nicht ausgeglichen.
So wurde 1860 München 21 Mal benachteiligt (Liga-Spitze), profitierte aber nur elfmal. Auch Duisburg (14/8) und Essen (14/8) wurden deutlich häufiger benachteiligt als dass sie profitierten. Genau anders herum verhält es sich bei der TSG Hoffenheim II: Während die Kraichgauer "nur" sieben Fehlentscheidungen hinnehmen mussten, profitierten sie gleich 14 Mal von einer solchen. Aue (6/13) wurde ebenfalls deutlich häufiger bevorteilt als benachteiligt. Auch Cottbus war – entgegen der Meinung von Wollitz – häufiger im Glück als im Pech.
Pech vs. Glück
| Benachteiligt | Profitiert | Differenz | |
|---|---|---|---|
| 21 | 11 | -10 |
| 14 | 8 | -6 |
| 14 | 8 | -6 |
| 15 | 10 | -5 |
| 10 | 7 | -3 |
| 11 | 9 | -2 |
| 13 | 12 | -1 |
| 10 | 9 | -1 |
| 14 | 14 | 0 |
| 15 | 16 | 1 |
| 7 | 8 | 1 |
| 8 | 9 | 1 |
![]() | 8 | 9 | 1 |
| 7 | 9 | 2 |
![]() | 10 | 12 | 2 |
| 12 | 15 | 3 |
| 8 | 12 | 4 |
| 5 | 11 | 6 |
| 6 | 13 | 7 |
| 7 | 14 | 7 |
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Auswirkungen auf die Tabelle?
Natürlich wirken sich die Fehlentscheidungen auch auf die Tabelle aus – positiv wie negativ. So ist nicht von der Hand zu weisen, dass drei der vier Teams, die am häufigsten profitierten, in der Top 7 der Tabelle stehen. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass Verl und Rostock zu den Spitzenteams gehören, obwohl sie am zweithäufigsten benachteiligt wurden. Zudem ist Erzgebirge Aue trotz der Tatsache, dass es die zweitwenigsten Fehlentscheidungen hinnehmen musste, abgestiegen.
Denn: Natürlich spielt es immer auch eine Rolle, welche Entscheidungen falsch waren, zu welchem Zeitpunkt während der Partie sie getroffen wurden und welchen Einfluss sie auf den weiteren Spielverlauf nahmen. Zudem gibt es keine Garantie dafür, dass etwa nicht gegebene Elfmeter tatsächlich verwandelt worden wären. Aus diesen Gründen lässt sich auch keine "wahre Tabelle" erstellen.
Videobeweis auch für 2026/27 kein Thema
Um zumindest die klaren Fehlentscheidungen zu verhindern, wie etwa das 2:1 von Mannheim im Spiel gegen Aue im März, wird schon seit längerer Zeit über die Einführung des VAR diskutiert. Während sich eine Mehrheit der liga3-online.de-Leser zuletzt grundsätzlich für den Videobeweis ausgesprochen hatte, war eine Mehrheit der Vereine bislang dagegen – vor allem aufgrund der Kosten. Bei einer Managertagung im Februar wurde den Klubs vom DFB das Modell "Football Video Support" (FVS) vorgestellt. Dabei handelt es sich um eine vereinfachte und kostengünstigere Alternative zum Video Assistant Referee.
Anders als beim VAR überwacht kein zusätzliches Videoteam permanent das Spiel, stattdessen kann der Trainer in klar definierten Situationen – etwa bei Toren, Elfmetern oder Platzverweisen – eine Überprüfung beantragen. Das IFAB hat Ende Februar auf seiner Jahresversammlung entschieden, dass der FVS weiterhin als Pilot genutzt werden kann und hat das Pilotprojekt daher zunächst um ein Jahr verlängert.
Der DFB will weitere Entwicklungen beobachten. "Wir werden Daten sowie weitere Informationen zum FVS mit den Klubs wie gewohnt teilen, voraussichtlich auf der nächsten Managertagung im Sommer", hieß es auf Anfrage. "Generell gilt: Die Wünsche der Klubs bilden die Grundlage für das weitere Vorgehen des DFB in Bezug auf FVS oder andere technische Hilfsmittel in der 3. Liga. Darüber hinaus besteht weiterhin Einigkeit darüber, dass vor einer Entscheidung über eine mögliche Einführung von FVS oder VAR ein Dialog der Klubs mit ihren Fans erfolgen sollte." Klar ist: Zur neuen Saison wird der Videobeweis noch kein Thema.
Weniger Fehlentscheidungen als letzte Saison
Insgesamt lagen die Schiedsrichter in der abgelaufenen Saison in den von Rafati analysierten Szenen (Tore, Elfmeter, Platzverweise) nach Einschätzung des 55-Jährigen 215 Mal falsch. Das sind 30 Fehlentscheidungen weniger als in der letzten Saison. Eine positive Entwicklung, nachdem die Anzahl der Fehlentscheidungen in den letzten Jahren stetig gestiegen war.

