"Liegen gut im Zeitplan": Waldhof mit neuer Identität in die Saison
Zwei Mal knapp auf Platz 16 gelandet, dann eine ruhige Saison im Mittelfeld nach katastrophalem Start. Der SV Waldhof Mannheim ist seit Jahren auf der Suche nach einer Identität, die mit dem Trainerwechsel hinzu Rui Mota nun wieder einer gewagten Feuertaufe unterzogen wird.
"Das sind unsere Erwartungen"
Rui Tomás Faustino Pinto da Mota, kurz Rui Mota, ist der Coach, der den Waldhof in eine erfolgreiche Saison führen soll. Oder wird Mannheim wieder der erste Klub sein, der den Trainer tauscht? Mit Marco Antwerpen und Dominik Glawogger machte der SVW in den letzten beiden Jahren kurzen Prozess, nachdem der Saisonstart misslungen war. Mota soll es besser machen. "Es ist immer gut, im eigenen Stadion zu starten. Wir wollten es zu unserer Festung machen, denn dort liegt unsere Stärke", erklärte der 47-jährige Portugiese bei der Spieltags-Pressekonferenz am Donnerstag. Das Ziel? Identität schaffen!
"Wir bauen das Team neu auf und entwickeln ein neues Konzept. Bislang bin ich sehr zufrieden mit dem, was wir bereits geschaffen haben. Natürlich liegt noch ein Stück Arbeit vor uns", führte Mota aus. "Unser Ziel ist es, eine Mannschaft zu formen, mit der sich die Stadt und unsere Fans identifizieren können. Sie sollen sehen, dass wir leidenschaftlich, positiv, engagiert und hart arbeitend auftreten – das sind unsere Erwartungen." Dass die Mannheimer in der Vorbereitung einige Verletzungssorgen verarbeiten mussten, sei zwar ein Dämpfer gewesen, aber Mota fand den Umgang seiner Mannschaft mit den Rückschlagen zufriedenstellend.
Keine Stammplatzgarantien
Gleichzeitig stellte der Waldhof-Coach auch klar: "Wir liegen also gut im Zeitplan. Wir sind noch nicht am Ziel und müssen uns weiter verbessern – aber das ist ein Prozess, der Woche für Woche voranschreitet. Im Fußball ist man nie vollends zufrieden. Es gibt immer Raum für Arbeit und Verbesserungen. Doch angesichts des Engagements der Jungs und der Art und Weise, wie sie unsere Ideen umsetzen, bin ich ehrlich gesagt sehr zufrieden." Einzig Jascha Brandt und Adama Diakhaby können beim Auftakt nicht mitwirken, während noch ein, zwei Fragezeichen hinter nicht genannten Spielern stand. Somit wird Mota entgegen mancher Erwartung die Qual der Wahl zum Start haben. Und das gefiel de, 47-Jährigen: "Die Jungs kämpfen auf positive Weise um ihre Plätze, unterstützen sich aber gleichzeitig gegenseitig und formen ein echtes Team. Sicherlich bereiten sie dem Trainer damit Kopfzerbrechen."
Dennoch wird der Waldhof seine Augen auf dem Transfermarkt offen halten, versicherte der Cheftrainer. Mittelfeldspieler Joey Müller wurde kurz nach der Spieltags-Pressekonferenz als weiterer Neuzugang vorgestellt. "Die Spieler, die wir haben, und die Möglichkeiten, die sie uns bieten – nicht nur für ein bestimmtes System, sondern für mehrere, sowie ihre Fähigkeit, auf verschiedenen Positionen zu spielen –, sind für einen Trainer sehr wertvoll", so Mota. Niemand wird einen Stammplatz haben – auch nicht das Kapitäns-Quartett um Lukas Klünter. "Ich kann sagen, dass es in meinem Team nicht einfach nur 'die elf Spieler' gibt. Niemand hat seinen Platz sicher. Wie gesagt, wir haben unterschiedliche Spielertypen."
"Die Fans sind der Hauptgrund"
So will Mota einen großen Wert auf den Teamgeist legen, bei dem jeder Spieler die nötige Aufmerksamkeit bekommt. "Eines kann ich mit Sicherheit sagen – denn so arbeite ich als Trainer –, dass jeder Spieler Woche für Woche beweisen muss, dass er einen Platz in der Startelf verdient. Das ist den Spielern völlig klar: Es gibt keinen Platz für Spieler, die im Training nicht alles geben", legte sich der Cheftrainer unmissverständlich fest. Die Fans sah der Portugiese gleichzeitig als zwölften Mann. "Die Fans sind der Hauptgrund dafür, denn sie pushen uns von Anfang an", so Mota. "Es ist wichtig, dass unsere Fans unsere Mannschaft ins Herz schließen. Man kann mal einen schlechten Tag haben – die Saison ist lang, so etwas kommt vor –, aber man darf die Menschen nicht enttäuschen oder sich ihnen gegenüber gleichgültig zeigen. Am Ende gewinnt man, wenn man die Philosophie verfolgt, die Fans hinter sich zu vereinen."
Zum Auftakt trifft die Mota-Mannschaft direkt auf Fortuna Düsseldorf, was nicht nur für die Identität des Waldhofs zur Feuertaufe wird, sondern auch hinsichtlich der sportlichen Qualität. "Es ist zu diesem Zeitpunkt zwar nie einfach, die Mannschaften einzuschätzen, aber ich glaube, dass wir gut vorbereitet sind. Wir wissen gut über die Spielideen des Trainers Bescheid und sind uns bewusst, dass sie über sehr erfahrene Spieler verfügen – auch wenn es einen großen Umbruch gab", ordnete Mota ein. Und dann könne auch der Waldhof glänzen, wenngleich Mannheim zurzeit niemand auf dem Zettel habe: "Es ist eine lange Saison mit vielen Partien und viel Bewegung innerhalb der Teams. Vielleicht gelten aktuell fünf oder sechs Mannschaften als Aufstiegskandidaten, aber zur Saisonmitte sieht die Lage schon wieder ganz anders aus." Wo Mannheim dann unter dem neuen Coach steht, wird sich zeigen.