16. Februar 2017 um 17:20 Uhr

Der große Zuschauerzahlen-Check der 3. Liga – Teil 2

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© Sportfotos MD / Wundrig / Ahrens

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Die 3. Liga gilt als Profiliga – nicht nur auf dem Rasen, sondern auch auf den Rängen. Einerseits interessiert das sportliche Abschneiden, andererseits interessieren sich viele Zuschauer ebenso für das Zuschauerpotenzial der 20 Drittliga-Klubs. Bei wem zeigt der Trend in den letzten Jahren nach oben, wer stagniert und wer muss gar Einbuße verkraften? Nicht selten spiegelt die Resonanz des Publikums auch die sportlichen Leistungen wider. Wir werten in einer großen Bilanz die Entwicklungen der letzten fünf Jahre aus und benennen bei jedem Verein die Gründe für den größeren respektive geringeren Zuspruch. Im zweiten Teil begutachten wir die zehn Teams, die in der Zuschauer-Rangliste der aktuellen Saison 2016/17 die Top 10 belegen.

Zuschauerschnitt in der Saison 2016/17 (nach 11 Heimspielen): 5.334

  • Topwert: 7.786 (MSV Duisburg)
  • Minuskulisse: 3.783 (SG Sonnenhof Großaspach)
  • Zuschauerschnitt in der Saison 2015/16: 6.557 (Regionalliga Bayern)
  • Zuschauerschnitt in der Saison 2014/15: 3.669
  • Zuschauerschnitt in der Saison 2013/14: 3.473
  • Zuschauerschnitt in der Saison 2012/13: 7.587 (2. Bundesliga)

Die Analyse:

Auf den ersten Blick erscheinen die Zahlen des SSV Jahn Regensburg reichlich kurios – zumindest ein Teil der Zahlen kann jedoch aufgeklärt werden. Mit dem Abstieg in die 3. Liga im Jahr 2013 verlor der Jahn über 50 Prozent seiner Zuschauer – damals noch im alten, maroden und kaum überdachten Jahnstadion. Erst nach dem Durchreichen in die Regionalliga Bayern wurde die Continental Arena als Neubau eröffnet, sie geriet zu einem durchschlagenden Erfolg: Trotz Abstieg konnte Regensburg seinen Zuschauerschnitt fast verdoppeln! Nach dem prompten Wiederaufstieg können die Zahlen jedoch nicht gehalten werden: Gegen Erfurt, Paderborn oder Preußen Münster kommen weniger Besucher als etwa gegen Schweinfurt oder Bayreuth. Offenbar ziehen die Lokalduelle (FC Bayern II, 1860 München II) in Ostbayern einfach mehr als die 3. Liga.

 

Zuschauerschnitt in der Saison 2016/17 (nach 11 Heimspielen): 5.417

  • Topwert: 8.041 (VfL Osnabrück)
  • Minuskulisse: 3.526 (VfR Aalen)
  • Zuschauerschnitt in der Saison 2015/16: 10.929 (2. Bundesliga)
  • Zuschauerschnitt in der Saison 2014/15: 14.839 (Bundesliga)
  • Zuschauerschnitt in der Saison 2013/14: 10.998 (2. Bundesliga)
  • Zuschauerschnitt in der Saison 2012/13: 8.779 (2. Bundesliga)

Die Analyse:

Hoch gestiegen, tief gefallen – so lässt sich der Kurs des SC Paderborn in den letzten Jahren beschreiben. Das wirkt sich natürlich auch auf die Zuschauerzahlen aus, die durch den überraschenden Aufstieg in die Bundesliga noch einen großen Zuwachs erfahren hatten. Danach machte der Sportclub jedoch eine Menge falsch, zerstörte sich durch hohe Preise beinahe seine eigene Identität. Die Folge: Die Fans wanderten ab, boykottierten teilweise die Heimspiele. Aktuell liegt der SCP noch immer fast 2.500 Besucher unter seinen eigenen Erwartungen – pro Spiel, wohlgemerkt. Dass unter Stefan Emmerling allmählich Ruhe einkehrt, kann nur als gutes Zeichen für die Zukunft gewertet werden.

 

Zuschauerschnitt in der Saison 2016/17 (nach 10 Heimspielen): 6.406

  • Topwert: 8.985 (1. FC Magdeburg)
  • Minuskulisse: 3.891 (FSV Frankfurt)
  • Zuschauerschnitt in der Saison 2015/16: 5.343
  • Zuschauerschnitt in der Saison 2014/15: 5.819
  • Zuschauerschnitt in der Saison 2013/14: 5.903
  • Zuschauerschnitt in der Saison 2012/13: 4.813

Die Analyse:

Einen derart hohen Schnitt wie in dieser Spielzeit konnte Rot-Weiß Erfurt in den letzten Jahren der Drittliga-Zugehörigkeit nicht aufweisen. Aber, Vorwarnung: Der Schein trügt ein wenig. Immerhin wurde das Steigerwaldstadion in den letzten Jahren aufwendig saniert, mittlerweile verfügen die Thüringer über ein vollüberdachtes und multifunktionales Schmuckkästchen. Dieses Upgrade zahlte sich bisher nicht aus, zumal anzunehmen ist, dass der aktuelle Schnitt von 6.400 Besuchern noch weiter sinken wird. Diverse Ostduelle gegen Magdeburg, Rostock, Halle und Chemnitz wurden bereits absolviert, dagegen warten unter anderem noch die ungeliebten Zweitvertretungen. Erfurt muss attraktiveren Fußball liefern, sonst bleiben die Zuschauer fern. Dabei braucht der Verein aktuell doch jeden Euro…

 

Zuschauerschnitt in der Saison 2016/17 (nach 12 Heimspielen): 6.824

  • Topwert: 8.716 (Chemnitzer FC)
  • Minuskulisse: 5.344 (Werder Bremen II)
  • Zuschauerschnitt in der Saison 2015/16: 7.379
  • Zuschauerschnitt in der Saison 2014/15: 7.242
  • Zuschauerschnitt in der Saison 2013/14: 8.000
  • Zuschauerschnitt in der Saison 2012/13: 7.711

Die Analyse:

Der Hallesche FC spielt um den Aufstieg in die 2. Bundesliga mit – und kaum einer will es sehen! Gut, diese Aussage ist vielleicht etwas mutig, aber etwas verwunderlich ist die Entwicklung beim HFC doch. Warum beflügeln die guten Ergebnisse die Fans nicht, wieso sackt der Schnitt trotz der Platzierung ab? Nun gut, das Derby gegen den 1. FC Magdeburg dürfte den Wert noch nach oben korrigieren. Dennoch zeigte nicht erst zuletzt das Duell mit Jahn Regensburg vor 5.600 Besuchern, dass in Halle das Potenzial längst noch nicht komplett ausgeschöpft wurde. Selbst in der Saison 2013/14, die recht unspektakulär im Mittelfeld beendet wurde, kamen im Durchschnitt rund 2.400 Zuschauer mehr – ohne den 1. FC Magdeburg in der 3. Liga, wohlgemerkt.

 

Zuschauerschnitt in der Saison 2016/17 (nach 11 Heimspielen): 7.183

  • Topwert: 11.530 (VfL Osnabrück)
  • Minuskulisse: 5.112 (FSV Mainz 05 II)
  • Zuschauerschnitt in der Saison 2015/16: 7.220
  • Zuschauerschnitt in der Saison 2014/15: 9.143
  • Zuschauerschnitt in der Saison 2013/14: 7.961
  • Zuschauerschnitt in der Saison 2012/13: 8.992
  • Die Analyse:

Die Werte beim SC Preußen sind schnell erzählt: Spielt der Klub lange um den Aufstieg mit wie etwa im Frühjahr 2013 oder 2015, springen auch die Besucherzahlen in die Höhe. Läuft es bescheiden – wie etwa fast im gesamten Jahr 2016 – dann hat auch der hiesige Münsteraner weniger Lust auf Fußball. Da die Highlights gegen Osnabrück, Magdeburg, Rostock und Duisburg allesamt bereits inkludiert sind, deutet vieles auf einen Fünf-Jahres-Minuswert in der Spielzeit 2016/17 hin. Zu begründen ist das allerdings auch im Ausbleiben des sportlichen Erfolges: Schon seit Saisonbeginn geht es für den SCP einzig und allein um den Klassenerhalt, das hatten sich die ambitionierten Westfalen ganz anders vorgestellt.

 

Zuschauerschnitt in der Saison 2016/17 (nach 10 Heimspielen): 7.238

  • Topwert: 10.770 (FSV Zwickau)
  • Minuskulisse: 5.633 (VfL Osnabrück)
  • Zuschauerschnitt in der Saison 2015/16: 7.454
  • Zuschauerschnitt in der Saison 2014/15: 5.807
  • Zuschauerschnitt in der Saison 2013/14: 5.215
  • Zuschauerschnitt in der Saison 2012/13: 4.653

Die Analyse:

Der Chemnitzer FC hat in den letzten Jahren ein sehr solides und doch bemerkenswertes Wachstum vollzogen, das seinen Ursprung natürlich auch in der Modernisierung des Stadions an der Gellertstraße findet. Mehr Komfort bedeutet mehr Zuschauer, das gilt auch für den CFC. Dieser will allerdings seit geraumer Zeit ebenso mit besserem Fußball punkten, um den Aufstieg mitspielen. Noch gelang das nicht in letzter Konsequenz, in dieser Spielzeit stehen die Chancen gar nicht mal schlecht. Dann wäre allemal ein neuer Bestwert im Hinblick auf die letzten fünf Jahre möglich. Wie groß das Potenzial am Standort Chemnitz sein kann, darüber muss nur in die DDR-Vergangenheit geschaut werden.

 

Zuschauerschnitt in der Saison 2016/17 (nach 11 Heimspielen): 9.762

  • Topwert: 16.000 (Sportfreunde Lotte)
  • Minuskulisse: 7.318 (FSV Frankfurt)
  • Zuschauerschnitt in der Saison 2015/16: 8.620
  • Zuschauerschnitt in der Saison 2014/15: 8.722
  • Zuschauerschnitt in der Saison 2013/14: 8.650
  • Zuschauerschnitt in der Saison 2012/13: 10.676

Die Analyse:

Wir befinden uns in den Top 4, die sich deutlich vom Rest der Liga absetzen. Schon der Minuswert der diesjährigen Saison übertrifft beim VfL Osnabrück den Durchschnitt beim Fünftplatzierten! Überhaupt befindet sich Lila-Weiß aufgrund der guten sportlichen Situation und des ereignisreichen Fußballs etwa 1.000 Zuschauer über dem Durchschnitt der letzten Jahre. Allerdings sind die Derbys gegen Münster und Lotte sowie Highlights gegen Duisburg und Magdeburg schon eingerechnet. Kann der VfL weiter den Kontakt zur Spitze halten, ist jedoch eine Bilanz wie in der Saison 2012/13 möglich – diese endete bekanntermaßen beinahe im Zweitliga-Aufstieg. Klar ist: Das Osnabrücker Publikum ist äußerst begeisterungsfähig, es muss nur motiviert werden.

 

Zuschauerschnitt in der Saison 2016/17 (nach 11 Heimspielen): 10.544

  • Topwert: 14.000 (Sonnenhof Großaspach)
  • Minuskulisse: 0 (Jahn Regensburg; Geisterspiel)
  • Zuschauerschnitt in der Saison 2015/16: 12.855
  • Zuschauerschnitt in der Saison 2014/15: 9.958
  • Zuschauerschnitt in der Saison 2013/14: 9.989
  • Zuschauerschnitt in der Saison 2012/13: 9.126

Die Analyse:

Trotz jahrelanger Drittliga-Tristesse, ohne auch nur einmal nachhaltig in das Aufstiegsrennen eingegriffen zu haben, bleiben die Fans dem FC Hansa Rostock treu. Zwar kann der Durchschnitt der vergangenen Spielzeit ganz offensichtlich nicht ganz erreicht werden, dennoch muss sich die Kogge mit 10.500 Besuchern im Durchschnitt sicherlich nicht verstecken – zumal dieser Wert ohne das Geisterspiel gegen Jahn Regensburg sogar die Marke von 11.000 Besuchern problemlos knacken würde. Klar ist aber auch, dass in der Rückrunde Erfolge hermüssen, um die Zahlen halten zu können. Der Auftakt verlief eher enttäuschend…

 

Zuschauerschnitt in der Saison 2016/17 (nach 11 Heimspielen): 13.480

  • Topwert: 17.745 (VfL Osnabrück)
  • Minuskulisse: 10.443 (VfR Aalen)
  • Zuschauerschnitt in der Saison 2015/16: 17.818 (2. Bundesliga)
  • Zuschauerschnitt in der Saison 2014/15: 13.474
  • Zuschauerschnitt in der Saison 2013/14: 12.599
  • Zuschauerschnitt in der Saison 2012/13: 12.837 (2. Bundesliga)

Die Analyse:

Unverändert hoch bleibt auch der Zuspruch der Fans beim MSV Duisburg. Aktuell befindet sich der Schnitt in etwa auf dem Niveau der letzten Aufstiegssaison, in der allerdings das „Endspiel“ gegen Holstein Kiel vor ausverkauftem Haus nochmals mächtig an der Zahl gedreht hatte. Da die Zebras sich spätestens nach dem 3:2-Erfolg über Preußen Münster als mit Abstand heißester Kandidat für die 2. Bundesliga entpuppt haben, ist von einem plötzlichen Abbruch nicht auszugehen. So sind sie nun einmal, die Leute im Ruhrgebiet: Ehrlich, kumpelhaft und mit einem fest verwachsenen Herz für ihren Klub – in diesem Fall den Meidericher Spielverein. Das zeigt auch der hohe Zweitliga-Schnitt in der Abstiegssaison 2015/16.

 

Zuschauerschnitt in der Saison 2016/17 (nach 10 Heimspielen): 16.205

  • Topwert: 21.001 (Hansa Rostock)
  • Minuskulisse: 12.238 (Werder Bremen II)
  • Zuschauerschnitt in der Saison 2015/16: 18.393
  • Zuschauerschnitt in der Saison 2014/15: 8.576 (Regionalliga Nordost)
  • Zuschauerschnitt in der Saison 2013/14: 5.482 (Regionalliga Nordost)
  • Zuschauerschnitt in der Saison 2012/13: 5.203 (Regionalliga Nordost)

Die Analyse:

Beeindruckend – anders lässt sich die Entwicklung in Magdeburg kaum charakterisieren. Seit dem Drittliga-Aufstieg wurde ein neuer Boom um den FCM entfacht, der in der ersten Profisaison seit 25 Jahren zahlreiche langjährige Bestwerte einstellte. Aber wie es bei zahlreichen Klubs so ist, kühlt das Temperament und die Begeisterung bei jedem Klub ein wenig ab. Beim Fußballclub jedoch noch immer auf einem äußerst hohen Niveau: 16.205 Besucher pro Spiel bedeuten die klare Nummer Eins im Zuschauer-Ranking, nachdem diesen Platz in der vergangenen Spielzeit noch Dynamo Dresden belegt hatte. Spielt der FCM im April und Mai noch um den Aufstieg mit, dürfte der aktuelle Wert noch deutlich ansteigen.

 

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  • Kiebietz

    Dass der Schnitt bei fast allen im Vergleich zum Vorjahr gesunken ist, liegt in erster Linie am Aufstieg Dresdens. Die Dynamos bringen grundsätzlich zu jedem Spiel enorm viele Fans mit. Ohne dieses enorme Zugpferd sinken die Zahlen eben leicht, das müsste daher eigentlich bei jedem Verein nochmals aufgeführt und mitbedacht werden.

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