13. April 2017 um 14:25 Uhr

Wegen Aalen und Zwickau: Rechenspiele im Aufstiegskampf

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© imago/Picture Point

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Drei Plätze und acht Mannschaften: Das ist sechs Spieltage vor Saisonende die Ausgangslage im Aufstiegsrennen. Für zusätzliche Spannung sorgen der VfR Aalen, der aufgrund der Insolvenz sehr wahrscheinlich einen Neun-Punkte-Abzug hinnehmen muss, und der FSV Zwickau, der keine Zweitliga-Lizenz beantragt hat. Beide Vereine könnten noch für komplizierte Rechenspiele und kuriose Situationen sorgen. liga3-online.de beantwortet die wichtigsten Fragen.

Reicht Platz 5 zum Aufstieg?

Was passiert, wenn der FSV Zwickau am Saisonende Erster oder Zweiter ist? 

Wird die Elf von Trainer Torsten Ziegner tatsächlich Meister, würden gemäß Paragraf 55 der DFB-Spielordnung der Zweite und Dritte der Abschlusstabelle direkt aufsteigen und der Vierte Relegation spielen. Belegt der FSV am Saisonende den zweiten Tabellenplatz, steigt der Dritte direkt auf und die Mannschaft auf Platz vier ist für die Relegation qualifiziert. Diese Auslegung der Spielordnung bestätigte der DFB auf Anfrage von liga3-online.de.

Was passiert, wenn der FSV Zwickau am Saisonende den Relegationsplatz belegt? 

Dann würde der Viertplatzierte in die Relegationsspiele um den Aufstieg in die 2. Bundesliga einziehen.

Wie verhält es sich, wenn der VfR Aalen nach dem 38. Spieltag auf einem der ersten drei Plätze steht?

Ist der verhängte Neun-Punkte-Abzug zu diesem Zeitpunkt noch nicht rechtskräftig, würde es zu einer überaus skurrilen Situation kommen: Es stünde schlicht nicht fest, ob Aalen wirklich aufsteigt! Wird der Punktabzug im geschilderten Szenario erst (unmittelbar) nach Saisonende rechtskräftig, könnte ein Verein nachträglich noch den Aufstieg bzw. den Einzug in die Relegationsspiele feiern – das gab es in der Geschichte der 3. Liga noch nie.

Ist der VfR Aalen überhaupt aufstiegsberechtigt?

Ja. Trotz der Insolvenz haben die Verantwortlichen fristgerecht einen Lizenzantrag für die 2. Bundesliga gestellt.

Unter welchen Voraussetzungen reicht am Saisonende der fünfte Platz für den Aufstieg?

Der Fünfte könnte in die Relegation einziehen und den späteren Aufstieg feiern, wenn der VfR Aalen (ohne Punktabzug) und der FSV Zwickau nach dem letzten Spieltag auf den ersten drei Plätzen stehen. Der Viertplatzierte würde bei diesem Szenario sogar direkt aufsteigen.

Der schwebende Punktabzug und seine Folge

Was passiert, wenn Aalen am Saisonende auf einem Aufstiegsplatz steht, der Punktabzug zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht rechtskräftig ist? Müssten die Relegationsspiele dann verschoben werden?

Zu diesem Szenario wollte sich der DFB auf Anfrage unserer Redaktion nicht äußern. Der Verband geht davon aus, "dass bis zum Saisonende eine verbandsintern endgültige Entscheidung des DFB-Bundesgerichts zur Frage des Punktabzuges in Sachen VfR Aalen vorliegen wird." Wann die Verhandlung vor dem DFB-Bundesgericht stattfindet, ist aber noch offen.

Könnte der VfR Aalen gegen das Urteil des DFB-Bundesgerichts erneut Einspruch einlegen?

Ja. Zunächst könnte der Verein eine Schiedsklage beim Ständigen Schiedsgericht einreichen, danach wäre noch der Gang vor ein staatliches Gericht möglich. Da es so einen Fall in Deutschland bisher aber noch nie gegeben hat, ist offen, wie dann verfahren werden würde. Im schlimmsten Fall könnte sich die Angelegenheit noch eine Weile hinziehen, was allerdings nicht im Interesse des DFB sein dürfte.

Wie wahrscheinlich ist es, dass der DFB den Neun-Punkte-Abzug gegen den VfR zurücknimmt?

Auch wenn der VfR am Dienstag bereits zum dritten Mal Einspruch gegen das Urteil eingelegt hat und nun vor das DFB-Bundesgericht zieht, ist es überaus unwahrscheinlich, dass der Abzug von neun Punkten zurückgenommen wird. Die DFB-Spielordnung ist in Paragraf 6 eindeutig: Meldet ein Verein während der laufenden Saison Insolvenz an, werden ihm neun Punkte abgezogen. Ohnehin ist der VfR mit der Abwendung der Insolvenz gescheitert, zudem ist das Verfahren seit Anfang April offiziell eröffnet.

Warum hat der Verein trotz der offenbar klaren Rechtslage überhaupt Einspruch gegen das Urteil eingelegt?

Das ist offen – der Verein hält sich mit Verweis auf ein schwebendes Verfahren bedeckt. Möglicherweise beruft sich der VfR auf die im August 2015 eingereichte Insolvenz von Hauptsponsor Imtech, der nach Saisonende 2012/13 beim VfR ausgestiegen war. Laut der DFB-Spielordnung (Paragraf 6) kann von einem Punktabzug abgesehen werden, "wenn gegen den Hauptsponsor oder einen anderen vergleichbaren Finanzgeber des Vereins zuvor ein Insolvenzverfahren eröffnet ist." In der am 14. Februar verschickten Pressemitteilung hatte der VfR den Insolvenzantrag hauptsächlich mit "dem Wegbrechen der beiden Hauptsponsoren Imtech und Scholz zum Ende der Saison 2012/2013 begründet." Offen ist allerdings, wie genau sich die Insolvenz von Imtech im Jahr 2015 auf die Insolvenz des VfR Aalen im Februar 2017 ausgewirkt hat.

 

 

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  • Nur der HSV Rainer

    Nur weil sich in Aalen einige nicht mit der Realität abfinden können,wird nun so massiv der Wettbewerb gestört. Unfassbar. Ich hoffe Aalen steigt nächstes Jahr endlich ab. Den Verein braucht Fußball Deutschland nicht.

  • Steffen

    Interessant wäre auch, ob man dem FSV Zwickau sollte am Ende der Aufstieg sportlich geschafft sein, wirklich keine Chance zur nachträglichen Lizensierung einräumt. Das ein Aufsteiger, der mit 4 Punkten hinter dem rettenden Ufer auf Platz 19 stand zum Zeitpunkt der Lizenzierung keine Aufstiegsunterlagen einreicht, sollte jeder (auch beim DFB) verstehen.
    Wenn danach aber eine sportliche Sensation, denn genau das wäre der Aufstiegsplatz, gelingt, sollte bei einem Sportverband wie dem DFB auch das Sportliche und keine juristischen Formalien im Vordergrund stehen.
    Jede andere Entscheidung würde Zwickau sonst unter anderem die ca. 6 Millionen Fernsehgelder für die Zweitligisten rauben.

    • Cox Orange

      Also dass der DFB die Dummheit der Verantwortlichen von Zwickau nachträglich belohnt, wäre schon sehr abenteuerlich.
      Wenn das das so möglich wäre, könnte jeder Verein Lizenzunterlagen erst jeweils dann einreichen, wenn der Tabellenplatz am Ende feststeht, um Kosten zu sparen. Das ist aber nicht der Sinn eines Lizenzierungsverfahrens.

      Für dieses Versäumnis müssen sich die Verantwortlichen von Zwickau schon an die eigene Nase fassen.

      • Steffen

        Es ist immer einfach, andere Leute dumm zu nennen. Ich hätte mich als Verantwortlicher auch dagegen entschieden zum genannten Zeitpunkt 3 Lizenzunterlagen (2., 3., 4. Liga) zu erstellen.
        Als fairer Sportler bleibe ich aber bei der Meinung, Aufstiegskampf sollte auf dem grünen Rasen und nicht am grünen Tisch stattfinden.

      • Achim Herborn

        In einer Liga mit dieser Leistungsdichte und der Tatsache, dass jeder jeden schlagen kann, müssen sich die Verantwortlichen der Vereine nach allen Seiten absichern. Der Fehler liegt hier eindeutig beim FSV. Und Regeln beispielsweise das Einhalten von Terminen, müssen nun mal eingehalten werden. Das hat mit einem Aufstiegskampf am grünen Tisch nicht zu tun.

  • INSIDER

    Wenn sich die Insolvenz von Imtech im Jahr 2015 auf die Insolvenz vom VfR Aalen im Jahr 2017 ausgewirkt hat, dann hat Aalen beim Lizensantrag für die Saison 2016/17 betrogen, ansonsten wäre doch bei fehlendem Geld aus 2015 keine Lizens für die aktuelle Saison erteilt wurden….

    • Wolfgang Holzer

      wenn man sich von Imtech abhängig macht ist man irgendwann abgehängt

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