Zwischenfazit: Rot-Weiß Erfurt liegt über dem Soll

Ein Drittel der Saison 2013/2014 ist bereits absolviert. Grund genug, die 20 Drittligisten in einem Zwischenfazit unter die Lupe zu nehmen. Heute: Der FC Rot-Weiß Erfurt. Die Thüringer holten aus den ersten zwölf Partien 20 Punkte und können somit auf den erfolgreichsten Start ihrer Drittliga-Geschichte zurückblicken. Aktuell auf Rang sechs liegend, beträgt der Rückstand auf den Aufstiegs-Relegationsplatz nur einen Punkt. Nachdem die Rot-Weißen drei Spiele in Folge gewannen, musste man sich zuletzt zwei Mal in Folge auswärts geschlagen geben und zeigte in diesen Begegnungen nicht die gewohnte Form. Auch beim letzten Sieg gegen den VfL Osnabrück zeigte das Team Schwächen, war allerdings im Abschluss sehr konsequent. Im Folgenden schaut sich liga3-online.de die bisherige Saison von Rot-Weiß Erfurt einmal genauer an.

 Das lief bisher gut: Heimstärke

Die Erfurter zeigten sich in ihren bisherigen sechs Heimspielen als spielstarkes Team. Lediglich der ganz schwache Auftritt gegen den MSV Duisburg musste als große Enttäuschung angesehen werden. Ansonsten liest sich die Bilanz mit vier Siegen und einem Unentschieden gut. Dass die Mannschaft ausgerechnet gegen Wacker Burghausen, die bis zum zehnten Spieltag nur einen Punkt vorzuweisen hatten, nicht über ein Remis hinauskam, war überraschend und unnötig. Auch wenn die Erfurter auf Platz eins der Heimtabelle stehen, fällt auf, dass gegen tiefstehende Gegner viel dem Zufall überlassen wird. Auch gegen die SV Elversberg musste eine Standardsituation herhalten, um den Bann zu brechen. Spielerisch konnte das Team bis dahin nicht überzeugen. Anders sieht es gegen Gegner aus, die versuchen mitzuspielen. Gegen den SV Wehen Wiesbaden konnte das Kollektiv überzeugen und dem damaligen Tabellenführer eine herbe 0:3-Niederlage zufügen. Beim letzten Auftritt in heimischen Gefilden gegen die Osnabrücker zeigte RWE, wie kaltschnäuzig sie sein können. Obwohl der Gegner mehrfach gute Chancen hatte, ging man mit 3:1 als Sieger vom Platz. Es wird interessant zu sehen sein, wie gegen den Tabellenführer aus Heidenheim agiert werden wird.

 Offensive

Erfurt ist nicht nur das heim- sondern auch das offensivstärkste Team der gesamten Liga. Genauso wie die Heidenheimer und Leipziger erzielte die Kogler-Truppe bereits 21 Treffer und blieb lediglich beim Gastspiel bei RasenBallsport ohne eigenen Treffer. Der letzte Saison oft gescholtene Mijo Tunjic fand super in die Saison und profitierte dabei von der System-Umstellung auf zwei Spitzen. Zusammen mit Neuzugang Simon Brandstetter, der keine Anpassungsschwierigkeiten hatte, und dem "Wirbelwind" Aykut Öztürk lief die Angriffsmaschinerie von Beginn an rund. Verstärkt wird der Sturm durch die offensiven Außenverteidiger Rafael Czichos und Luka Odak. Erstgenannter kommt daher schon auf zwei Saisontore und hält Öztürk oft den Rücken frei, damit dieser seine Offensivqualitäten ausspielen kann.

 Das lief bisher nicht gut: Formschwankungen

Wie bereits erwähnt unterliegen die Spieler vom Steigerwald noch zu vielen Schwankungen in ihren Leistungen. Nach gutem Start folgte ein kleines Tief mit Niederlagen in Leipzig und gegen Duisburg sowie dem Unentschieden gegen Burghausen. Um ein Spitzenteam der Liga zu sein, muss gerade in den Heimspielen gegen vermeintlich schwächere Teams die Maximalpunktzahl geholt werden. Auch bei den beiden Auswärtsniederlagen in Stuttgart und Unterhaching war die Leistungs-Diskrepanz zu den Heimspielen zu hoch.

 Auswärtsspiele

Das erste Spiel der Saison bei den Stuttgarter Kickers konnte gewonnen werden, dennoch war die Darbietung des Teams nicht gut. Konnte dies noch auf die Findungsphase der Saison begründet werden, fiel im Laufe der voranschreitenden Spielzeit immer mehr auf, dass das Team in der Fremde durchaus Probleme hat. Das 3:3 in Münster gegen einen vermeintlichen Aufstiegsfavorit muss spätestens jetzt nach dem schwachen Start der Preußen relativiert werden. Mit zwei Toren in Führung liegend, musste man sich mit einer Punkteteilung zufriedengeben, nachdem in der Schlussphase – auch durch einen Platzverweis verschuldet – für keine Entlastung gesorgt werden konnte. Ein Sieg in Kiel, der auch nach Aussagen der Spieler sehr glücklich war, folgten zwei schwache Leistungen. In Unterhaching mussten die mitgereisten Anhänger einen unerklärlichen Leistungsabfall sehen, welcher nach eigener Führung einen Punktgewinn verhinderte. Hier besteht auf jeden Fall noch Steigerungsbedarf. Dennoch darf nie vergessen werden, dass sich die Rot-Weißen in einem Prozess befinden, bei dem viele Junge eine große Rolle spielen und diese noch nicht über die Abgeklärtheit vieler gestandener ehemaliger Bundesliga-Spieler verfügen können.

 Bewertung der Neuzugänge:

 Simon Brandstetter

Der 23-Jährige aus Freiburg gekommene Neuzugang fügte sich problemlos ins Gefüge ein und zählte ab dem Start zu den Leistungsträgern. In seinen bisherigen neun Einsätzen kam er auf vier Tore und zwei Vorlagen. Er ist ständig anspielbar und kann bedingt durch seine körperliche Robustheit den Ball gut gegen seine Gegenspieler abschirmen. Allerdings fällt er nun länger aufgrund einer Leistenoperation aus. Ein Brandstetter in Top-Form ist für jeden Gegner sehr unbequem.

 Stefan Kleineheismann

Der Innenverteidiger kam vom Zwangsabsteiger Offenbach nach Erfurt und erspielte sich in der Vorbereitung einen Stammplatz. Er ist mit seinen Kollegen Czichos und Klewin einer von nur 35 Spielern in der Liga, die keine Minute verpasst haben, was für seine Qualität und das Vertrauen durch das Trainer-Team spricht. Abgesehen von wenigen Fehlern, wie dem zu kurzem Rückpass im Spiel bei RB Leipzig, der noch in Minute eins zum Rückstand führte, spielt er souverän und unaufgeregt.

 Luka Odak

Der rechte Verteidiger, der auch schon beim deutschen Rekordmeister unter Vertrag stand, kam aus Unterhaching und ist nicht aus der Startformation der Erfurter wegzudenken. Auch nach der Verpflichtung von Niklas Kreuzer behielt er seinen Stammplatz. Auch er ist ein Garant für die im Vergleich zum Vorjahr deutlich verbesserte Defensive des Teams. (Vergleich 2012/2013: 22 Gegentore; 2013/2014: 15). Durch seine offensive Art und Weise ist er auch des Öfteren im gegnerischen Strafraum zu finden und setzt seine Mitspieler in Szene.

 Beste Spieler: Aykut Öztürk und Simon Brandstetter

Bei einer Mannschaft, die nach knapp einem Drittel der Saison so gut dasteht, müssen viele Spieler vieles richtig gemacht haben. Dennoch müssen Aykut Öztürk und Simon Brandstetter aus dem Kollektiv hervorgehoben werden. Die beiden Offensivakteure haben durch ihre ständige Gefahr großen Anteil daran, dass RWE den besten Start der Geschichte hingelegt hat. Ständiger Zug zum Tor und die nötige, aber nicht unfaire, Aggressivität machen die Akteure für Trainer Walter Kogler unverzichtbar. Wenn die beiden fehlten, war dies dem Auftreten und dem Spiel des Teams durch fehlende Durchschlagskraft anzumerken. Nach dem Ausfall von Brandstetter waren alle Augen auf den 25-jährigen Öztürk gerichtet, der in den vergangenen sechs Partien an ebenso vielen Toren beteiligt war. Zusammen sind Brandstetter und Öztürk an 13 der 21 Treffer beteiligt.

 Von ihm hätte man mehr erwartet: Nils Pfingsten-Reddig

Der 31-Jährige, der in der Schlussphase der vergangenen Saison aufblühte und mithalf, das Team vor dem Abstieg zu retten, ist so etwas wie der bisherige Verlierer der Saison. Nach eher durchschnittlichen Leistungen zu Beginn, baute er immer weiter ab und war gegen den MSV Duisburg einer der schwächsten Akteure auf dem Platz. Zuletzt war er nicht immer erste Wahl beim Trainer und musste von der Auswechselbank aus das Geschehen verfolgen. Der beidfüßig starke Kapitän des Teams, der mit 189 Spielen der erfahrenste Akteur der 3. Liga ist, wurde in den vergangenen beiden Partien im Sturm eingesetzt, fühlte sich dort aber sichtlich nicht wohl. Da Kevin Möhwald zuletzt durch gute Leistungen im zentralen Mittelfeld auf sich aufmerksam machte, ist nicht sicher, ob Pfingsten-Reddig nach der Wiederkehr von Brandstetter noch gesetzt ist.

 Fazit

Vor der Saison sagte der Verein gegenüber liga3-online.de aus, dass das Ziel der kommenden 38 Spieltage sei, das Team weiter zu entwickeln und "frühestmöglich von den Abstiegsplätzen entfernt" zu sein. Dies wurde bisher mit Bravur gemeistert. In allen Belangen zeigt sich die – im Sommer wieder einmal kräftig durchgewechselte – Mannschaft im Vergleich zum Vorjahr verbessert und bereitet den Anhängern viel Freude.

 Prognose

Wenn das Team mehr Stabilität in seine Auftritte bekommt, dann ist ein Platz im oberen Drittel der Tabelle realistisch. Dennoch warten im weiteren Verlauf der Hinrunde noch Mannschaften wie Heidenheim, Rostock, Dortmund und Darmstadt, die sich als äußerst unbequem darstellen können. Prognose für das Ende der Hinrunde: Platz 6.

FOTO: Marcel Junghanns / Klettermaxe Photographie / Fototifosi

   
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