Zwischenfazit Hansa Rostock: Die Kogge im freien Fall

Dreizehn Spieltage und damit rund ein Drittel der Saison 2014/2015 sind bereits absolviert. Die nun anstehende Länderspielpause nutzt liga3-online.de, um ein erstes Zwischenfazit zu der bisherigen Saison der zwanzig Drittligisten zu ziehen. In der heutigen Ausgabe werfen wir einen Blick auf den F.C. Hansa Rostock. Die Hanseaten befinden sich mit elf Punkten auf dem 16. Tabellenplatz und liegen nur einen Zähler vor den Abstiegsrängen. Acht verlorenen Partien stehen nur drei Siege gegenüber – eindeutig zu wenig für die Ansprüche des FCH.

Das lief bisher gut

Leider überwiegen die negativen Aspekte an der Ostsee mehr, als dass man positive finden kann. Einige gute Ansätze sind aber vielleicht dennoch erwähnenswert: So konnten die Rostocker erstmals am 10. Spieltag einen Heimsieg seit Dezember 2013 einfahren. Der Heimfluch wurde gebrochen. Leider entpuppte sich dieser erhoffte Befreiungsschlag als Eintagsfliege. Alle darauffolgenden Partien wurden verloren. Hervorzuheben ist außerdem, dass sich einige junge Spieler als Leistungsträger entwickelten. Der 20-jährige Dennis Srbeny ließ erfahrene Teamkollegen hinter sich und konnte sich im Mittelfeld einen Stammplatz erspielen. Max Christiansen, mit 18 Jahren jüngster Spieler bei den Profis, überzeugte so sehr, dass ihn Nationalmannschaftstrainer Marcus Sorg in das Aufgebot der deutschen U19 berief, wo er sich mit Startelfeinsätzen etablieren konnte und aktuell um die Qualifikation für die EM 2015 kämpft. Neuen Schwung im defensiven Mittelfeld brachte zudem Aleksandar Stevanovic, der Mitte September verpflichtet wurde. Der Deutsch-Serbe überzeugte beim Heimsieg gegen die Arminen und sorgte auch in den folgenden Partien für Lichtblicke.

Das lief bisher nicht gut

Zwanzig Siege peilte Cheftrainer Peter Vollmann zu Beginn der Saison an. Diese wären eine gute Voraussetzung, „um oben mitzuspielen“. Die Realität sieht anders aus: Hansa ist weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben und befindet sich im freien Fall. Den bitteren Niederlagen zu Hause gegen Halle (0:1), Duisburg (1:3), Wiesbaden (0:1) und gegen die Aufsteiger aus Großaspach (1:3) stehen teilweise peinliche Auswärtsauftritte gegenüber (Stuttgarter Kickers 3:0, Fortuna Köln 1:0, Kiel 2:0). Die Abwehr um Kapitän Christian Stuff wirkte fast in jedem Spiel verunsichert und kassierte bereits 26 Gegentore – nach dem Tabellenletzten Regensburg (28) die zweitmeisten der 3. Liga. Zudem offenbarten die Hanseaten gerade in den zweiten 45 Minuten Konditionsprobleme und Nachlässigkeiten. Siebzehnmal traf der Gegner nach dem Pausentee ins Netz der Rostocker und sieben Punkte verlor man allein in Halbzeit zwei. Wichtige Punkte, die die Hanseaten ins untere Tabellendrittel beförderten.

Der beste Spieler

Es gibt keinen Spieler bei der Kogge, der in allen dreizehn absolvierten Partien konstant spielte und herausstach. Lichtblicke sind, wie bereits erwähnt, die jungen Talente Max Christiansen und Dennis Srbeny, die sich zu Stammkräften entwickelten. Einen Glanzpunkt setzte auch Stürmer Marcel Ziemer mit seinen vier Treffern beim 4:4 in Regensburg. Aber eben nur einen Glanzpunkt. Danach sah man von ihm – bis auf den verwandelten Foulelfmeter in Mainz – nicht mehr viel.

Der schwächste Spieler

Das Team! Hier jemanden besonders hervorzuheben, wäre kontraproduktiv, da die Mannschaft als Ganze in acht von dreizehn Spieltagen versagte. Die Defensive inklusive Torwart agierte oft verunsichert und kassierte zu viele Gegentore, das Mittelfeld überzeugte nur selten mit spielerischen Momenten und auch die Offensive agierte bisweilen glücklos.

Fazit

Anspruch und Wirklichkeit klaffen an der Ostsee wie auch schon in den vergangenen Jahren weit auseinander. Die Mannschaft um Peter Vollmann besitzt vor allem in der heimischen DKB-Arena kein Selbstvertrauen, wirkt verunsichert und agiert einfach zu oft plan- und ideenlos. Nach einem Sieg erfolgte immer wieder die Ernüchterung – nie konnte der Schwung, den drei Punkte mit sich bringen, auf den nächsten Spieltag gerettet werden. Die Fans der Kogge straften dies mit Liebesentzug: Am 10. Spieltag besuchten nur noch 6.500 Anhänger die Partie der Kogge gegen Bielefeld. Negativrekord. Ein existenzbedrohendes Szenario, sollte nicht bald die lang ersehnte Wende geschafft werden.

Prognose

Ganz zentrale Grundtugenden, wie Leidenschaft, Einsatz und Kampf, die den Fußball ausmachen, sollten bei Hansa wieder im Vordergrund stehen. Jeder Spieler muss sich zu hundert Prozent mit seinem Job bei der Kogge identifizieren und dies auf dem Platz beweisen. Ein Lichtblick wäre es zudem, wenn sich die lange Verletztenliste um Fardi, Grupe, Pelzer, Starke, Savran, Srbeny der Hanseaten schnell wieder lichtet. Zu guter Letzt bleibt einfach zu hoffen, dass jede Negativserie irgendwann einmal reißt…

FOTO: Sebastian Ahrens / rostock-fotos.de

   

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