Zwischen Entwicklung und Rückfall: Duisburgs Reifeprozess

Vor vier Wochen kassierte der MSV Duisburg eine 1:6-Niederlage in Wiesbaden. Danach war klar, dass die Zebras im Aufstiegskampf ihre Lehren aus dem Ergebnis ziehen mussten – und Cheftrainer Dietmar Hirsch reagierte. Es gab Lösungsansätze, wenngleich nicht alles funktionierte. Doch was war dann plötzlich wieder in Rostock los? Der MSV steckt im Reifeprozess. Ein Kommentar.

Ausfall von Bulic tut weiter weh

Es sieht ein bisschen so aus, als hätte Duisburg nach der Klatsche in Wiesbaden nichts dazugelernt. Fünf Dinger kassierten die Zebras an der Ostsee, was schon wieder zu einer deftigen Niederlage gegen einen direkten Konkurrenten im Aufstiegskampf führte. Das schläfrige Abwehrverhalten, die Besetzung der Doppelsechs, die verlorene Lockerheit – das waren alles Themen, die der MSV in den letzten Tagen deswegen öfter lesen musste. Aber zwischen den Partien lagen Ansätze, die honoriert werden sollten. Schließlich sammelte Duisburg nach Wiesbaden zunächst acht Punkte in vier Spielen ein, was sogar nur die Minimalausbeute war. Gegen Havelse wäre gut und gerne ein Schützenfest drin gewesen.

Fakt ist, dass der Ausfall von Rasim Bulic wehtut. Der Sechser wird im Duisburger Umfeld als positiv verrückt wahrgenommen, weil er sein Herz in jeder Situation auf dem Platz lässt. Im Zweifelsfall grätscht der 25-Jährige in alles rein, was er wegen einer Muskelverletzung zuletzt nicht tun konnte. Aber Cheftrainer Dietmar Hirsch erkannte die Problematik auf der Doppelsechs und suchte Lösungen, bis er Steffen Meuer zurück in die Startelf holte – und neben Leon Müller, der den "zerstörerischen" Part übernahm, hob er sich mit einem Tor und einer Vorlage hervor. Das Nachsehen hatte Winter-Neuzugang Aljaz Casar, sodass bei einer Rückkehr von Bulic denkbar ist, dass das Duo Bulic/Meuer bleibt. So, wie es zu Saisonbeginn in der besten Phase des MSV war.

Jeder Fehler könnte entscheidend sein

Das Abwehrverhalten in Rostock wirft dennoch Fragen auf, denn fehlende Qualität konnte es nicht sein. Aus der Stammbesetzung der Viererkette dürfte jeder MSV-Verteidiger ein Kandidat für eine Elf des Jahres sein, wenn diese jetzt schon gewählt werden würde. Wie kommt es also dazu, dass Joshua Bitter seinen Gegner völlig unbedrängt flanken lässt? Oder Alexander Hahn in der Mitte die wichtigen Kopfballduelle vermehrt verliert? Wie kann das sein, dass der MSV in Rostock einen direkten Eckentreffer kassiert? Patrick Sussek oder Leon Müller konnten bei weiteren Gegentreffern auch nicht mehr entscheidend eingreifen, obwohl sie am Mann waren.

Die Aufzählung der Namen zeigt, dass es kein Einzelproblem beim MSV ist. Niemand ist der Sündenbock, sondern das kollektive Abwehrverhalten ist gefragt. In Rostock stellten sich die Duisburger schlichtweg doof an, so ehrlich wird jeder sein. Bei aller Qualität der Kogge, die niemand unterschlagen will, ging das dann schief. Ob Naivität oder Nervosität spielt keine Rolle, solange die Sinne geschärft werden. Eine leidige Fußballfloskel, die es aber nicht ohne Grund gibt.

Ruhe und Souveränität gefordert

Klar, es geht jetzt um etwas. Jeder Fehler in diesem wahnsinnig engen Aufstiegsrennen könnte der Fehler sein, der entscheidet. Selbst, wenn es am Ende nur um die Tordifferenz geht. Deswegen betont Hirsch seit Wochen, dass der MSV ausschließlich positiven Druck verspürt – um seinen Spielern die Sorgen zu nehmen, etwas zu verspielen. Nun wird er zusätzlich darauf achten, dass der Frust nicht wächst. Jetzt geht es um den finalen Reifeprozess. Die Zebras haben erfahrene Spieler – besonders in der Abwehrreihe -, die Ruhe und Souveränität ausstrahlen können und müssen. Besonders in Auswärtsspielen wird das gefordert sein, denn da verbesserten sich die Meidericher seit der letzten Klatsche nicht wesentlich.

   

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