Zwei Black-Outs: Rot-Weiß Erfurt schlägt sich selbst

Es gibt verdiente Niederlagen und es gibt unnötige. Zu Letzterem kann das 0:2 aus Erfurter Sicht gegen RB Leipzig gezählt werden. Gegen die leicht favorisierten Messestädter hielten die Rot-Weißen tapfer mit und konnten das Spiel offen gestalten. Durch zwei Missverständnisse stand man nach 90 Minuten jedoch mit leeren Händen da und darf allmählich den Blick nach unten nicht vergessen. Die Mannen von Walter Kogler kamen gut in die Partie und hätten nach sieben Minuten durch ihren Kapitän Nils Pfingsten-Reddig auch in Führung gehen können, doch der Schlenzer aus rund 20 Metern verfehlte das Tor der Gäste knapp. Im Anschluss jedoch verloren die Erfurter mehr und mehr den Faden. "Wir haben uns zu wenig zugetraut und hatten auch einen gewissen Respekt vor dem Namen, der da kam", zog der 31-Jährige nach dem Spiel Bilanz.

Zerfahrenes Spiel in Halbzeit eins – glückliches Tor für RB

Die über 11.000 Zuschauer im Erfurter Steigerwaldstadion sahen wahrlich keinen Leckerbissen. Zu viele Fehlpässe auf beiden Seiten und zahlreiche Foulspiele ließen einen Spielfluss nicht zustande kommen. Die Spieler von Coach Alexander Zorniger konnten aufgrund der über weite Strecken guten Verteidigung der Erfurter nur selten ihr Spiel aufziehen, zeigten aber den technisch anspruchsvolleren Fußball. Der Führungstreffer für die Sachsen kam jedoch eher unerwartet und resultierte aus einem Missverständnis zwischen RWE-Keeper Philipp Klewin und Innenverteidiger Stefan Kleineheismann. Nach einem Schuss von Georg Teigl waren sich beide Akteure uneins: Kleineheismann machte Platz, damit Klewin den Ball aufnehmen konnte, dieser verließ sich wiederum auf seinen Mitspieler. Nutznießer war Dominik Kaiser, der den Ball im zweiten Versuch artistisch über die Linie bugsierte und dem starken Klewin keine Chance ließ. "Wenn du gegen RB Punkte holen möchtest, darfst du nicht zu passiv sein und keine Fehler machen" sagte ein sichtlich enttäuschter Kogler nach dem Spiel.

Allgemein war er mit dem Auftreten seines Teams in Halbzeit eins nicht zufrieden. Die Intensität und Akzente im Spiel haben dem Österreicher gefehlt: "Wir haben nur auf den Gegner reagiert." Im zweiten Durchgang steigerte sich seine Mannschaft und war bissiger, was dem gebürtigen Wolfsberger gefiel. "Wir waren in der 2. Halbzeit viel viel besser und konnten auch eine gewisse Präsenz ausstrahlen.  Die Jungs haben gekämpft, das kann man keinem absprechen." Durch Mijo Tunjic, der freistehend aus elf Metern vergab (48.), war der Ausgleich durchaus im Bereich des Möglichen. Allerdings fiel erneut auf, dass RWE im Aufbauspiel sehr große Probleme hatte und das Toreschießen in den letzten Wochen fast verlernt hat (vier Tore in sieben Spielen). Gut herausgespielte Torchancen waren abermals Mangelware. Als die Thüringer die Partie so langsam in den Griff bekamen, verletzte sich RB-Schlussmann Erik Domaschke und musste ausgewechselt werden.

Kogler: Die Spieler machen auch mal Fehler

Diese Unterbrechung führte jedoch zu einem Bruch im Spiel. Erfurt konnte nicht mehr den Druck aufbauen und musste durch eine erneut äußerst unglückliche Szene das 0:2 hinnehmen: "Ich habe den Zuruf, dass hinter mir jemand steht, erst zu spät gehört", schilderte der Unglücksrabe Kleineheismann die Situation. Nachdem er von Klewin den Ball zugespielt bekam, kam der schnelle Kaiser von hinten angerannt und schnappte sich das Spielgerät. Nachdem er im Strafraum von seinem Gegner zu Fall gebracht wurde, zeigte Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus auf den Punkte – Kapitän Daniel Frahn verwandelte unhaltbar und machte den Auswärtserfolg somit perfekt (72.). "Man muss das zur Kenntnis nehmen, dass die Spieler auch mal falsche Entscheidungen treffen – das war heute zwei Mal der Fall", so Kogler. Danach fiel den Hausherren nicht mehr viel ein. Bezeichnend war, dass Keeper Benjamin Bellot nach seiner Einwechslung in Minute 70 abgesehen von einem Freistoß durch Marco Engelhardt in der Nachspielzeit nicht geprüft wurde.

So gingen die Rot-Weißen als Verlierer vom Platz, obwohl ein Unentschieden sicherlich gerecht gewesen wäre. Leipzig war die reifere Mannschaft, Erfurt kam über den Einsatz ins Spiel, belohnte sich durch die zwei Fehler allerdings nicht.Der Abstand auf Rang drei, den der SV Darmstadt 98 aktuell innehat, beträgt momentan nur sechs Zähler. Aber nach nur fünf Punkten aus den letzten sieben Partien darf auch der Blick in den Tabellenkeller nicht vergessen werden.Der Abstand auf Tabellenplatz 18 beträgt sieben Punkte. Und nun stehen mit den Gastspielen beim MSV Duisburg und dem SV Wehen Wiesbaden zwei unangenehme Duelle auf dem Programm.

 

RWE-Kapitän Nils Pfingsten-Reddig:

Herr Pfingsten-Reddig, wie ist die Niederlage zu erklären?

Das 0:2 war auch wieder ein Missverständnis. Im Endeffekt hat man sich die zwei Gegentore selber hineingelegt.

War Ihre Auswechslung taktisch bedingt, oder lag eine Verletzung vor?

 

RWE-Trainer Walter Kogler (Die Fragen wurden vom vereinseigenen Radio gestellt):

Herr Kogler, woran hat es heute gelegen, dass das Spiel verloren wurde?

Zwei individuelle Fehler haben zu den Gegentoren geführt. Ist man noch angefressener, wenn solche Situationen zu den Gegentoren führen?

 

FOTO: GEPA Pictures

   
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