Zimmermann muss auch für Fehler anderer bezahlen

Nach der 1:2-Heimniederlage am Freitagabend gegen den SV Meppen ging es beim FC Carl Zeiss Jena ganz schnell. Bereits am Samstagvormittag wurde Trainer Mark Zimmermann freigestellt. Die Fakten der vergangenen Monate sprechen gegen ihn. Doch er muss seinen Kopf auch für die Fehler anderer handelnder Personen im Verein hinhalten. Ein Kommentar.

Über 25 Jahre im Verein

Er war und ist eines der Gesichter des Vereins: Mit 14 Jahren kam Mark Zimmermann zum FC Carl Zeiss Jena, war mit Unterbrechungen ebenso viele Jahre als Spieler aktiv. Darauf folgten über elf Jahre als Trainer in unterschiedlichen Funktionen bei der U19, der zweiten Mannschaft und den Profis. Im Sommer 2017 gelang Zimmermann nach nur einem Jahr der lang ersehnte Aufstieg mit den Profis in die 3. Liga. Am Samstag endete seine Zeit beim FCC – vorerst.

Die nackten Zahlen der vergangenen Monate sprechen klar gegen ihn: Zuletzt holte die abstiegsbedrohte Mannschaft nur sieben Punkte aus 13 Spielen, schaffte es nur einmal zu gewinnen. Dabei war der Saisonstart mit zehn Punkten aus fünf Partien noch vielversprechend. Doch letztlich folgte der Verein nur den Gesetzen des Fußballs, als er Zimmermann und dessen Co-Trainer Martin Ullmann von deren Aufgaben entband.

Allerdings war Zimmermann bereits vor der Saison klar, dass es mit dem Klassenerhalt schwer wird. Doch nach den Abgängen von Timmy Thiele und Jan Löhmannsröben, die beide zu Absteiger Kaiserslautern wechselten, verpasste es der Klub, für entsprechenden Ersatz zu sorgen. Julian Günther-Schmidt wurde erneut vom FC Augsburg ausgeliehen, fiel jedoch wegen eines Innenbandrisses im Knie lange aus. Ersatz im defensiven Mittelfeld gab es keinen. Zudem wusste Zimmermann um den dringenden Bedarf eines erfahrenen Innenverteidigers. Auch auf dieser Position konnte der FCC keinen Erfolg vermelden.

Sportdirektor Verhoene trifft große Mitschuld

Deshalb muss auch dringend über Sportdirektor Kenny Verhoene gesprochen werden. Der 45-Jährige wirkte schon in der Vergangenheit oftmals wie ein Fremdkörper im Verein, stand wegen wochenlanger Abwesenheit während der Saison durch Urlaube in der Kritik und hat seine Aufgabe, eine drittliga-taugliche Mannschaft zusammenzustellen, nicht erfüllt. Seine Verpflichtungen waren insgesamt nicht die nötige Verstärkung, zudem ist ausgerechnet die Defensive das große Sorgenkind: In den vergangenen drei Partien gab es zwölf Gegentreffer. Nur zweimal blieb Jena in der bisherigen Saison ohne Gegentor. Einige Spieler haben nachweislich nicht das nötige Niveau für die Liga oder sind – wie zum Beispiel Dennis Slamar oder Guillaume Cros – nicht in der notwendigen Form. Zudem halten sich die Gerüchte, Verhoene habe Michael Schüler ohne Zustimmung des Trainers verpflichtet. Der Innenverteidiger spielte nur 21 Minuten.

Natürlich hat auch Mark Zimmermann Aktien am aktuellen Negativ-Lauf des FCC. Das Team wirkte nach Führungen verunsichert. Sicherlich fürchteten die Entscheidungsträger, dass Zimmermann einige Spieler nicht mehr erreichte oder die Rückendeckung fehlte. Doch kann es niemanden im Verein verwundern, dass eine Mannschaft, die nicht nach den Vorstellungen und Wünschen des Trainers zusammengestellt wurde, im Tabellenkeller steht und ernsthaft um den Verbleib in der Liga zittern muss.

Zimmermann musste ausbaden, was anderen Personen verbockt hatten. Die Entlassung Zimmermanns ist aus Ergebnis-Sicht nachvollziehbar. Doch wäre der Verein konsequent, müsste er auch Verhoene mit vor die Tür setzen. In den sozialen Netzwerken laufen viele Fans Sturm, kritisieren die Vereinsführung um Präsident Klaus Berka und Geschäftsführer Chris Förster. Auch sie trauern um die Identifikationsfigur des Klubs und zählen Verhoene an. Doch der wird (wohl) bleiben…

 

   
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