Kwasi Okyere Wriedt im Interview: "Ich lebe meinen Traum"

Im Interview mit liga3-online.de spricht Kwasi Okyere Wriedt vom VfL Osnabrück über seinen Spitznamen, die schnelle Akklimatisierung in der 3. Liga und spricht über seinen Karriereplan.

[box type="info"]Hintergrund: Der 22-jährige Stürmer kam in der Sommerpause von Viertligist Lüneburger SK Hansa an die Bremer Brücke und stand bisher in allen fünf Partien auf dem Platz. In der letzten Saison war Wriedt mit 23 Toren in 34 Spielen der Top-Torjäger der Regionalliga Nord.[/box]

liga3-online.de: Hallo Herr Wriedt! Oder sollen wir „Otschi“ sagen? Ihr Spitzname lautet schließlich so. Das hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass kaum jemand Ihren Doppelnamen fehlerfrei aufsagen kann…

Kwasi Okyere Wriedt: Otschi werde ich schon seit dem Kindergarten genannt. Richtig wird es „Kwasi Otschier“ ausgesprochen, aber das sagt wirklich kaum jemand. Otschi ist mir deutlich lieber, da weiß jeder auch sofort, wer gemeint ist. (schmunzelt)

Vor diesem Sommer war Ihr Name höchstens gewieften Fußballexperten ein Begriff: Höher als in der Regionalliga Nord hatten Sie zuvor nicht gespielt. Beschreiben Sie doch kurz ihren fußballerischen Werdegang über den Lüneburger SK Hansa und die Jugend des FC St. Pauli.

Ich bin gebürtiger Hamburger und habe meine Heimat bis zum Wechsel nach Osnabrück eigentlich nie verlassen. Früher habe ich wie wohl jeder andere in den Jugendteams lange gehofft, einmal am Millerntor für den FC St. Pauli spielen zu dürfen. Aufgrund verschiedener Umstände hat sich das aber leider nie ergeben, sodass ich den Umweg über Lüneburg eingeschlagen habe.

Es folgte nach einer überaus erfolgreichen Spielzeit mit Lüneburg, Sie wurden immerhin mit 23 Treffern Torjäger in der RL Nord, der Schritt in die 3. Liga. Wie lange mussten Sie überlegen und warum fiel die Wahl auf den VfL Osnabrück?

Sicherlich hatte es nach der guten Saison von mir einige Angebote gegeben, die ich sondiert habe. Für mich kam allerdings nicht infrage, direkt in die 2. Bundesliga zu wechseln – da wären meine Aussichten auf einen Stammplatz sicherlich nicht so hoch gewesen wie in der 3. Liga. Die Wahl fiel auf den VfL Osnabrück, weil sich Joe Enochs und Co. schon im Januar erstmalig um mich bemüht haben. Dort fühlte ich mich gleich richtig aufgehoben, das Bauchgefühl stimmte. Das war mir wirklich wichtig.

Bereuen Sie nach etwa zwei Monaten bei den Lila-Weißen irgendetwas an dieser Entscheidung? Wie wurden Sie aufgenommen?

Überhaupt nichts! Alles funktioniert super und ich bin sehr zufrieden. Die Mannschaft ist intakt und ich denke, das zeigt sie auch jeden Spieltag auf dem Rasen. Nun gut, das Spiel bei Werder Bremen wollen wir einmal herausnehmen, da haben wir viele Fehler gemacht. Aber: Auch dort haben wir trotz des hohen Rückstandes nie aufgesteckt, noch zwei Tore gemacht. Die Moral stimmt und aus den Fehlern wollen wir lernen.

Wie haben Sie, wie hat der Kader den plötzlichen Abschied von David Pisot wahrgenommen? Wie hat er sich verabschiedet? Er hinterlässt schließlich eine gewichtige Lücke in der Abwehr. Und wie Sie bereits ansprachen, hagelte es in Bremen sofort vier Gegentore.

Trainer Joe Enochs hat uns über den Wechsel von Dave Pisot informiert. Natürlich waren wir überrascht, respektieren aber seinen Wunsch, nochmal in der 2. Bundesliga anzugreifen. Der Verein hat mit der Verpflichtung von Marcel Appiah schnell reagiert und war auf eine derartige Situation gut vorbereitet. Damit ist das Thema für das Team auch erledigt. Außerdem haben wir mit Tobias Willers einen weiteren erfahrenen Innenverteidiger mit Qualität, der auch gleich in Bremen ein Tor erzielte. Die vier Gegentore in Bremen lagen nicht allein am Defensivverbund, sondern an allen Akteuren auf dem Platz – angefangen bei uns Stürmern, schließlich verteidigen wir als Mannschaft!

Zurück zur Aktualität und einer ganz persönlichen Frage: Lassen sich Ihrer Meinung nach die Regionalliga Nord und die 3. Liga überhaupt in irgendeiner Form miteinander vergleichen?

Der Sprung ist schon ziemlich groß, und das in vielen Belangen. In Lüneburg kamen um die 500 Zuschauer zu regulären Spielen, bei wenigen Highlights waren es vielleicht auch mal 1000 Leute. Jetzt in Osnabrück kommen regelmäßig fast 10.000 Fans und die Stimmung ist erstklassig. Da freut man sich gleich doppelt, auf den Rasen zu laufen.

Der Start in die Saison verlief erfolgreich. Auf den Derbysieg in Münster folgte unter anderem der Heimerfolg gegen den 1. FC Magdeburg – Sie waren mit zwei Vorlagen mittendrin und durften anschließend mit den Fans feiern. Wie ist dieses Gefühl eines jungen Spielers, der dieses Erlebnis bisher kaum kannte, zu beschreiben?

Ich lebe meinen Traum, Profifußballer zu werden. Gerade ist eine Zeit gekommen, in der sich der lange und harte Weg auszahlt und man die Momente wirklich genießen kann. Zeitgleich darf ich mich darauf nicht zu lange ausruhen, die Konkurrenz im Team ist bekanntermaßen groß. Als „Neuer“ aus der Regionalliga muss man sich seinen Stellenwert und Rang erst erarbeiten, das klappt nicht in wenigen Wochen.

Sie werden sich sicherlich insgeheim ein Ziel gesetzt haben, wohin die Reise mit dem VfL Osnabrück führen soll. Oder gar eine Art „Karriereplan“ haben, wie es nach Wunschvorstellung laufen soll…

Früher oder später träumt jeder Spieler einmal davon, in der 2. Bundesliga oder gar noch höher spielen zu können. Wie ich vorhin schon erwähnt habe, möchte ich mich bewusst Schritt für Schritt weiterentwickeln, weil ich darin meine besten Entwicklungsmöglichkeiten sehe. Ich bin schließlich erst 22 Jahre alt und habe hoffentlich noch einige Jahre vor mir. Das soll natürlich nicht heißen, dass ich nicht gerne so schnell wie möglich den Sprung schaffen wollen würde.

Warum nicht mit dem VfL Osnabrück? Das Umfeld lechzt für gewohnt nach mehr, zumal die Lilaweißen in den letzten Jahren teils sehr unglücklich den Wiederaufstieg in die 2. Bundesliga verpasst hatten. In der letzten Saison war es auch ziemlich knapp, das wissen Sie sicherlich.

Das wäre ein absoluter Traum. In der Liga gibt es allerdings einige starke Konkurrenten. Zum Beispiel den MSV Duisburg, gegen den wir bereits gespielt haben. Die lassen den Ball schon sehr ordentlich laufen und werden eine gute Rolle spielen. Überhaupt ist diese Spielklasse, das wird schnell klar, total ausgeglichen und für Prognosen ist es zu früh.

 

 
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