"Wird das Einfachste": Koschinat trotz bitterer Pleite ohne Sorgen
Sie ist auf überaus dramatische Weise nach sieben Spielen gerissen, die Siegesserie von Rot-Weiss Essen. Doch obwohl RWE in Cottbus nach einer 3:1-Führung noch mit 3:5 unterlag und damit einen großen Schritt Richtung Aufstieg verpasste, machte sich Trainer Uwe Koschinat für das Saisonfinale keine Sorgen – und sprach Energie, Tolcay Cigerci und den FCE-Fans ein Sonderlob aus.
"Unfassbare Wucht im Stadion"
Bis zur 73. Minute war die Welt von Rot-Weiss Essen absolut in Ordnung: Safi (21.), Müsel (39.) und Janssen (53.) hatten eine 3:1-Führung herausgeschossen, sodass der achte Sieg in Folge zum Greifen nahe war. Auf sieben Punkte hätte RWE den FC Energie distanziert, was ein großer Schritt Richtung Aufstieg gewesen wäre. Doch was dann passierte, war an Wahnsinn kaum zu überbieten: Binnen neun (!) Minuten drehte Cottbus die Partie und setzte sich am Ende mit 5:3 durch. Trainer Uwe Koschinat schrieb das vor allem der "unfassbaren Wucht im Stadion" sowie "wahnsinnig guten Wechseln" der Lausitzer zu, wie er bei "MagentaSport" sagte.
"Auf einem normalen Sportplatz hätte Cottbus das Spiel vielleicht nicht mehr gedreht. Aber schauen Sie sich an, was hier los ist. Kompliment an jeden einzelnen Fan. Das ist fantastisch, das treibt an, bringt Spieler noch mal über einen Punkt drüber und beeindruckt den Gegner." Auch RWE. "Wir haben leider Gottes die Außenposition nicht mehr zu bekommen." Über die rechte Abwehrseite kam auch der Elfmeter in jener 73. Minute zustande, der die Partie kippen ließ. "Der Strafstoß hat Energie zurück ins Spiel geholt, und dann hat die Partie eine eigene Dynamik angenommen, die man aus diesem Stadion kennt. Das hat uns die Beine weggezogen."
Zweifel an Elfmeter und Lob für Cigerci
Wobei Koschinat nach einem Spiel auf "allerhöchstem Drittliga-Niveau" leise Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Elfmeters hegte, nachdem Engelhardt gegen Schultz zu Fall gekommen war. "Er sieht ihn nicht." Zudem sei es "mindestens die achte Situation" gewesen, in der ein Cottbuser Spieler versucht habe, "einen Strafstoß zu schinden", so Koschinat. "Dadurch ergibt sich diese Situation, das müssen wir anerkennen. Der Schiedsrichter kann ja nicht mehr machen als nicht pfeifen. Insofern haben wir da den Preis bezahlt für den Mut der Cottbusser, immer wieder in den Strafraum zu gehen und dann einfach alles rauszuholen, was möglich ist, um das Spiel noch zu drehen." Auch Schultz selbst meinte: "Er schmeißt sich von hinten rein und dann gibt es Kontakt in beide Richtungen."
Weil auch das 2:3 aus einem ruhenden Ball resultierte (78.), sprach Koschinat davon, dass die Standardsituationen RWE "gekillt" hätten. "Dann muss man auch anerkennen, dass wir diese Dynamik nicht mehr aufhalten konnten." Hinzukam ein überragender Tolcay Cigerci, der nicht nur das 2:3 und 3:3 erzielte, sondern auch noch das 4:3 – und das durch ein Traumtor aus 20 Metern (82.). "Es gibt ein paar Fußballer, die gehören nicht in diese Liga. Cigerci gehörte dazu. Es ist schon brutal, mit welcher Körpersprache dieser Spieler unterwegs ist und welche individuellen Qualitäten er hat", zollte Koschinat Respekt und sprach von einem "phänomenalen" und "brutalen" Tor. "Das muss man dann auch einfach mal anerkennen."
"Haben Resilienz gezeigt"
Doch so bitter die erste Niederlage seit Februar und verpasste Chance im Aufstiegsrennen auch war: Die Mannschaft in den nächsten Tagen nun wieder aufzurichten, werde nach Koschinats Auffassung "das Einfachste überhaupt". Die Erklärung dafür lieferte der 54-Jährige direkt mit: "Wir haben Resilienz gezeigt und uns 70 Minuten lang nie beeindrucken lassen." Phasenweise habe RWE "dermaßen kontrolliert gespielt, dass wirklich eine Überlegenheit spürbar war". Im Endspurt muss RWE auswärts zudem nicht mehr in einem Hexenkessel ran wie in Cottbus. Stattdessen soll die Wucht der Hafenstraße dazu genutzt werden, eine ähnliche Energieleistung an den Tag zu legen. "Deswegen macht mir das überhaupt keine Sorgen, weil der Auftritt meiner Mannschaft hervorragend und autoritär war." Zumindest bis zum Elfmeter.
Schultz sah das ganz ähnlich: "Wir haben in den letzten anderthalb Jahren schon ganz andere Situationen gehabt und überstanden." Zwar müsse die Partie nun aufgearbeitet werden, "aber dann heißt es: Stabil bleiben, aufrichten und Brust raus. Wir sind noch immer in einer guten Position und immer noch vor Cottbus. Daher bin ich trotzdem positiv." An der heimischen Hafenstraße soll am nächsten Samstag gegen den 1. FC Saarbrücken wieder ein Sieg her, um den zweiten Tabellenplatz zu verteidigen. Wenn nötig mit einer Willensleistung. "Wir müssen immer daran glauben und dürfen niemals aufgeben", so Koschinat. Schließlich hat RWE den Aufstieg noch immer in eigener Hand.