Kommentar: Warum der erneute Absturz der Löwen mit Ansage kam
Der zweite Zwangsabstieg innerhalb von neun Jahren ist für den TSV 1860 München weit mehr als nur ein sportlicher oder wirtschaftlicher Rückschlag. Er ist der endgültige Beweis dafür, dass die strukturellen Probleme des Klubs bis heute nicht gelöst wurden. Wer gehofft hatte, die Ereignisse von 2017 würden sich nicht wiederholen, sieht sich nun eines Besseren belehrt. Von einem Betriebsunfall kann jedenfalls keine Rede sein, stattdessen kam der erneute Absturz mit Ansage. Ein Kommentar.
Löwen immer noch in derselben Abhängigkeit
Natürlich wird in den kommenden Tagen die Schuldfrage gestellt werden. Der Verein macht Investor Hasan Ismaik und dessen Unternehmen für das Scheitern der Rettung verantwortlich, verweist auf nicht eingehaltene Finanzierungszusagen und Forderungen, die aus Sicht des Klubs mit der 50+1-Regel nicht vereinbar gewesen seien. Die Investorenseite wiederum dürfte ihre eigene Sicht der Dinge präsentieren. Juristen werden sich möglicherweise noch lange mit den Vorgängen beschäftigen. Doch unabhängig davon greift es zu kurz, die Verantwortung allein auf eine Person oder eine Seite zu schieben.
Denn die eigentliche Tragik besteht darin, dass sich die Löwen auch neun Jahre nach dem ersten Zwangsabstieg 2017 noch immer in derselben Abhängigkeit befinden. Wieder entscheidet nicht das Geschehen auf dem Platz über die Zukunft des Vereins, sondern ein Machtkampf zwischen den Gesellschaftern. Wieder geht es um Darlehen, Fristen, Verträge und gegenseitige Vorwürfe. Und wieder sind es am Ende die Fans, Mitarbeiter und Spieler, die die Konsequenzen tragen müssen.
Der Investor bleibt, die Konflikte bleiben
Besonders bitter: Anders als 2017 wird diesmal keine Aufbruchsstimmung aufkommen. Damals verband sich der Gang in die Regionalliga mit der Rückkehr ins Grünwalder Stadion und der Hoffnung auf einen Neuanfang. Diesmal überwiegt Ernüchterung. Der Investor bleibt, die Konflikte bleiben – und damit auch die Unsicherheit über die Zukunft des Klubs. Selbst die sportliche Perspektive ist völlig offen. Nur acht Spieler besitzen Verträge für die Regionalliga, ein großer Umbruch steht bevor.
Der Zwangsabstieg sollte deshalb als Warnsignal verstanden werden. Nicht nur für 1860 München, sondern für den gesamten Profifußball. Wenn ein Traditionsverein mit dieser Strahlkraft innerhalb weniger Jahre zweimal an wirtschaftlichen und strukturellen Problemen scheitert, dann liegt das Problem tiefer als in einer einzelnen gescheiterten Verhandlung. Es fehlt an Verlässlichkeit, an einer gemeinsamen Strategie und letztlich an einer Führung, die das Wohl des Vereins über Machtfragen stellt.
Es braucht einen Neustart
Die Regionalliga ist für den TSV 1860 München nicht das eigentliche Problem. Das eigentliche Problem ist, dass der Klub erneut dort landet, obwohl alle Beteiligten die Folgen eines Scheiterns seit Jahren kannten. Der zweite Zwangsabstieg ist deshalb kein Betriebsunfall. Er ist das Ergebnis eines Konflikts, der nie wirklich gelöst wurde. Ob die Löwen diesmal die richtigen Konsequenzen ziehen, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.
Klar ist aber schon jetzt: Ein bloßer Neustart in der Regionalliga wird nicht reichen. Solange die grundlegenden Streitpunkte zwischen den Gesellschaftern bestehen bleiben, droht die Gefahr, dass sich die Geschichte irgendwann erneut wiederholt. Der TSV 1860 München braucht daher nicht nur eine sportliche, sondern vor allem eine strukturelle und wirtschaftliche Neuaufstellung. Andernfalls bleibt der zweite Zwangsabstieg nicht das Ende eines langen Leidenswegs – sondern lediglich das nächste Kapitel.