"Wir haben die Schnauze voll": Große Fan-Wut bei Dynamo

Sie wird immer größer, die Krise bei Dynamo Dresden. Nach dem 0:2 gegen Viktoria Köln und dem fünften sieglosen Spiel in Folge sind die Sachsen vorerst am Tiefpunkt angekommen. Wütende Fan-Reaktionen nach Spielende waren die Folge. Einmal mehr stellt sich zudem die Frage nach der Zukunft von Trainer Markus Anfang.

Feuer im K-Block nach Spielende

Es brennt bei Dynamo! Und das aufgrund der Negativserie nicht nur sprichwörtlich, sondern nach Abpfiff der Partie gegen Viktoria Köln auch buchstäblich. So hatten Fans im K-Block mehrere Papptafeln, die vor Spielbeginn für eine Choreo verwendet worden waren, in Brand gesteckt und damit für ein kleineres Feuer gesorgt. Das war aber längst nicht die einzige Reaktion der Anhänger auf die Niederlage. Denn als die Mannschaft vor den Block kam, schlugen ihr gellende Pfiffe sowie lautstarke "Wir haben die Schnauze voll"-Gesänge entgegen. Dass viele Fans das Stadion bereits vor dem Abpfiff verlassen hatten, war ebenfalls ein deutliches Zeichen des Frusts. Zumal dieses Mal auch die Leistung alles andere als ansprechend war. Von der Dominanz der letzten Wochen war nicht viel zu sehen.

"Ich bin ein bisschen enttäuscht heute. Wir haben es nicht geschafft, eine gewisse Durchschlagskraft zu erzeugen", zeigte sich Trainer Markus im Interview mit "MagentaSport" ebenfalls nicht einverstanden mit dem Auftritt. "Wir haben uns so viel vorgenommen, doch das ist bei den Jungs nicht so rübergekommen. Die eine oder andere Situation hätten wir besser lösen müssen", übte er Kritik. Es sei auch gar nicht wichtig, "was ich für Ideen habe – es geht um die Umsetzung", schimpfte Anfang. "Dann ist egal, was für Ideen du hast. Wir spielen nicht anders als letztes Jahr. Nur machen wir die Tore nicht." Näher ins Detail gehen wollte der 49-Jährige unmittelbar nach dem Spiel zwar nicht, meinte aber: "Jeder muss sich Gedanken machen." Für die Reaktion der Anhänger hatte der Anfang indes Verständnis und meinte sogar: "Wenn das ein Spieler nicht verkraften kann, nachdem uns die Fans die ganze Saison fanatisch unterstützt haben, ist er komplett falsch hier. Das muss man akzeptieren. Es tut mir extrem leid für die Fans."

Ärger über nicht gepfiffenes Foulspiel vor 0:1

Neben eigenem Unvermögen kam auch wieder mal Pech bei Schiedsrichter-Entscheidungen hinzu, als vor dem 0:1 ein Foulspiel von Russo an Zimmerschied nicht gepfiffen wurde (67.). "Er blockt ganz klar den Spieler weg", sagte Anfang mit ironischem Unterton. Zimmerschied selbst gab sich auf die Szene angesprochen schon deutlich verärgerter: "Ich muss aufpassen, was ich sage. Der Schiedsrichter steht zwei Meter daneben. In der jetzigen Situation entscheidet sowas ein Spiel." Eine Kommunikation mit dem Unparteiischen in dieser Situation sei nicht möglich gewesen: "Das ist schwierig, weil da auch immer so eine arrogante Art dabei ist. Da fällt es schwer, cool zu bleiben." Zimmerschieds Anregung, den Austausch mit dem Linienrichter zu suchen, blieb daher ungehört. Als die Viktoria nur knapp zehn Minuten später dann auf 2:0 erhöhte, war die fünfte sieglose Partie in Folge perfekt.

Am Ende habe die Überzeugung gefehlt, so Zimmerschied. "Der Stecker wurde gezogen, nichts funktionierte mehr." Am Trainer habe es aber nicht gelegen: "Der Coach redet viel mit uns. Wir haben alle verstanden, worum es geht." Am Ende sei die Mannschaft dafür verantwortlich, was auf dem Platz passiert. Der Offensivspieler musste eingestehen: "Wir haben uns in den letzten Wochen immer mehr in die Scheiße geritten und auch damit angefangen, die Heimspiele zu verlieren." In der Tat kassierte Dynamo gegen Köln bereits die vierte Heimpleite in diesem Jahr – im achten Spiel. "Heute war der Tiefpunkt", sagte der 25-Jährige und sprach von einer "bescheidenen Situation".

Was wird aus Anfang?

Über das große Ziel, den Aufstieg, "brauchen wir jetzt nicht zu reden", meinte Zimmerschied. Zwar belegt Dynamo weiterhin Rang 3, weil auch der 1. FC Saarbrücken gepatzt hat, allerdings könnte Münster am Sonntag noch vorbeiziehen. Zudem bestreitet der FCS am Mittwoch noch ein Nachholspiel. Angesichts der aktuellen Negativserie "fällt es mir schwer, positiv nach vorne zu schauen", so der Linksaußen. Am kommenden Samstag steht nun das Auswärtsspiel beim Tabellenzweiten in Regensburg an. "Wir können ohne Druck dahin fahren und befreit aufspielen. Wir haben nichts mehr zu verlieren", so Zimmerschied. "Arsch aufreißen und schauen was rauskommt", gab er als Motto vor.

Am Mittwoch (20:20 Uhr) wartet zunächst aber noch das Landespokal-Halbfinale bei Viertligist FSV Zwickau. Ob Anfang, der "weit davon weg" sei, die Saison bereits abzuhaken, dann noch auf der Bank sitzt? Nach der neuerlichen Pleite dürfte die Trainerdiskussion in den nächsten Tagen nochmal Fahrt aufnehmen. Zimmerschied entgegnete aber: "Wir haben vieles probiert, es liegt nur noch an uns. Da können die Trainer machen was sie wollen." Ob die Verantwortlichen das weiterhin genauso sehen?

 

Update: Am Abend hat Dynamo die Reißleine gezogen und sich von Trainer Markus Anfang getrennt

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