Winterfazit Osnabrück: Mit Geschlossenheit zum Ligaprimus

Die Hinrunde in der 3. Liga ist Geschichte – bis auf einige Ausnahmen haben die Vereine 22 Spiele absolviert. Grund genug die bisherige Saison einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Im Hinrundenfazit widmet sich liga3-online.de heute dem VfL Osnabrück. Die Osnabrücker gehen mit 47 Punkten aus den ersten 22 Spielen als Tabellenführer der 3. Liga hervor, die überaus erfolgreiche Hinserie ließen die Lila-Weißen beim letzten Spiel des Jahres mit einem 5:1 bei Kickers Offenbach ausklingen. Die Lila-Weißen sind gut drauf, für 2013 ist ihnen sicherlich alles zuzutrauen.

Das lief gut: Die Einstellung

Wenn ein Verein nach 22 Spielen 47 Punkte auf dem Konto hat, dann muss vieles richtig gelaufen sein. Bevor man aber Erfolg haben kann, muss im Vorfeld einiges passieren. VfL-Trainer Claus-Dieter Wollitz hat vor der Saison einiges bewegt, 13 Spieler wurden abgegeben, 13 neue geholt. Wichtig war es, neben aller sportlicher Qualität, dass sich die Akteure mit dem Osnabrücker Traditionsverein vollends identifizieren. Am Ende des Jahres 2012 lässt sich sagen, dass sie es alle tun. Vor allem deswegen, weil der Trainer ihnen die Liebe zum Verein vorlebt. Die Einstellung passt, die Spieler sind Woche für Woche dazu bereit, "alles rauszuhauen", wie es so schön an der Hase heißt. Aber nicht nur die psychische Einstellung, auch die sportliche passt. Bei so einigen Spielen überraschte Wollitz mit neuen Systemen, anderen Spielern. Die Osnabrücker sind flexibel und oft schwer ausrechenbar. Auch fußballerisch haben die Lila-Weißen also einiges drauf.

Die Abwehr

Zusammen mit dem Zweitplatzierten Karlsruher SC stellt der VfL Osnabrück mit gerade einmal 14 Gegentreffern in 22 Spielen die beste Defensive der Liga. Anteil daran hat die ganze Mannschaft, die gut mit nach hinten arbeitet, vor allem aber natürlich die Abwehrreihe an sich. David Pisot stellt in der Innenverteidigung eine echte Säule dar, verpasste bisher noch kein Spiel und ist unheimlich sicher in Zweikampf und Spieleröffnung. Aber auch der überraschend in die Startformation gerückte Timo Beermann machte bisher ebenso wie Linksverteidiger Alexander Krük einen guten Job. Nicht zuletzt haben auch die Abräumer im defensiven Mittelfeld, Timo Staffeldt und Sebastian Neumann/Claus Costa, großen Anteil an der sicheren Defensive.

Die Auswärtsstärke

Lange Zeit hat man den Osnabrückern nachgesagt, sie seien zu Hause an der Bremer Brücke eine Macht, auswärts aber oft schwach. In dieser Saison präsentieren sich die Lila-Weißen aber daheim wie in der Ferne sehr stark, führen sogar die Auswärtstabelle der 3. Liga an. Überhaupt legt der VfL derzeit eine großartige Serie hin: Seit der 0:2-Derbyniederlage am 15. September gegen Preußen Münster haben die Lila-Weißen kein einziges Spiel mehr verloren – in Zahlen macht das 13 ungeschlagene Spiele in Serie.

Das lief nicht gut: Nicht viel

Was kann der VfL noch besser machen? Nicht viel dürfte die Antwort sein. Wenn man den Osnabrückern eins vorwerfen kann, dann die oft fehlende Kaltschnäuzigkeit vor dem gegnerischen Gehäuse. Oft kamen die Lila-Weißen trotz großer Überlegenheit nicht über ein oder zwei eigene Treffer hinaus, einzig am letzten Spieltag des Jahres gegen Kickers Offenbach ließen sie ihre Torgefährlichkeit mit einem 5:1-Kantersieg aufblitzen. Auch wenn 36 eigene Treffer keine schlechte Bilanz ist, hätte es wohl den einen oder anderen Treffer mehr geben dürfen. Viele VfL-Fans dürften sich da an das bittere 0:0 im Derby gegen Arminia Bielefeld zurückerinnern, als Timo Staffeldt in der letzten Minute einen Elfmeter vergab.

Bester Spieler: Alle / Schwächster Spieler: Niemand

Bei der Frage nach dem bisher besten Spieler im lila-weißen Trikot dürfte man sich der Meinung des Trainers Pele Wollitz anschließen: Alle Spieler sind bisher über sich hinaus gewachsen, da gibt es nicht wirklich jemanden, den man herausheben kann. Vielleicht ein Manuel Riemann, der im Tor des VfL ein ums andere Mal großartige Paraden zeigte, oder ein Timo Staffeldt, der als Anführer auf dem Platz zeigt, wo es lang geht. Auch ein David Pisot oder Daniel Nagy sind zu erwähnen – letztendlich aber sind die Leistungen aller Spieler großartig.

Transfermarkt

Eine wichtige Personalie hat Trainer und Sportdirektor Wollitz bereits abhaken können: Manuel Riemann hat seinen Ende der Saison auslaufenden Vertrag um ein Jahr bis 2014 verlängert. Dafür wird sich der Torhüter aber noch in diesem Jahr einer Hand-OP unterziehen müssen, sein darauffolgender Ausfall ist noch nicht abzuschätzen. Laut Wollitz wolle man sich um Ersatz bemühen, da er die beiden Ersatzkeeper Nils Zumbeel und Björn Bussmann dem Druck nicht aussetzen möchte. Als Kandidat gilt der 23 Jahre alte Sascha Burchert von Hertha BSC Berlin. Hierbei kommt wohl nur eine Leihe infrage, zumal die Kasse beim VfL auch nach der Ausgliederung und finanziellen Hilfe der Stadt noch nicht prall gefüllt ist. Mit großen Transfermarktaktivitäten wird also nicht zu rechnen sein. Wollitz hatte zuletzt versichert, dass der VfL keinen Spieler abgeben wird.

Fazit

Es ist großartig, was in der bisherigen Saison in Osnabrück gewachsen ist. Nach der nicht zufriedenstellenden Saison 2011/12 war – auch nach dem kompletten Kaderumbau – mit solch einer Entwicklung nicht unbedingt zu rechnen. Umso schöner ist es nun für Spieler und Fans, dass es sportlich so gut läuft. Die Mannschaft ist eine Einheit, das Sprichwort "Einer für alle – alle für einen" wird an der Hase gelebt – sehr erfolgreich, wie sich am Tabellenplatz erkennen lässt.

Ausblick: Alles ist möglich

Der VfL Osnabrück kommt inzwischen nun wirklich nicht mehr drumherum: Er ist Aufstiegskandidat Nummer 1. Bisher ist auch nicht erkennbar, woran die Mannschaft zerbrechen soll. Nach der nun beendeten Diskussion um Trainer Pele Wollitz dürfte eigentlich nicht mehr viel passieren. Die Mannschaft ist zusammengewachsen, mit der in den ersten 22 Spielen gelebten Geschlossenheit kann es mit Sicherheit auch am Ende zum ersehnten Aufstieg in die 2. Bundesliga reichen. Die Härteprobe erwartet die Lila-Weißen am 26. Januar zum Jahresauftakt – dann ist der Zweitplatzierte Karlsruher SC zu Gast in Osnabrück.

FOTO: Flohre Fotografie

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