Wer steigt im Westen auf: Viktoria Köln oder Oberhausen?

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In vier der fünf Regionalligen ist die Meisterfrage geklärt, zwei Aufsteiger stehen fest. Der dritte wird sich am Samstag dazugesellen, aber wer? Viktoria Köln und Rot-Weiß Oberhausen duellieren sich, obgleich zwischen den Stadien mehr als 60 Kilometer Luftlinie liegen. Wann steigt wer auf, wer ist favorisiert und was bringen die Aufstiegskandidaten der 3. Liga mit? Wir klären auf.

Der haushohe Favorit: Viktoria Köln

Seit Jahren ist die Rolle von Viktoria Köln in der Regionalliga West die gleiche: Die ganze Liga schaut ehrfürchtig zum maßgeblich von Investor Franz-Josef Wernze geprägten rechtsrheinischen Klub auf, der finanziell deutlich besser gestellt ist als die ganze Liga – gerade im Vergleich mit den schlafenden Riesen aus Essen, Aachen und Wuppertal. Tobias Willers, Fabian Baumgärtel, Steffen Lang, Simon Handle, Nicolas Hebisch, Albert Bunjaku: Viele Namen im Kader der Kölner kennt der geneigte Drittliga-Fan noch gut, überhaupt besteht eine Säule des Erfolgs aus der großen Erfahrung im Kader.

Klingt ganz nach dem KFC Uerdingen, wird mancher Leser nun einwenden. Völlig aus der Luft gegriffen ist der Vergleich nicht, gleichwohl ist Viktoria Köln als eine Nummer kleiner einzuschätzen. Dass dem Klub im Aufstiegskampf durchaus hektischer Aktionismus widerfährt, zeigte ein völlig überraschender Trainerwechsel am Montag. Patrick Glöckner musste nach der 0:2-Niederlage beim abstiegsdrohten SV Straelen gehen, U19-Trainer und BVB-Legende Jürgen Kohler wird im allerletzten Saisonspiel gegen Borussia Mönchengladbach II übernehmen.

Viktoria Köln, nach der Hinserie noch sieben Zähler vor dem Zweiten, hat durch eine kaum zu erklärende Schwächephase in den vergangenen Wochen seinen Vorsprung beinahe komplett verspielt. Rot-Weiß Oberhausen, das selbst beim 1:6 (!) daheim gegen den 1. FC Köln II böse ausrutschte, robbte sich mit Geschick und viel Glück – die letzten sechs Siege gelangen alle mit genau einem Tor Vorsprung – heran und liegt nun nur noch einen Zähler hinter Köln. Das Torverhältnis spricht klar für die Viktoria, die aber zum Saisonfinale den Tabellenvierten empfängt: Gladbach II holte in der zweiten Saisonhälfte drei Punkte mehr als der Spitzenreiter und gilt als äußerst unangenehmer, weil spielstarker und temporeicher Gegner. Patzt Viktoria Köln, wäre RWO durch – sofern die Mannen vom Niederrhein ihr Heimspiel gegen den Siebten SC Verl durchbringen. Ebenfalls kein Selbstläufer.

Der Underdog: Rot-Weiß Oberhausen

"Underdog", das war Rot-Weiß Oberhausen irgendwie immer schon. Irgendwann beschloss der Klub sogar, sein Maskottchen so zu nennen. In der Regionalliga West mochte die Umschreibung kaum noch zutreffen, im Vergleich mit Viktoria Köln aber schon: Oberhausen hat den kleineren Etat, hatte lange die kleineren Ambitionen – würde sich eines Aufstiegs im Gegensatz zu manchen Kontrahenten, die frühzeitig auf das Beantragen der Drittliga-Zulassung verzichteten, aber nicht verwehren. Und: Oberhausen fliegen die Sympathien nur so zu. Auch weil der Name von RWO, der immerhin für einige Jahre in der Frühphase der Bundesliga sowie elf Zweitliga-Spielzeiten zwischen 1998 und 2011 steht, in vielen Ohren schlichtweg prominenter, größer, attraktiver klingt.

Der Kader von RWO ist etwas jünger und mit deutlich weniger bekannten Namen gespickt. Daniel Davari und Trainer Mike Terranova kennen selbst die zweite Liga, Philipp Eggersglüß war ein Jahr Stammspieler bei Werder Bremens Reserve in der 3. Liga. Und sonst? Einige Talente und jede Menge Spieler im besten Fußballeralter, die trotz verschiedener Herkunft (Aserbaidschan, Togo, Nigeria) mit großem Zusammenhalt eine Spitzensaison absolviert haben.

Und als würde das nicht genügen, hat sich Rot-Weiß Oberhausen für Samstag auch noch 14 Mitglieder der Bundesliga-Aufstiegsmannschaft von 1969 ins mittlerweile zum Teil renovierte und mit einer überdachten Hintertortribüne ausgestattete Niederrheinstadion eingeladen. Ob die Anwesenheit die finale Portion Glück mit sich bringt, die RWO im dramatischen Finale der Regionalliga West braucht?

Unser Tipp: Rot-Weiß Oberhausen überholt Viktoria Köln mit einem knappen 2:1-Erfolg über Verl – Gladbach II knöpft den Rheinländern ein 1:1-Remis ab und schickt RWO damit unter großem Jubel in die 3. Liga.

   
  • Phillip

    Zu hoffen wäre es. Einen Verein wie Viktoria Köln braucht kein Mensch.

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