Was aus den Abgängen des 1. FC Magdeburg geworden ist

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Auf den Abstieg in die 3. Liga folgte für den 1. FC Magdeburg vor der aktuellen Saison der große personelle Umbruch. Ganze 19 Spieler verließen den Verein, um nun ihr Glück woanders zu suchen. liga3-online.de hat mal nachgeschaut, wo die Magdeburger Abgänge inzwischen untergekommen sind. 

Hanna in der Ukraine, Lewerenz in Belgien

Marius Bülter: Es ist die Geschichte eines rasanten Aufstiegs, die an der Personalie Marius Bülter aufgezeigt werden kann. Noch bis 2018 spielte der 26-jährige Linksaußen in der Regionalliga West für den SV Rödinghausen und schloss nebenbei ein Studium als Maschinenbauer ab. Es folgte sein Wechsel zum 1. FCM in die 2. Bundesliga, in der Bülter in 32 Einsätzen vier Treffer erzielte und durch seine starken Leistungen Union Berlin auf sich aufmerksam machte. Der Bundesliga-Aufsteiger griff zu, hat Bülter für die anstehende Erstligasaison ausgeliehen (Leihgebühr 400.000 Euro) und sich zudem noch eine Kaufoption in Höhe von 700.000 Euro gesichert. Die Vorbereitung in diesem Sommer lief dann auch recht ordentlich für den Linksaußen, der im DFB-Pokal beim 6:0 gegen Germania Halberstadt über die volle Spielzeit zum Einsatz kam und mit zwei Vorlagen zu glänzen wusste. Am ersten Spieltag im Heimspiel gegen RB Leipzig könnte Bülter nun seine ersten Bundesliga-Minuten sammeln und dann darum spielen, nicht nach Magdeburg zurückkehren zu müssen.

Steffen Schäfer: Nach zwei Jahren in der Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts kehrte Innenverteidiger Steffen Schäfer nicht nur dem 1. FCM den Rücken, der 25-Jährige wechselte gleich komplett ins Ausland und unterschrieb einen Vertrag beim niederländischen Erstligisten VV-Venlo. Dort erlebte Schäfer direkt mal einen historischen Moment – allerdings nur vom Bett aus. Nach dem 3:1 gegen RKC Waalwijk am ersten Spieltag war Venlo erstmals in der 116-jährigen Vereinsgeschichte Spitzenreiter der Eredivisie, der eigentlich für die Startelf vorgesehene Schäfer fiel aber kurzfristig krankheitsbedingt aus. Sein Ligadebüt gab er dafür über 90 Minuten am zweiten Spieltag gegen Sparta Rotterdam. Endstand: 1:4.

Joel Abu Hanna: Bereits in der Rückrunde der vergangenen Saison war Joel Abu Hanna verliehen worden und stieg mit Fortuna Köln in die Regionalliga West ab. Im Sommer wechselte der Linksverteidiger nun zu Zorya Luhansk in die erste ukrainische Liga, wo der 21-Jährige vom ehemaligen Bremer-Doublesieger Viktor Skripnik trainiert wird. Seine Einsatzzeiten in der Ukraine können sich bisher sehen lassen. Abu Hanna kam in zwei Ligaspielen sowie drei Partien der Europa-League-Qualifikation zum Einsatz.

Steven Lewerenz: Der Stürmer spielte nach seinem Wechsel von Holstein Kiel zum 1. FC Magdeburg im vergangenen Winter nur eine Halbserie in blau und weiß und bekam anschließend keine Vertragsverlängerung angeboten. Also wechselte der 28-jährige Lewerenz zu RE Virton in die zweite belgische Liga. Dort läuft es bisher aber alles andere als rund. Nach zwei Spieltagen steht Virton noch ohne Punktgewinn auf dem letzten Platz, Lewerenz verzeichnete dabei nur einen Kurzeinsatz über 15 Minuten.

 

Kips spielt international

Tim Kips: Nominell ebenfalls bei RE Virton unter Vertrag steht auch der ehemalige Magdeburger Nachwuchstorhüter Tim Kips. Der 18-Jährige verbrachte auf dem Papier aber nur einen Tag in Belgien und wurde dann nach Luxemburg zu F91 Düdelingen verliehen. Beim luxemburgischen Meister ist Kips die unumstrittene Nummer 1 zwischen den Pfosten und könnte mit Düdelingen sogar international spielen. Nach zwei Siegen gegen Nomme Kalju aus Estland (3:1 und 1:0) stehen die Luxemburger in den Play-Offs zur Europa League, für die sie sich erst 2018 erstmals in ihrer Vereinsgeschichte qualifiziert hatten.

Dennis Erdmann: Der 28-jährige Innenverteidiger hat vor allem durch seine ruppige Spielweise und seine markanten Sprüche eine deutschlandweite Bekanntheit erlangt. Beim eigenen Anhang beliebt und bei den Gegenspielern gefürchtet, das wurde Erdmann auch in seinen zwei Jahren in Magdeburg. Seit diesem Sommer streift sich der Innenverteidiger allerdings das Trikot von 1860 München über die Brust und fiel am ersten Spieltag gleich mal als Torschütze auf. Allerdings traf Erdmann beim 1:1 gegen Preußen Münster unglücklich ins eigene Tor, indem er einen Ball abfälschte. Dennoch bleibt Erdmann bei den Münchner Löwen gesetzt und hat auch an seiner Spielweise bisher nichts geändert. Nach vier Spielen hat Erdmann bereits drei gelbe Karten erhalten, die erste gab es am ersten Spieltag schon in der dritten Spielminute.

Richard Weil: Gleich zwei Ligen tiefer ging es für Richard Weil nach dem Abstieg mit dem 1. FC Magdeburg. Der 31-jährige Mittelfeldspieler ging zu den Offenbacher Kickers in die Regionalliga Südwest, wo Weil direkt zum Mannschaftskapitän aufgestiegen ist. Nach sieben Punkten aus den ersten drei Spielen steht Offenbach derzeit auf Platz fünf, hat aber noch ein Spiel weniger als die besserplatzierte Konkurrenz auf dem Konto. Weil kam in allen drei bisherigen Begegnungen über die volle Distanz zum Einsatz.

Mario Seidel: Ebenfalls aus Magdeburg nach Offenbach gewechselt ist Mario Seidel. Anders als Weil ist der 24-jährige Torhüter beim OFC allerdings noch nicht zum Einsatz gekommen und nimmt schon wie zuvor beim 1. FCM nur auf der Bank Platz. Bisher ist für Seidel kein Vorbeikommen an dem ein Jahr jüngeren Dominik Draband.

 

Quartett blieb in der 2. Liga

Nils Butzen: "Wie ein Stück Dreck liegengelassen" fühlte sich Nils Butzen in diesem Sommer, als er seinen 1. FC Magdeburg nach dem Abstieg und insgesamt zehn Jahren Vereinstreue verlassen musste. Immerhin dem Osten erhalten blieb der 26-jährige Mittelfeldspieler erhalten und ging zu seinem ehemaligen Trainer Jens Härtel nach Rostock. Dort kam Butzen bisher in drei Ligaspielen und dem DFB-Pokal-Duell mit dem VfB Stuttgart zum Einsatz, am 12. Spieltag kommt es dann zur Begegnung mit seiner alten Liebe.

Philip Türpitz: Trotz Abstieg in der 2. Bundesliga verblieben ist unter anderem Philip Türpitz. Der 27-jährige offensive Mittelfeldspieler hat sich dem SV Sandhausen angeschlossen, wartet dort aber noch auf seinen ersten Einsatz in der Liga. Immerhin durfte Türpitz aber für 20 Minuten im DFB-Pokal gegen Borussia Mönchengladbach ran, am Ende gab es eine knappe 0:1-Niederlage.

Aleksandar Ignjovski: Der ehemalige Bundesligaspieler Aleksandar Ignjovski (Werder Bremen, Eintracht Frankfurt und SC Freiburg) steht mittlerweile bei Holstein Kiel unter Vertrag, wo der zwölfmalige serbische Nationalspieler im defensiven Mittelfeld seine Zweikampfstärke unter Beweis stellen soll. Bisher klappte das nur mit mäßigem Erfolg. Bei zwei Einsätzen in der Liga gab es für den 28-Jährigen und sein Team ein Unentschieden und eine Niederlage.

Michel Niemeyer: Vom Absteiger zum Aufsteiger hieß es für den langjährigen Magdeburger Nichel Niemeyer. Der 23-jährige Linksverteidiger spielt seit dieser Saison für den SV Wehen Wiesbaden und kam dabei in allen zwei Ligaspielen sowie im Pokal zum Einsatz. Die bittere Bilanz bisher: Drei Spiele, drei Niederlagen.x

Felix Lohkemper: Nach zwei Jahren und 50 Pflichtspielen für den 1. FC Magdeburg ist Felix Lohkemper zum 1. FC Nürnberg weitergezogen, für den 24-jährigen Stürmer sei dies der "nächste logische Schritt" gewesen, wie er selber nach Unterzeichnung des Dreijahresvertrags sagte. Beim Club muss sich Lohkemper aber noch ein bisschen gedulden, wegen einer hartnäckigen Wadenverletzung konnte er bisher noch nicht zum Einsatz kommen.

 

Loria zog es nach Zypern

Giorgi Loria: Als Ersatz für den nach Braunschweig abgewanderten Torhüter Jasmin Fejzic war Giorgi Loria im vergangenen Winter nach Magdeburg gekommen und stand auch in einem Großteil der Rückrunde zwischen den Pfosten. Nach dem Abstieg ist der 33-jährige georgische Nationalkeeper (48 Spiele) nach Zypern zu Anorthosis Famagusta gewechselt. Dort beginnt die Saison erst Ende August.

Christopher Handke: Wie schon beim Abgang von Nils Butzen floss auch beim Abschied von Christopher Handke böses Blut. Im letzten halben Jahr habe man ihn "behandelt wie Dreck" so die damalige Aussage des 30-Jährigen, der sechs Jahre für Magdeburg spielte und zwei Aufstiege miterlebte. Umso brisanter war es, dass der Innenverteidiger gleich am zweiten Spieltag mit seinem neuen Verein FSV Zwickau auf Magdeburg traf. Beim 0:0 blieb Handke allerdings über 90 Minuten auf der Bank und kam bisher auch nur beim 0:3 gegen 1860 München zum Einsatz.

Jan Kirchhoff: Lang und schillernd ist die Transferhistorie bei Mittelfeldspieler Jan Kirchhoff. Der mittlerweile 28-Jährige stand unter anderem schon bei Schalke 04 und dem FC Bayern München unter Vertrag und spielt nach seinem Intermezzo in Magdeburg mittlerweile für den KFC Uerdingen. Dort ist der ehemalige deutsche U21-Nationalspieler direkt zum Kapitän ernannt worden, muss aktuell aber wegen einer Knieprellung passen und stand nur am ersten Spieltag gegen den Halleschen FC auf dem Platz.

 

Brégerie noch ohne Verein

Nico Hammann: Eigentlich wäre Nico Hammann gerne beim 1. FC Magdeburg geblieben, doch der Absteiger ließ den 31-jährigen Innenverteidiger zu lange im Unklaren über die Zukunft, so dass der Routinier schließlich zum Rivalen nach Jena ging. Dort stand Hammann bisher über die komplette Spielzeit auf dem Platz, muss aber nach vier Niederlagen aus vier Spielen den nächsten Abstiegskampf befürchten.

Leon Heynke: Ohne ein einziges Spiel in der 2. Bundesliga blieb der 19-jährige Leon Heynke, der von Magdeburg an Germania Halberstadt verliehen worden war. Der junge Innenverteidiger schnürt in dieser Spielzeit nun für Lokomotive Leipzig in der Regionalliga Nordost die Fußballschuhe.

Romain Brégerie: Für eine Saison vom FC Ingolstadt ausgeliehen war der Franzose Romain Brégerie. Der 33-jährige Innenverteidiger steht nach dem Ende der Leihe und dem Abstieg der Schanzer momentan noch ohne einen neuen Verein da.

   

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